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Börsengang : Guter Start für Wacker-Chemie

  • Aktualisiert am

Freude bei Peter-Alexander Wacker Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Der Börsengang von Wacker-Chemie hat die hohen Erwartungen am ersten Handelstag erfüllt. Für Erstzeichner gab es eine zweistellige Tagesrendite. Doch Fondsmanager sitzen wieder am kürzeren Hebel.

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          Der Börsengang von Wacker-Chemie hat die während der Zeichnungsfrist aufgebauten hohen Erwartungen am ersten Handelstag erfüllt. Der erste Kurs wurde mit 90 Euro festgestellt und lag damit 12,5 Prozent über dem Ausgabekurs von 80 Euro. Im weiteren Handelsverlauf stieg der Kurs des Börsenneulings vor dem Hintergrund eines freundlichen Marktumfelds in der Spitze bis auf 98 Euro und ging schließlich knapp darunter mit 97,85 Euro aus dem Handel. „Das zeigt, daß wir den Markt vom Wert des Unternehmens überzeugt haben“, freute sich der Vorstandsvorsitzende des Chemiekonzerns, Peter-Alexander Wacker, über den gelungenen Einstand. Mit einem Emissionsvolumen von rund 1,2 Milliarden Euro war es der größte Börsengang in Frankfurt seit dem Postbank-Debüt im Juni 2004.

          Schon während der Vermarktungsphase hatte sich der gelungene Start abgezeichnet. Im vorbörslichen Handel notierten die Titel über dem oberen Ende der Zeichnungsspanne, die auf 70 bis 80 Euro je Aktie festgelegt worden war. Für große institutionelle Investoren wie beispielsweise Investmentfonds wurden die Bücher schon am vergangenen Donnerstag, einen Tag vor dem offiziellen Ende der Zeichnungsfrist, geschlossen. Insgesamt soll die Emission zum Ausgabekurs schließlich 18fach überzeichnet gewesen sein. Vom Emissionserlös fließt etwa ein Drittel dem Unternehmen zu, das mit dem Geld unter anderem in eine neue Produktionsanlage für Polysilizium sowie in Kapazitätserweiterungen im Wafer-Geschäft investieren will. Der Rest geht an die Alteigentümer.

          Gute Mischung aus Geschäftsmodell und Marktumfeld

          Fondsmanager hatten sich während der Zeichnungsfrist schon wohlwollend zu den sehr guten und stabilen Margen des Unternehmens geäußert. Für Thomas Körfgen, Leiter des Aktienfondsmanagements bei SEB Invest, ist der erfolgreiche Börsengang von Wacker-Chemie auf eine passende Mischung aus Geschäftsmodell und Marktumfeld zurückzuführen. Zum einen mache die Aufstellung des Geschäfts mit den zwei Säulen Chemie und Technologie das Unternehmen interessant. Zum anderen seien Fonds durchaus erfreut, daß wieder größere deutsche Unternehmen auf den Kurszettel kämen. Wacker-Chemie gilt schon für den kommenden Juni als ernsthafter Kandidat für die Aufnahme in den Nebenwerteindex der Deutschen Börse, den M-Dax.

          Den sichtbar gewordenen Bedeutungsverlust der Fonds in der Preisfindung - vor allem im Vergleich zum Postbank-Börsengang vor zwei Jahren - trägt Körfgen mit Fassung. Vor zwei Jahren sei das Umfeld ein anderes gewesen. Damals fehlten den Fonds die Zuflüsse an neuem Anlegergeld, so daß die Hürden für Börsenneulinge hoch waren: Sie mußten überaus attraktiv gepreist sein, um andere Werte aus den Portfolios verdrängen zu können.

          „Das Schöne ist, daß er nicht alles aufnimmt

          „Der Markt nimmt heute mehr auf“, beobachtet Körfgen. „Das Schöne ist aber, daß er nicht alles aufnimmt.“ Er spielt damit auf die zuletzt weniger gelungenen Börsengänge von Magix und SAF an. Im Zuge der Postbank-Emission hatten die Investmentbanken noch gestöhnt, daß Fondsmanager nie zuvor so öffentlich um den Ausgabepreis gefeilscht hätten. Immerhin zeigte sich im Nachgang, daß diese Vorgehensweise durchaus im Interesse der Fondsanleger lag. Vom Emissionskurs bei 28,50 Euro hat sich der Wert der Postbank-Aktie inzwischen auf knapp 60 Euro mehr als verdoppelt.

          Nach Angaben von Wacker-Chemie gingen 80 Prozent der rund 15 Millionen ausgegebenen Aktien - inklusive Mehrzuteilungsoption - an institutionelle Investoren und 20 Prozent an Privatanleger. Dabei nutzten die Konsortialbanken mit Morgan Stanley und UBS an der Spitze für die Zuteilung an die Privaten einen ausgeklügelten Verteilungsschlüssel. Im Rahmen einer Verlosung, die nach Angaben von Dresdner Kleinwort Wasserstein mit anonymisierten Daten per Computer erfolgte, wurde zunächst eine Vorauswahl getroffen - wobei jede vierte Order durchkam. Zeichnungsaufträge von bis zu 50 Aktien bekamen dann maximal 30 Aktien zugeteilt. Aufträge über 50 Stück erhielten für die ersten 35 die volle Zuteilung und von der darüber hinausgehenden Anzahl 25 Prozent, wobei auf eine volle Aktienzahl abgerundet wurde und die maximale Zuteilung 500 Stück betrug.

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