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Börsenboom : Der Dax ist nicht zu bremsen

Bild: F.A.Z.

Der Höhenflug des Dax setzt sich fort: Nur noch knapp zehn Prozent trennen ihn von seinem Allzeithoch vom März 2000. Bei den Dax-Unternehmen fielen die Kursentwicklungen seitdem aber höchst unterschiedlich aus.

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          Der Dax befindet sich im Höhenflug. Mit 7340 Punkten erreichte er am Dienstag den höchsten Stand seit September 2000. Von seinem Allzeithoch, das er im Tagesverlauf des 7. März 2000 bei 8136 Punkten erreicht hatte, ist er nicht mehr weit entfernt. Und hätte nicht ein Unternehmen wie die Deutsche Telekom mit ihrer seither außergewöhnlich schlechten Wertentwicklung von minus 87 Prozent seit dem Dax-Hoch von vor sieben Jahren den Index belastet, er stünde heute schon bei mehr als 8000 Punkten.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Im Schatten des Negativ-Paradebeispiels Deutsche Telekom verstecken sich allerdings weitere Wertvernichter. Wer als Aktionär dem Indexschwergewicht Allianz die Treue hielt, musste mit ansehen, wie sich der Kurs von mehr als 400 Euro auf Kurstiefen von 40 Euro begab. Der überdurchschnittlich tiefe Fall wurde aber nicht durch einen ebensolch schwungvollen Kursanstieg wieder ausgeglichen. Noch heute ist eine Allianz-Aktie weniger als die Hälfte wert als vor sieben Jahren.

          Continental legte in sieben Jahren 500 Prozent zu

          Auch die treuen Aktionäre des Softwareriesen SAP wurden nicht belohnt. Während die Eishockey-, Handball- und Fußballinvestitionen des ehemaligen SAP-Chefs und Großaktionärs Dietmar Hopp immer größere Ausmaße annahmen, verkümmerte der Wert der SAP-Aktien weit unterhalb ehemaliger Höchststände. Der Missmut der TUI-Aktionäre um die Entwicklung des Unternehmens und speziell des Aktienkurses sind hinlänglich bekannt.

          Was aber der einen Leid ist, das ist der anderen Freud: Während zehn Dax-Unternehmen noch immer niedriger notieren als im März 2000, haben immerhin 16 diese bereits wieder überschritten. Die Deutsche Börse, die Deutsche Post, die Deutsche Postbank und Hypo Real Estate sind erst nach dem März 2000 an die Börse gegangen und finden daher in der Tabelle keine Berücksichtigung.

          Unangefochtener Spitzenreiter bei der Kursentwicklung sind die Aktien des Reifenherstellers Continental. Um mehr als 500 Prozent hat der Kurs seit dem März 2000 zugelegt. Ein von der Börse einst eigentlich gar nicht für so charmant befundenes Geschäftsmodell ohne große Phantasie ließ in den vergangenen Jahren alle anderen Unternehmen verblassen.

          Wertanstieg von 1644 Prozent bei Puma

          Während des allgemeinen Kurssturzes - zur Erinnerung: der Dax büßte zwischen März 2000 und März 2003 rund 73 Prozent seines Wertes ein - gab die Continental-Aktie nicht einmal um die Hälfte nach und setzte dann zu einem bis zum heutigen Tag mit einer kleinen Unterbrechung im Mai 2006 andauernden Höhenflug an. Auch die Adidas-Aktionäre können sich über ein Kursplus von 235 Prozent freuen. In jüngster Zeit sind es nun vor allem die Aktionäre von Volkswagen, die stolz auf die Gewinne ihrer Aktien verweisen können. In diesem Jahr stieg der Kurs um 31 Prozent, 2006 waren es bereits 93 Prozent.

          In all diesen Kursanstiegen sind die Dividenden noch nicht einmal enthalten. Während die reine Kursentwicklung im Dax (Kursindex) noch 23 Prozent unter seinem Niveau vom März 2000 liegt, ist der Performance-Index, der die Dividendenzahlungen berücksichtigt und üblicherweise publiziert wird, nur noch 10 Prozent unter seinem Allzeithoch.

          Noch erfolgreicher als im Dax waren jedoch Anleger, die in deutsche Nebenwerte investiert haben. Der M-Dax für mittelgroße Aktiengesellschaften gewann seit März 2000 mehr als 150 Prozent. Selbst der Dax-Krösus Continental käme hier nicht auf das Siegertreppchen: der Kurs des Düngemittelspezialisten K+S legte seither 651 Prozent zu, Aktionäre des Stahlunternehmens Salzgitter können sich über 1131 Prozent Kursanstieg freuen und die Anteilseigner des Sportartikelherstellers Puma haben einen sagenhaften Wertanstieg von 1644 Prozent im Depot. Mehr verdient haben sogar noch die Aktionäre von Solarworld. Von umgerechnet 1,13 Euro je Aktie bei dem Börsengang Ende 1999 stieg die Aktie auf nun mehr als 60 Euro - das entspricht einem Anstieg von 5400 Prozent.

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