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Börsengang : Ein versöhnlicher Auftakt für Praktiker

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Bild: F.A.Z.

Die zweitgrößte deutsche Baumarktkette Praktiker ist nach ihrem Entgegenkommen beim Ausgabepreis erfolgreich an der Börse gestartet. Bis zum späten Nachmittag kletterte der Aktienkurs um mehr als sechs Prozent.

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          Die zweitgrößte deutsche Baumarktkette Praktiker ist nach ihrem Entgegenkommen beim Ausgabepreis erfolgreich an der Börse gestartet. Der Aktienkurs kletterte im Handelsverlauf um mehr als 6 Prozent über den zuvor von den Konsortialbanken in der Mitte der Spanne auf 14,5 Euro festgesetzten Ausgabepreis. Am späten Nachmittag lag der Aktienkurs bei 15 Euro. „Man sieht, welches Potential Praktiker hat“, kommentierte der Vorstandschef des Handelsunternehmens, Wolfgang Werner, den nach Premiere und MTU Aero Engines dritten Börsengang eines möglichen M-Dax-Kandidaten in diesem Jahr.

          Beobachter hatten mit einer guten Rückkehr an die Börse gerechnet, nachdem die Muttergesellschaft Metro und die das Konsortium anführenden Banken Deutsche Bank, ABN Amro und JP Morgan vor einer knappen Woche die Handelsspanne aufgrund einer schleppenden Nachfrage der Investoren um rund 20 Prozent gesenkt hatten. Diese Zugeständnisse hatten die interessierten Investoren offenbar besänftigt, denn das Auftragsbuch hatte sich danach schnell überfüllt und war nach Angaben aus Finanzkreisen dreimal überzeichnet. Der Löwenanteil der Aktien ging an institutionelle Investoren, die zum größeren Teil aus dem Ausland stammen. Privatanleger hatten dagegen offenbar kein sehr großes Interesse und erhielten nur rund 1 Prozent der Papiere.

          Verkauf lukrativer?

          Viele deutsche Fondsgesellschaften waren dem Börsengang von Praktiker von Anfang an skeptisch gegenübergestanden. Die Metro hatte daher nur 60 Prozent statt der ursprünglich geplanten 75 Prozent ihrer Aktien angeboten. Die nachher gesenkte Preisspanne war auf Kritik gestoßen, weil sie Praktiker im Vergleich zu profitableren Konkurrenzunternehmen wie Hornbach oder Kingfisher zu hoch bewerte. Mit dem aktuellen Börsenkurs kommt Praktiker auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 12, während der Wettbewerber Hornbach Baumarkt ein KGV von etwa 14,5 ausweist.

          Der Handelskonzern Metro hatte ursprünglich parallel zum Börsengang mit der britischen Beteiligungsgesellschaft Permira über einen Verkauf verhandelt. Die Gespräche waren aber abgebrochen worden, weil die Erlös-Schätzungen der Konsortialbanken über dem Kaufangebot von Permira lagen. Dies war offenbar ein Trugschluß. Denn aufgrund des gesenkten Ausgabepreises liegt der um die Schulden und die flüssigen Mittel bereinigte Wert von Praktiker bei rund 650 Millionen Euro. Permira hat nach Informationen dieser Zeitung aber knapp 750 Millionen Euro geboten. Und während Metro bei einem Verkauf an den Finanzinvestor sofort den vollen Kaufpreis erhalten hätte, muß der Handelskonzern nun ein halbes Jahr warten, bis er die restlichen 40 Prozent der Aktien verkaufen darf. Dies bringt ein erhebliches Kursrisiko mit sich.

          116 Millionen Euro für Expansion

          Praktiker erhält aus der Emission der 34,5 Millionen Aktien einen Anteil von rund 116 Millionen Euro. Mit diesem Geld will die nach der britischen Kingfisher, der französischen Leroy Merlin und der deutschen OBI viertgrößte Baumarktkette Europas im Osten des Kontinents expandieren und dadurch die Abhängigkeit vom deutschen Markt verringern. Denn dort werden die Einzelhandelsumsätze nach Zahlen des Branchenverbands HDE in diesem Jahr zum vierten Mal in Folge sinken. Die im saarländischen Kirkel ansässige Gesellschaft war schon einmal an der Börse notiert; Metro hatte das Unternehmen aber nach hohen Verlusten 2002 vom Kurszettel genommen.

          Die Bilanz der beiden anderen schwergewichtigen Börsengänge 2005 gibt ein gemischtes Bild ab. Während die von Permira an die Börse gebrachte Premiere bisher ein Minus von 6 Prozent verbucht, können sich die Anleger von MTU Aero über ein Plus von gut 26 Prozent freuen.

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