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Börsenkrise : Finanzwerte erholen sich an der Wall Street

  • -Aktualisiert am

Wall Street, New York: Durch Zinssenkung beflügelt Bild: AFP

Die Abschreibungen auf Hypotheken zehren die Gewinne der Finanzbranche im Quartal völlig auf. Doch die Zinssenkung beflügelt die Kurse. Zuvor hatten zwei Banken einen passenden Schlusspunkt unter eine katastrophale Bilanzsaison des Finanzmarktes gesetzt.

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          Die starken Kursschwankungen der Finanzwerte an der Wall Street dauern an. Schon am Dienstag hatten sich die seit Monaten unter Druck stehenden Kurse der im Aktienindex S&P 500 stark gewichteten Finanztitel kräftig erholt. Und das, obwohl die Quartalsergebnisse von zwei Großbanken enttäuschten. Auslöser dafür war offenbar die Leitzinssenkung der Notenbank Fed gewesen. Am Mittwoch setzte sich die Erholung fort, nachdem Analysten der Investmentbank Bear Stearns ihre Bewertung für Großbanken angehoben hatten.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Die beiden großen Banken aus Charlotte im Bundesstaat North Carolina, die Bank of America und Wachovia, hatten zuvor einen passenden Schlusspunkt unter eine katastrophal ausgefallene Bilanzsaison der amerikanischen Finanzbranche gesetzt. Die Bank of America, das zweitgrößte amerikanische Kreditinstitut, und Wachovia, die Nummer vier der Branche, waren nur knapp an einem Verlust vorbeigeschrammt. Zuvor hatten die Citigroup, die nach Bilanzsumme größte Bank des Landes, und die Investmentbank Merrill Lynch einen Verlust von jeweils knapp 10 Milliarden Dollar ausgewiesen.

          Die Investmentbanken Morgan Stanley und Bear Stearns hatten erstmals in ihrer Geschichte einen Quartalsverlust ausgewiesen. Insgesamt sind die Gewinne der im S&P 500 abgebildeten Finanzwerte nach Angaben des Finanzinformationsdienstes Thomson Financial gegenüber dem Vorjahr um durchschnittlich rund 100 Prozent zurückgegangen. In anderen Worten: Die Vorjahres-Gewinne wurden völlig aufgezehrt.

          Goldman Sachs und Morgan Chase bieten Lichtblicke

          Nahezu unisono begründeten die Banken die Einbußen mit höher als erwarteten Abschreibungen in Zusammenhang mit Hypothekenanlagen. Alle Banken waren mehr oder weniger stark in der Verbriefung von Immobiliendarlehen sowie im Handel mit den so entstandenen Hypotheken-Anleihen engagiert. Angesichts steigender Zahlungsausfälle der zweitklassigen Hypotheken war der Markt für diese Anleihen weitgehend zusammengebrochen. Banken erhöhten zudem ihre Rückstellungen für notleidende Kredite, weil sie wegen der unsicheren Wirtschaftslage mit steigenden Kreditausfällen rechnen.

          Einen Lichtblick boten nur zwei Institute: Die Investmentbank Goldman Sachs und die Großbank J.P. Morgan Chase. Goldman Sachs hatte frühzeitig auf fallende Kurse der Hypothekenpapiere gewettet und erwirtschaftete im vierten Quartal ein leichtes Gewinnplus. Für J.P. Morgan Chase, der nach Bilanzsumme drittgrößten Bank der Vereinigten Staaten, fiel der Gewinnrückgang mit 34 Prozent nicht so drastisch aus wie bei den Konkurrenten. Jamie Dimon, Vorstandschef von J.P. Morgan Chase, sprach sogar von Akquisitionsplänen. „Wir sind sehr offen für den Kauf von Vermögenswerten oder Unternehmen“, sagte Dimon. An der Wall Street wurden große Regionalbanken wie Sun Trust aus Atlanta oder die in Seattle beheimatete Washington Mutual als Übernahmekandidaten gehandelt. Auch über ein Interesse von Dimon an Morgan Stanley und Bear Stearns wurde spekuliert.

          Die Sonderrolle von Goldman Sachs und J.P. Morgan Chase spiegelt sich in deren Kursen wider. Die Kurse waren in den vergangenen 52 Wochen im Vergleich zu Konkurrenten vergleichsweise gering gefallen. Der größte Verlierer an der Börse war die Citigroup mit einem Kursverlust von mehr als 55 Prozent. Das führte dazu, dass die Citigroup gemessen am Börsenwert hinter der Bank of America und J.P. Morgan Chase nur noch an dritter Stelle rangiert. Aber trotz der Kursverluste ist eine weitere Veränderung der Bankenlandschaft durch Akquisitionen nicht ausgeschlossen. Die Bank of America, deren Kurs um 30 Prozent gefallen war, hatte kürzlich den Kauf des größten Hypothekenanbieters Countrywide angekündigt. Der war nach Kursverlusten von 90 Prozent für nur 4 Milliarden Dollar zu haben.

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