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Börsengang von Smart Fuel Cell : Vorschusslorbeeren für Brennstoffzellen

Hier wird auf die Zukunft gewettet: Antriebshilfe von SFC Bild: F.A.Z. - Claus Setzer

Erstmals in diesem Jahr ist es mit Smart Fuel Cell einem defizitären Unternehmen gelungen, seine Preisvorstellungen bei einem Börsengang durchzusetzen. SFC wird nun mit 250 Millionen Euro bewertet bei nur sieben Millionen Umsatz.

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          Mit Smart Fuel Cell (SFC) ist es erstmals in diesem Jahr einem defizitären Unternehmen gelungen, seine Preisvorstellungen für seine Aktien bei einem Börsengang durchzusetzen. Am Freitag nahmen die Papiere ihren Handel im hochregulierten Prime Standard der Deutschen Börse mit 37 Euro auf - die Zeichnungsspanne hatte 32 bis 39 Euro betragen. Damit erlöst das Unternehmen in Brunnthal bei München 89 Millionen Euro aus dem Börsengang, wovon 49 Millionen Euro dem Unternehmen zufließen, der Rest geht an die Altaktionäre.

          Daniel Mohr
          (dmoh), Wirtschaft

          Dem Hersteller von Brennstoffzellen ist es damit offenkundig gelungen, die Geschichte einer glorreichen Zukunft bei den Investoren zu verkaufen. Aufgrund der gegenwärtigen Lage werden sie die Aktie nämlich nicht gekauft haben. Das Unternehmen weist für das vergangene Jahr einen Umsatz von 7 Millionen Euro aus und machte dabei einen Verlust von 4,4 Millionen Euro. Im ersten Quartal 2007 betrug der Umsatz 3,4 Millionen Euro, der Verlust eine Million Euro. Angesichts dessen erscheint die aktuelle Börsenbewertung mit mehr als 250 Millionen Euro für ein Unternehmen mit gut 70 Beschäftigten geradezu abenteuerlich hoch.

          Simple Strategie: „Umsatz hoch“ und „Kosten runter“

          „Die Anleger suchen händeringend nach Anlagemöglichkeiten in diesem Bereich“, sagte Thomas Deser, Fondsmanager von Union Investment. „Es gibt hier eine Begeisterungskette im Energiesektor.“ Zunächst seien Ölförderer zu langweilig geworden, dann die Ölservicegesellschaften, und mittlerweile seien selbst Wind und Sonne nicht mehr hinreichend interessant. Und SFC sei zudem die erste Brennstoffzellen-Aktie in Europa überhaupt.

          „Umsatz hoch“ und „Kosten runter“ nennt Vorstandsvorsitzender Peter Podesser die beiden einleuchtenden Wege, die, gleichzeitig verfolgt, SFC zu einem „mittelfristig profitablen Unternehmen“ machen sollen. SFC befasst sich vornehmlich mit der Ausstattung von Wohnmobilen, Booten und abgelegenen Ferienhäusern mit Brennstoffzellen. Dort könne dann unbeschwert Strom genutzt werden, ohne an ein Stromnetz angeschlossen sein zu müssen. Dazu bedürfe es nur einer Brennstoffzelle, die zwischen 2000 und 3600 Euro koste, und Methanol - 10 Liter zum Preis von 22 Euro reichen nach Unternehmensangaben für zwei Wochen im Wohnmobil.

          Großes Potential in Ballungsgebieten und bei Alten

          Aber auch Messstationen an Pipelines, Verkehrsüberwachungssysteme, Rollstühle oder Soldaten könnten mittels Brennstoffzellen aus dem Hause SFC günstig mit Strom versorgt werden. So könne ein Soldat, der unter Umständen mehr als zehn Stromverbraucher mit sich trägt, im Ganzen deutlich leichter werden. Statt 13 Kilogramm Batterien seien jetzt nur noch die Brennstoffzelle Jenny mit einem Gewicht von 1,3 Kilogramm, 0,35 Liter Methanol und eine Hybridbatterie nötig.

          SFC berichtet, dass die Bundeswehr und die amerikanische Armee schon Kunden seien. In Frankfurt fahren zudem VeloTaxis mit Brennstoffzellen von SFC. Die Zellen dienen der Unterstützung des Fahrers, der das Gefährt ansonsten mittels Muskelkraft wie ein Fahrrad fortbewegt. Nennenswerte Umsätze aus diesem Geschäftsbereich erwartet SFC zunächst jedoch nicht, Potential gerade in Ballungsgebieten und beim Transport älterer Menschen sei aber durchaus vorhanden.

          Börsenneulinge sonst nicht mit hohen Bewertungen

          Die Investoren - mit dem festen Glauben an künftige Gewinne ausgestattet - waren bereit, einen ambitionierten Preis für das Unternehmen zu zahlen. „Wir hätten auch für 39 Euro je Stück alle Aktien unterbekommen“, heißt es von SFC. Man habe aber bestimmte Investoren bedienen wollen, die nur 37 Euro je Aktie zahlen wollten. Nun gingen 96 Prozent der plazierten Aktien für 37 Euro das Stück an institutionelle Anleger und 4 Prozent an Privatanleger.

          Solch hohe Bewertungen waren den Börsenneulingen in jüngster Zeit nicht vergönnt. Oft mussten die Preisvorstellungen gesenkt werden, um genügend Investoren zu finden, und trotzdem wurden gerade kleinere Unternehmen ihre Aktien dann nur gerade so am unteren Ende der Preisspanne los. Am ersten Handelstag gab es dann meist weitere Kursabschläge. Die Aktien von SFC lagen am ersten Handelstag im Prime Standard bei hohen Umsätzen in der Spitze um 7 Prozent im Minus bei 34,50 Euro.

          Manche Börsianer ziehen Vergleich zum Neuen Markt

          Die Anleger müssen sich im Klaren sein, mit dem Kauf einer solchen Aktie eine besonders heikle Wette auf die Zukunft einzugehen, die ungleich riskanter ist als eine Beteiligung an etablierten, größeren Aktiengesellschaften. So verweist Deser auf vergleichbare amerikanische Unternehmen, die seit Jahren defizitär arbeiten und von Zeit zu Zeit genügend Investoren finden, die den Unternehmen über Kapitalerhöhungen finanzielle Mittel zum Überleben zur Verfügung stellen.

          Auch Vergleiche zum Neuen Markt ziehen manche Börsianer. Damals hatte eine Reihe defizitärer Börsenneulinge auf langfristig glänzende Perspektiven verwiesen und so die Anleger vom Aktienkauf überzeugt. Manches Geschäftsmodell ist gescheitert, andere haben aber auch einen guten Weg genommen.

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