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Börsengang der VTB Bank : Eine Wette auf die russische Wirtschaft

  • -Aktualisiert am

VTB Bank - der weltweit größte Börsengang des Jahres Bild: AFP

Die VTB Bank hat bei Investoren im In- und Ausland zuletzt 8 Milliarden Dollar eingesammelt. Damit steht nun die zweitgrößte russische Geschäftsbank vor dem weltweit größten Börsengang des Jahres und sorgt zudem für ein Novum.

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          Der mit Abstand größte Börsengang dieses Jahres kommt aus Russland: Die VTB Bank, die zweitgrößte russische Geschäftsbank, hat bei Investoren im In- und Ausland 8 Milliarden Dollar eingesammelt. Der Löwenanteil der Aktien wurde in Form von Aktienanrechtsscheinen (Global Depository Receipts) im Ausland verkauft; sie werden seit Freitag in London gehandelt. Damit ist erstmals eine russische Bank an einer westlichen Börse notiert.

          Russlands Aktienmarkt wird bisher von Energie- und Rohstoffaktien dominiert. Das erklärt auch die schwache Wertentwicklung des Moskauer RTS-Index, der seit Jahresbeginn sogar leicht im Minus liegt. Energiewerte wie Gasprom, Lukoil und Surgutneftegas, auf die rund ein Drittel des RTS-Index entfällt, haben seit Anfang Januar 15 bis 20 Prozent an Wert eingebüßt.

          VTB Bank strebt mit Macht ins Privatkundengeschäft

          Dennoch ist das Interesse ausländischer Anleger an Engagements in der stark wachsenden russischen Wirtschaft ungebrochen. Den Banken wird von Analysten auf Jahre hinaus ein Kreditwachstum von durchschnittlich 30 Prozent zugetraut. Bankaktien gelten deshalb unter Fachleuten als eine „heiße“ Wette auf die russische Wirtschaft.

          Marktführer ist mit großem Abstand die russische Sberbank, die im Privatkundengeschäft, gemessen an den Einlagen, einen Marktanteil von gut 50 Prozent hat. Die VTB Bank ist, einst als Außenhandelsbank der Sowjetunion gegründet, eher eine Großkundenbank, drängt jetzt aber mit Macht in das Privatkundengeschäft. Ihr Marktanteil liegt bisher bei nicht ganz 5 Prozent. Da die jetzt verkauften Aktien allein aus einer Kapitalerhöhung kommen, wird der Erlös voll der Bank zufließen. Zu den 8 Milliarden Dollar haben 131.000 russische Kleinanleger insgesamt 1,6 Milliarden Dollar beigesteuert. Nie zuvor war das Interesse russischer Kleinaktionäre so groß an einem Börsengang.

          Drei Investmentbanken aus dem Westen verpflichtet

          In London wurden die Aktienanrechtsscheine, die das Recht auf jeweils 2000 VTB-Bank-Aktien verbriefen, zum Preis von 10,56 Dollar begeben und damit am oberen Ende der von den Investmentbanken angestrebten Preisspanne von 8,77 bis 10,79 Dollar. Im vorläufigen Handel stiegen die Papiere am Freitag um gut 8 Prozent, womit sich der Börsenwert der VTB auf 38,5 Milliarden Dollar stellt. Zum Vergleich: Die Commerzbank bringt es auf umgerechnet 32 Milliarden Dollar, die Sberbank auf 86 Milliarden Dollar.

          Für ihren Börsengang hatte die VTB Bank mit der Deutschen Bank, Goldman Sachs und der Citigroup drei plazierungsstarke Investmentbanken aus dem Westen verpflichtet. In dem Börsenzulassungsprospekt fand sich der Warnhinweis, dass der russische Staat, der mit einem Anteil von gut 77 Prozent Hauptaktionär bleibt, Geschäfte initiieren könnte, die nicht im Interesse der Bank und ihrer Minderheitsaktionäre liegen könnten. In der jüngeren Vergangenheit hat die VTB auf Veranlassung des Kreml schon gut eine Milliarde Euro für eine Beteiligung von 5 Prozent an dem europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS ausgegeben.

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