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Börsengesetz : Wenn am Börsenplatz die Lichter ausgehen

  • Aktualisiert am

„Bandenmäßige Steuerhinterziehung” - das gibt es bald nicht mehr Bild:

Das künftige Börsengesetz reformiert den Parketthandel. Auch Makler wollen sich gene dem Wettbewerb stellen.

          3 Min.

          Es ist kein Geheimnis: Wenn die Deutsche Börse frei agieren könnte, würde sie lieber heute als morgen die Handelsräume am Börsenplatz in Frankfurt in ein Museum, eine Diskothek oder ein Konferenzcenter wandeln. Noch ist es der Börse jedoch aus rechtlicher Sicht nicht möglich, den Parketthandel auszumerzen und alle Order über ihr elektronisches Handelssystem Xetra laufen zu lassen.

          Das derzeit diskutierte Vierte Finanzmarktförderungsgesetz dürfte jedoch die Weichen für das Ende des Präsenzhandels stellen und die letzten Parketthändler womöglich bald in Rente schicken. Formal heißt es in den Eckpunkten zum Gesetz, „die Zulassung der Wertpapiere von der Preisfeststellung entkoppeln“. Bislang erhalten Aktien nur die Zulassung zum amtlichen Handel, wenn auch ein amtlicher Kursmakler zugleich die Skontroführung übernimmt. Ein reiner elektronischer Handel ist somit nach gültigem Recht nicht möglich. Nun sollen Aktien auch ohne Makler an die Börse kommen und könnten nur über Xetra den Besitzer wechseln.

          Börse will nicht voreilig Parkett schließen

          Die Deutsche Börse begrüßt die geplante Änderung im Vierten Finanzmarktförderungsgesetz. „Aber auch wenn wir den rechtlichen Möglichkeiten haben, so werden wir sicherlich nichts überstürzen“, sagt Stefan Seip, Head of Market Policy bei der Deutschen Börse, zum möglichen Ende des Parketts. „Solange es ein Bedürfnis nach dem Geschäft auf dem Parkett gibt, werden wir den Präsenzhandel auch anbieten.“ Es verweist jedoch auf den rasanten Volumenanstieg bei Xetra, wo mittlerweile 80 Prozent aller Aktien gehandelt werden.

          Makler wollen nicht mehr amtlich sein

          Die Amtlichen Kursmakler haben keine Angst, dass sie mit dem Vierten Finanzmarktförderungsgesetz, das auch das Maklerrecht ändern soll, arbeitslos werden. Sie plädieren sogar für einen geänderten Status. „Wir beharren nicht auf den amtlichen Makler, sondern wünschen uns eine rechtliche Angleichung zwischen dem amtlichen und freien Skontroführer“, erklärt Peter Koch von der Kursmaklerkammer. Den bislang staatlich vereidigten Makler ist es unter anderen untersagt, sich an anderen Finanzinstituten zu beteiligen beziehungsweise selbst Beteiligungen an ihrer Firma zu zulassen. Um im Wettbewerb zu überleben, wäre es aber wichtig, dass sie sich zusammenschließen könnten.

          Zunft nicht vom Aussterben bedroht

          Koch gibt sich auch zuversichtlich, dass seinen Zunft so schnell nicht ausstirbt. Auch wenn Xetra viel Volumen abschöpfe, so könnten ohne liquiditätsunterstützende Maßnahmen höchstens die 30 Dax-Werte elektronisch gehandelt werden. „Für alle anderen braucht es Hilfen“, so der Makler. Die oftmals von den Konsortialbanken übernommenen Designated Sponsor-Verpflichtungen - wie sie am Neuen Markt verlangt werden - haben aber eine gewisse Brisanz hinsichtlich der Neutralität. Konsortialbank haben nicht unbedingt den fairsten Kurs im Blick, sondern oftmals eigene Interessen. Die Makler könnten sich als Skontroführer im freien Wettbewerb sehr wohl behaupten, meint der Sprecher der Kursmaklerkammer.

          Stengere Handelszulassungen

          Als zweiten wichtigen Punkt für die Börse will das Bundesfinanzministerium die Marktsegmentierung zwischen Amtlichen Handel, Geregelten Markt und Freiverkehr aufheben. Künftig soll es nur noch den Amtliche Handel und ein zweites Segment geben, für das ebenfalls öffentlich-rechtliche Maßstäbe gelten sollen. Der privatrechtliche Freiverkehr, für den derzeit relativ niedrige Qualitätskriterien gelten, soll wegfallen. „Damit werden die Anforderungen an die zugelassenen Aktien steigen“, sagt Seip. Folglich dürften auch eine Reihe von Aktien, vor allem ausländische Titel, vom Kurszettel der Deutschen Börse verschwinden.

          „Sicherlich werden einige Werte durch das Raster fallen“, räumt der Handelsstratege ein, „aber wir als Börse wollen uns ganz klar im oberen Qualitätsfeld positionieren“. Zudem sei die Änderung der Handelssegmente nach EU-Recht notwendig, da streng genommenen Freiverkehrswerte nicht über die Xetra-Plattform von den ausländischen Marktteilnehmern gehandelt werden dürften.

          Anforderungen besser durchsetzen

          Auch sollen die Börsen künftig auf dieses zweite Segment flexible neue Handelsbereiche legen können. Dies könnte für den Privatanleger Vorteile bringen. Denn der Neue Markt ist bislang ein privatrechtliches Konstrukt innerhalb des Geregelten Marktes. „Daher haben wir rechtlich nur bedingte Sanktionsmöglichkeiten“, erläutert der Head of Market Policy der Börse. Zwar kann die Börse die Unternehmen mit Strafen für verspätete Geschäftsberichte belangen, aber dies fußt lediglich auf Privatrecht. „Wenn der Neue Markt aber auf Satzungsrecht basiert, dann können wir besser einfordern, was derzeit auf dem Papier steht“, so Seip.

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