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Börsengang : Klöco stellt sich den widrigen Marktbedingungen

  • Aktualisiert am

Klöckner & Co geht an die Börse Bild: picture-alliance/ dpa

Der Stahlhändler Klöckner & Co will am 28. Juni an die Börse. Der Eigentümer LGB ist offenbar zu einem Preisabschlag bereit und hat sich zu einer überdurchschnittlich langen Haltezeit bereit erklärt.

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          Der den Börsengang für den 28. Juni anstrebende Metallhändler Klöckner & Co (Klöco) hat vor Beginn seiner Werbetour vor Anlegern durchblicken lassen, sich bei der Preisfestsetzung für das Aktienangebot flexibel zu zeigen. Damit reagiert Klöco auf das schwache Marktumfeld, in dem der Dax und der M-Dax in den vergangenen fünf Wochen von ihren Jahreshochs aus um 15 und 22 Prozent eingebrochen sind.

          „Wir werden genau hinhören, was die Anleger zu zahlen bereit sind, und erst nach den Gesprächen mit den Investoren den Preis für unsere Aktien festsetzen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Thomas Ludwig. Er lockte die Anleger mit der Zusage auf eine Dividendenrendite von 3,5 Prozent schon im ersten Geschäftsjahr und dem Ziel von Klöco, bald nach dem Börsendebüt in den Nebenwerteindex M-Dax einzuziehen.

          Mehr als 500 Millionen Euro Emissionsvolumen

          Dem Unternehmen Klöco, nach eigenen Angaben das größte von einem Stahlproduzenten unabhängige europäische Distributionsunternehmen, sollen durch den Börsengang im Rahmen einer Kapitalerhöhung rund 100 Millionen Euro zufließen. Darüber hinaus strebt der bisherige Alleineigentümer, die Beteiligungsgesellschaft Lindsay, Goldberg & Bessemer (LGB), den Verkauf von 50 Prozent ihrer Aktien an.

          Insgesamt könnte sich so ein Emissionsvolumen von mehr als 500 Millionen Euro ergeben. Damit wäre Klöco der drittgrößte Börsengang in diesem Jahr nach Wacker-Chemie und Air Berlin. Die Preisspanne und der genaue Umfang des Angebots werden voraussichtlich am 21. Juni festgelegt. Zielgruppe für die Emission, die dann ab dem 22. Juni gezeichnet werden kann, sind überwiegend institutionelle Investoren.

          Klöco will mit dem Erlös aus dem Börsengang eine im Zuge des Einstiegs des Finanzinvestors LGB vor 15 Monaten aufgenommene, mit 10,5 Prozent verzinste Hochzins-Anleihe im Volumen von 250 Millionen Euro teilweise ablösen. Kritik daran, daß der überwiegende Teil des Emissionserlöses an die Altgesellschafter fließt, wies das Bankenkonsortium, bestehend aus UBS, Deutsche Bank und Morgan Stanley, zurück.

          Lange Haltepflicht

          „Das ist ein normales Phänomen, wenn eine Beteiligungsgesellschaft aussteigt“, sagte Georg Hansel von der Deutschen Bank. In diesem Fall sei bemerkenswert, daß sich LGB zu einer überdurchschnittlich langen Haltefrist für die Restanteile von zwölf Monaten verpflichtet habe. Eine größere Kapitalerhöhung für Klöco gebe es nicht, weil das Unternehmen sonst „überkapitalisiert“ sei.

          Daß LGB wegen der Marktlage den Börsengang noch abblasen könnte, halten die Investmentbanker für unwahrscheinlich. Dem Vernehmen nach schätzten Analysten den Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) von Klöco im Jahr 2007 auf rund 300 Millionen Euro nach 197 Millionen Euro im Jahr 2005.

          Europäische Unternehmen, die am ehesten mit Klöco vergleichbar sind, werden derzeit mit dem 7,5fachen des Ebitda an der Börse bewertet. Offenbar ist LGB bereit, nicht mehr als das Sechsfache des Ebitda zu verlangen. Damit würde Klöco, zieht man die langfristigen Schulden und Pensionsverpflichtungen von gut 800 Millionen Euro ab, mit 1 Milliarde Euro bewertet.

          Organisches Wachstum um 2,5 Prozent geplant

          Vier kleine Stahlhändler, die zusammen einen Umsatz von weniger als 200 Millionen Euro hatten, hat Klöco in Europa seit dem Erwerb durch den Finanzinvestor vor 15 Monaten gekauft. „Diese kleinen Aufkäufe werden wir nach dem Börsengang forcieren“, kündigte Ludwig an. Dank guter Zukaufsmöglichkeiten im fragmentierten Metallhandel in Europa soll der Umsatz, der im Jahr 2005 um 4,1 Prozent auf knapp 5 Milliarden Euro gestiegen war, jedes Jahr um 2,5 Prozent zulegen.

          Darüber hinaus will Klöco jedes Jahr organisch um 2,5 Prozent wachsen. Abhängig von den Stahlpreisen sei Klöco nicht, da man keine spekulativen Handelsgeschäfte tätige. Auch eine konjunkturbedingt abflauende Nachfrage befürchtet Ludwig nicht.

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