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Börsengang : Praktiker-Aktie kommt später und billiger

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Der Baumarkt wird immer preiswerter Bild: dpa/dpaweb

Die institutionellen Investoren haben sich durchgesetzt: Metro verringert die Preisspanne für die Praktiker-Aktie auf 14 bis 15 Euro. Die Startschwierigkeiten des Papiers entfachten einen Streit zwischen Banken und Fondsgesellschaften.

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          Der Metro-Konzern hat sich mit seinen Preisvorstellungen für den Börsengang der Baumarktkette Praktiker nicht durchgesetzt. Angesichts einer schleppenden Nachfrage senkte Metro die Preisspanne von bisher 16 bis 19 Euro auf 14 bis 15 Euro. Die geänderte Spanne zieht auch eine Verschiebung des Börsengangs von diesem Freitag auf den kommenden Dienstag (22. November) nach sich. Die Angebotsfrist wurde bis Montag verlängert. Der Emissionserlös sinkt von maximal 655,5 Millionen Euro auf höchstens 517,5 Millionen Euro. Metro muß damit finanzielle Einbußen von bis zu 70 Millionen Euro hinnehmen.

          Mit dem Rabatt beugte sich der Handelskonzern in letzter Minute dem Druck institutioneller Investoren. „Das Orderbuch war nicht voll“, sagt Georg Hansel von der Deutschen Bank, die gemeinsam mit JP Morgan und ABN Amro das Bankenkonsortium führt. „Viele Aufträge kommen gewöhnlich zwar erst am letzten Tag. Aber wir wollten kein Risiko eingehen.“ Während unter den ausländischen Investoren eine rege Nachfrage geherrscht habe, seien deutsche Anleger sehr zurückhaltend gewesen. Nach den Worten eines Metro-Sprecher ist die allgemeine Skepsis gegen Einzelhandelswerte durch die Berliner Koalitionsvereinbarung - vor allem wegen der geplanten Erhöhung der Mehrwertsteuer - verschärft worden.

          Graumarkt-Kurs sackt weiter

          Noch Ende vergangener Woche hatte die Konsortialbank JP Morgan behauptet, die Nachfrage sei sehr groß. Am Donnerstag war der für den Börsengang zuständige Manager aber nicht zu einer Stellungnahme bereit. Ein paar Fondsgesellschaften hatten beim Start der Zeichnungsfrist Anfang vergangener Woche unverhohlene Kritik an der ihrer Ansicht nach zu hohen Bewertung geäußert. Im Vergleich zu anderen Unternehmen der Heimwerker-Branche wie Kingfisher oder Hornbach sei Praktiker zu teuer, wurde bemängelt. Hansel widerspricht dem: Praktiker habe gegenüber Kingfisher mit der alten Preisspanne einen Abschlag von 20 Prozent geboten, der nun sogar auf fast 40 Prozent gestiegen sei.

          Im Graumarkthandel, wo die Aktie schon seit Tagen unter der Spanne gehandelt wurde, sackte der Kurs nach der Ankündigung nochmals ab und notierte bei dem Wertpapierhändler Lang&Schwarz mit 14,5 bis 15,25 Euro. „Ein schönes Beispiel, daß der Markt recht behält“, sagt Carsten Lütke-Bornefeld, Leiter des Handels bei Lang&Schwarz in Düsseldorf. Nach dem Absenken der Preisspanne sei der Verkaufsdruck aber nun weg. „Das Preisniveau ist jetzt interessant geworden“, meint auch Markus Barth, Fondsmanager von Nordinvest. Nun böten die Aktien einen Abschlag zur Konkurrenz. Er rechnet damit, daß der Börsengang jetzt reibungslos über die Bühne gehen wird.

          Streit zwischen Banken und Fondsgesellschaften

          Die Startschwierigkeiten von Praktiker entfachten einen Streit zwischen Banken und Fondsgesellschaften. Hansel wirft den Fonds vor, den Preis mittels öffentlicher Äußerungen schlechtgeredet zu haben. Dem widersprachen mehrere Fondsmanager. „Das war vielleicht 2004 bei der Postbank so, aber diesmal ist der Vorwurf Blödsinn. Es hat sich doch kaum jemand öffentlich geäußert“, sagt ein Fondsmanager. Für Thomas Hechtfischer von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) zeigt der Fall Praktiker vielmehr einen Fortschritt in der deutschen Aktienkultur. „Man trifft nun auf den mündigen Anleger, der nicht mehr bereit ist, jeden Preis zu zahlen.“

          Daß die schwache Nachfrage nicht einer generellen Zurückhaltung der Anleger geschuldet ist, zeigte auch der Börsengang des Flugzeugmotorenherstellers Thielert am Donnerstag. Dessen Aktien wurden zu je 13,50 Euro zugeteilt und damit im oberen Bereich der von 12 bis 14 Euro reichenden Preisspanne. Am ersten Handelstag stiegen die Papiere zeitweise um mehr als 4 Prozent.

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