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Börsengänge : Keine Preisdiskussion über die Wacker-Aktien

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Bild: dpa

Das Börsendebüt bei Wacker geht glatt: Die Aktien kosten zwischen 86 und 89 Euro und werden damit über der Preisspanne gehandelt. Vor allem aus dem Ausland ist eine hohe Nachfrage zu verzeichnen.

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          Wacker-Chemie ist auf der Zielgeraden. Der voraussichtlich größte deutsche Börsengang in diesem Jahr verläuft auffällig geräuschlos. Wacker bietet noch bis Freitag knapp 15 Millionen Aktien in einer Spanne von 70 bis 80 Euro zum Zeichnen an und kommt damit auf ein Plazierungsvolumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro. Das Chemie-Unternehmen überträfe damit den Fernsehsender Premiere, den größten Börsengang im Jahr 2005. Am Montag soll Wacker erstmals an der Frankfurter Börse gehandelt werden. Alles deutet darauf hin, daß die Plazierung gelingt.

          Am Mittwoch kosteten die Wacker-Aktien vorbörslich beim Broker Lang & Schwarz zwischen 86 und 89 Euro und wurden damit über der Preisspanne gehandelt. Dies ist nicht das einzige Indiz dafür, daß das Börsendebüt glatt geht: Anders als bei anderen Börsengängen wie der Postbank im Juni 2004 oder der Baumarktkette Praktiker im Herbst 2005 gibt es keine Diskussionen über den Preis. Die deutschen Fondsgesellschaften, die gerne über die Öffentlichkeit den Preis drücken, halten sich diesmal zurück.

          Ausländische Anleger kaufen deutsche Aktien

          Die Nachfrage nach Wacker sei so groß, daß sie Angst hätten, nach negativen Aussagen keine Aktien zugeteilt zu bekommen, vermutet ein Fondsmanager über seine Kollegen. Wie der jüngste Börsengang von Patrizia gezeigt hat, kaufen gerade ausländische Anleger derzeit mit Vorliebe deutsche Aktien. Dies kommt dem überwiegend mit ausländischen Banken besetzten Wacker-Konsortium zupaß. Ein Großteil der Wacker-Aktien wird wohl im Ausland landen. Doch auch für deutsche institutionelle Anleger ist die Aktie fast ein Muß. Denn Wacker wird dank seiner Größe zügig und mit hohem Gewicht in den M-Dax aufrücken. „Erstmals seit langem werden auch die ganz großen deutschen Aktienfonds einen Börsengang zeichnen“, heißt es.

          Doch obwohl die Emission angesichts der hohen in- und ausländischen Nachfrage offenbar bereits überzeichnet ist, lohnt eine Preisdiskussion. Konzern-Chef Peter-Alexander Wacker hatte wohl den im Jahr 2004 gescheiterten Börsengang der Tochtergesellschaft Siltronic noch im Hinterkopf, als er diesmal den Börsengang des gesamten Konzerns defensiv anging. Ohne Preisspanne ging er auf Werbetour und bot den Käufern damit die Möglichkeit, den Preis zu setzen. Dieses neue Verfahren hat den Ruf, eher gut für die Anleger zu sein. Interhyp und Conergy, nicht aber Tipp 24, ließen im Jahr 2004 „Geld liegen“, indem Anleger am ersten Handelstag hohe Zeichnungsgewinne verbuchen konnten.

          Angestrebter Börsenwert

          Dennoch gilt Wacker in der seit Donnerstag feststehenden Preisspanne keineswegs als günstig. Erschwerend für die Unternehmensbewertung ist indes, daß die Analysten aus dem Bankenkonsortium kein mit Wacker vergleichbares börsennotiertes Unternehmen gefunden haben. Dies liegt daran, daß Wacker einerseits ein in vielen Nischen führendes Chemieunternehmen und anderseits ein Siliziumscheibenhersteller ist.

          So nennt Morgan Stanley in einer unter Verschluß gehaltenen Studie für die Polymere-Sparte die amerikanischen Unternehmen Dow Chemical und Celanese als vergleichbar mit Wacker, aber für andere Sparten auch Clariant, Rhodia, DSM, Lonza und ICI. Mit einem angestrebten Börsenwert von mehr als dem 25fachen des Jahresüberschusses des Jahres 2005 liegt Wacker höher als die meisten Konkurrenten. Streiten läßt sich darüber, ob wegen der Einzigartigkeit Wackers ein Zuschlag oder ein „Konglomeratsabschlag“ gerechtfertigt wäre.

          Wachstum des Cash-flow

          Dresdner Kleinwort Wasserstein bevorzugt in einer nur Großkunden zugänglichen Studie zur Berechnung des Wacker-Wertes, den Mittelzufluß des Unternehmens in den kommenden Jahren abzuschätzen und abzuzinsen. Die Analysten unterstellen ein Wachstum des sogenannten Cash-flow von 2 Prozent jährlich und eine Risikoprämie, die berücksichtigt, daß der Gewinn von Wacker im Vergleich zum Durchschnitt stärker - um 20 Prozent - schwankt. Mit diesen Annahmen kommt die Investmentbank auf einen Wacker-Wert von fast 3,8 Milliarden Euro.

          Kritiker verweisen darauf, daß unter Berücksichtigung aller zum Börsenhandel zugelassenen Aktien - 52 Millionen Stück - der Unternehmenswert am oberen Ende der Preisspanne von 80 Euro bei fast 4,2 Milliarden Euro läge. Wacker indes betont, daß fast 8 Millionen Aktien im Besitz des Unternehmens blieben und damit herausgerechnet werden müßten. Dann käme man auf einen Unternehmenswert von 3,5 Milliarden Euro. Aufhorchen läßt indes, daß die Analysten eine konstante Zunahme des Cash-flows in den nächsten Jahren erwarten, obwohl viele Beobachter sowohl für die Silizium-Produktion wie für die Chemie-Produktion bereits für das Jahr 2007 einen zyklischen Konjunkturhöhepunkt erwarten.

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