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Börsengang : Symrise-Aktie nichts für vorsichtige Anleger

  • Aktualisiert am

Ist auch die Aktie eine leckere Sache? Bild: F.A.Z.-Jesco Denzel

Beim Symrise-Börsengang machen Finanzinvestoren Kasse, der restliche Erlös fließt in den Schuldenabbau. Noch beträgt die Eigenkapitalquote nämlich nicht einmal zwei Prozent. Das sind nicht die besten Voraussetzungen für eine Erfolgsgeschichte.

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          Jetzt sind die Details bekannt: Anleger können die Aktien des Duft- und Aromastoff-Hersteller Symrise bis 8. Dezember für 15,75 bis 17,75 Euro kaufen. Zur Emission stünden insgesamt bis zu 81 Millionen Anteilsscheine zur Verfügung, teilte die Gesellschaft am Freitag mit. Davon stamme knapp die Hälfte aus einer Kapitalerhöhung. Der Rest komme aus dem Besitz der Altgesellschafter um den Finanzinvestor EQT, die auch die Mehrzuteilungsoption von bis zu 10,6 Millionen Stück stellten.

          Bei einer Zuteilung der Aktien am oberen Ende der Preisspanne käme der Börsengang von Symrise auf ein Emissionsvolumen von 1,4 Milliarden Euro. Das wäre der größte Börsengang in Deutschland in diesem Jahr. Im Frühjahr hatte der Chemiekonzern Wacker Chemie bei hoher Nachfrage rund 1,2 Milliarden Euro bei Investoren eingesammelt. Die Erstnotiz im Prime Standard ist für den 11. Dezember geplant. Angesichts der Größe der Aktienemission sehen Experten gute Chancen, daß Symrise in den Nebenwerteindex MDax aufgenommen werden könnte (Isin DE000SYM9999).

          Nummer vier in der Branche

          Die Spezialisten aus Niedersachsen entwickeln in filigraner Feinarbeit alles, was gut riecht und schmeckt. Damit setzen sie nun im Jahr mehr als 1,1 Milliarden Euro um und gehören zu den größten vier einer Branche, die nur etwa 13 Milliarden Euro schwer ist. Allerdings liefern die Duft- und Aromaentwickler den kaufentscheidenden Bestandteil für Produkte im Wert von 1.500 Milliarden Euro. Ein wichtiger Wettbewerber ist die Schweizer Givaudan (siehe auch: Givaudan-Aktie gut und teuer).

          Im „Mischraum” bei Symrise

          Die Marke Symrise ist bisher nur in der Unternehmenswelt bekannt, obwohl den Kreationen aus Holzminden kaum ein Deutscher entgeht. Seifen, Zahnpasta und Shampoo zum Beispiel riechen alle deshalb so, weil Düfte von Symrise drinstecken. Gleiches gilt für Aromastoffe, die etwa Erdbeer- oder Kirschjoghurts ihren Geschmack geben. Das Unternehmen lebt davon, daß Verbraucher Ideen, Träume, Vorurteile, Abneigungen und Vorlieben haben und deshalb einen Parfümduft kaufen, andere aber liegenlassen. Entscheidend für den künftigen Erfolg ist dementsprechend, sich auf den jeweiligen neuen Geschmack der Menschen einzustellen.

          Banken malen ein rosiges Zukunftsbild

          Ein Wettbewerbsvorteil des neuen Konzerns dürfte sein, daß er viele kleine Konkurrenten hinter sich gelassen hat und nun in der Liga der Großen mitspielt. Dadurch besitzt die Gesellschaft bessere Ertragsperspektiven. Dies bescheinigen ihr etwa die Analysten der Kreditinstitute Deutsche Bank und UBS, die den Börsengang federführend organisieren.

          Die beteiligten Banken malen ein rosiges Zukunftsbild von Symrise. Die Deutsche Bank rechnet zum Beispiel mit zweistelligen Gewinnzuwächsen pro Jahr bis 2009. Der Grund: Noch ist Symrise nicht so profitabel wie die Konkurrenz, gleichzeitig wirken Kostensenkungen und Umstrukturierung.

          Hohe Schulden lasten auf dem Unternehmen

          Soweit klingt alles prima, Symrise könnte eine wahre Erfolgsgeschichte werden. Doch ganz so einfach ist es wohl nicht. Die hohe Abgabequote der Altaktionäre spricht nicht gerade für deren großes Vertrauen in die Zukunft von Symrise. Außerdem lasten auf dem Unternehmen hohe Schulden, die ihm im Rahmen der Fusion 2002 aufgebürdet wurden. Der restliche Erlös aus dem Börsengang dient deshalb vor allem dazu, die Schulden abzubauen.

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