https://www.faz.net/-gv6-shgf

Börsenjournalismus : Der Mann aus dem Fernsehen

  • Aktualisiert am

Börsenpromienter Markus Koch: Seit Mai für die DWS auf Sendung Bild: n-tv

Nach zehn Jahren auf dem Parkett der Wall Street ist der prominente Börsenkommentator Markus Koch seit Mai als Berater der DWS tätig. Seinem Sender n-tv bleibt er dennoch erhalten - ein brisanter Rollenwechsel.

          2 Min.

          Das Börsengesicht des Nachrichtensenders n-tv wird künftig seltener auf dem Bildschirm zu sehen sein. Zehn Jahre stand Markus Koch auf dem Parkett der Wall Street und rief den Zuschauern im fernen Deutschland die letzten Nachrichten von den amerikanischen Finanzmärkten zu. Souverän im Auftritt und freundlich in der Ansprache führte er seine Zuschauer auf die Höhen der Jahrhunderthausse und in die Tiefen der Jahrhundertbaisse. Über die Jahre hinweg stieg so sein Bekanntheitsgrad - und in der privaten Anlegerschaft auch seine Beliebtheit.

          Diese beiden Umstände will jetzt die DWS, der größte deutsche Anbieter von Publikumsfonds, für sich nutzen. Anfang Mai hat sie Koch über einen exklusiven Beratervertrag an Bord geholt. „Er ist bekannt in unserem Zielpublikum und damit ein Zugpferd“, formuliert ein DWS-Sprecher die Erwartungen. Er könne Sachverhalte an den Kapitalmärkten einfach kommunizieren und damit auch die Kommunikation gegenüber den Endkunden unterstützen. „Ich verstärke als Berater das DWS-Team als Kapitalmarkt- und Börsenexperte“, beschreibt der frühere n-tv-Mitarbeiter selbst seine neue Aufgabe.

          „Markus Koch, Experte der DWS in New York“

          Daß vielen Zuschauern dieser Seitenwechsel vom Journalismus in die Finanzbranche weitgehend verborgen geblieben ist, hat einen einfachen Grund: Koch tritt weiterhin als Kommentator von der Wall Street in dem Nachrichtensender auf. Nicht mehr so oft wie früher, aber immerhin noch eine Woche im Monat meldet er sich vom Parkett. Der Zuschauer muß schon genau hinhören, um den Rollenwechsel mitzubekommen. Die Moderatoren im Studio sind inzwischen angehalten, Markus Koch nicht mehr als Kollegen in New York zu begrüßen. Seit Mai heißt es: „Markus Koch, Experte der DWS in New York.“ Und dann macht der Ex-Kollege das, was er am besten kann: über das Geschehen des Tages berichten. Ein weiterer Hinweis auf Kochs neuen Brötchengeber - bislang Fehlanzeige.

          Seine Fans müssen also keinen Entzug fürchten. Vielmehr steigt für sie die Chance, ihrem Idol demnächst sogar persönlich zu begegnen. Koch ist inzwischen nach London gezogen, was die räumliche Distanz mindert. Von dort kann er in Richtung Westen nach New York düsen, um seine Kommentatorenrolle im Fernsehen zu erfüllen - und Richtung Südosten nach Deutschland fliegen, um die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank in ihren Verkaufsbemühungen zu unterstützen. Auftritte bei Kundenveranstaltungen sind geplant. Eine eigene Rubrik auf der Online-Seite ist in Aussicht gestellt. Für die Broschüre zum neuen DWS-Zertifikate-Fonds-Mix World Risk Master schrieb er kürzlich das Vorwort.

          „Investmentbanker muß nicht sein“

          Daß die Verbindung von Bildschirmprominenz und Fondsgesellschaft funktionieren kann, hat in den vergangenen Jahren schon der Konkurrent Dit aus dem Hause Allianz bewiesen. Mit dem Sportjournalisten Gerhard Delling und dem einstigen Fußballstar Günter Netzer läßt sich in der Werbung und noch viel besser auf Vertriebsveranstaltungen erfolgreich punkten. Koch kann da im Vergleich sogar die größere Nähe zum Kapitalmarkt vorweisen. Auf jeden Fall verdienen beide Seiten im Idealfall gutes Geld. Die Fondsgesellschaft durch das Neugeschäft mit den Anlegern, die Zugpferde durch eine angemessene Entlohnung.

          „Vielleicht gelingt es Ihnen, irgendwann als Investmentbanker in London zu arbeiten“, schrieb kürzlich eine Verehrerin in Kochs Internet-Tagebuch auf Focus-Online. „Da gibt es viele, die wesentlich mehr als Ackermann verdienen, der sich in Frankfurt mit etwa acht Millionen Euro im Jahr begnügen muß.“ Kochs Antwort auf den netten Verweis zum Chef der Deutschen Bank: „Investmentbanker muß nicht sein - bin auch so recht happy mit dem geringeren Einkommen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Abgang aus der Politik : Merkels Plan für Merkel

          Die Kanzlerin nennt es faszinierend, Politik nicht planen zu können und morgens nicht zu wissen, wie der Abend aussieht. Nur für ihren eigenen Weg hat das nie gegolten. Warum ihr geplanter Abgang funktionieren könnte.
          Wieder keine Punkte: Matija Nastasic und Schalke 04 verlieren gegen den FC Bayern.

          Tiefer Absturz des Krisenklubs : Was macht Schalke 04 jetzt noch Mut?

          Die Situation wird immer schlimmer für den FC Schalke in der Bundesliga. Gegen München verlieren die Königsblauen immerhin „nur“ 0:4. Bayern-Torhüter Manuel Neuer spricht anschließend über seinen früheren Verein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.