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Börsenboom : Sparer im Aktienfieber

Eingang zur Frankfurter Börse: Immer mehr Deutsche interessieren sich für Aktien. Bild: dpa

Die Deutschen sind keine Aktienmuffel mehr. In der Niedrigzinsphase setzen sie verstärkt auf börsennotierte Unternehmen. Davon profitiert die DWP Bank.

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          Das Kürzel DWP steht für Deutsche WertpapierService Bank, die wichtigste Depotbank Deutschlands. Ihr Vorstandsvorsitzender Heiko Beck blickt auf ein Rekordjahr zurück – trotz Corona-Pandemie. Das liegt an der Börsenbegeisterung der deutschen Sparer. „Die Bedeutung des Wertpapiersparens hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen“, berichtet er im Gespräch mit der F.A.Z. Die Sparpläne seien binnen zwölf Monaten bis Januar 2021 um 60 Prozent auf 748.000 gestiegen. Ende März seien es schon 820.000 gewesen. Ende des Jahres erwartet Beck mehr als eine Million Sparpläne.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nicht die günstigen börsennotierten Indexfonds (Exchange Traded Funds; ETFs) sind die wichtigste Anlageform, sondern einzelne Aktien. Darauf entfielen in der von den Volksbanken und Sparkassen kontrollierten Depotbank 2020 über 60 Prozent der Aufträge. Der Aktienboom zeigt sich auch an den Transaktionen der DWP Bank, der rund 1200 Banken, Volksbanken und Sparkassen – drei Viertel aller Institute – angeschlossen sind: Sie stiegen um gut 60 Prozent auf 45,5 Millionen.

          Davon entfielen auf Sparpläne 6,5 Millionen Transaktionen. „In diesem Jahr dürften es mehr als 10 Millionen Transaktionen auf Basis von Sparplänen werden“, sagt Beck, der auf eine verstärkte Nutzung der digitalen Kanäle durch die Privatanleger verweist. Die Sparpläne konzentrieren sich in der DWP Bank auf ein Sortiment an mehr als 4000 Fonds und ETF-Produkten. Zertifikate spielen kaum eine Rolle. „Die Haltedauer in unseren Depots zeigt, dass die Anleger vor allem einen mittel- und langfristigen Anlagehorizont haben.“

          Neuer Aktiensparplan

          Ab sofort bietet die DWP Bank einen neuen Aktiensparplan an. „Dadurch können Anleger monatlich eine bestimmte Summe in einer einzelnen Aktie ansparen“, erklärt Beck. Es wird möglich, Bruchteile einer Aktie zu erwerben. Zum Start macht die DWP Bank dafür die 30 Dax-Aktien verfügbar. Das seien die beliebtesten Einzeltitel unter Anlegern hierzulande. „Wir reagieren damit auf das wachsende Interesse unserer Kunden an dieser Form des Wertpapiersparens.“ Die dynamische Entwicklung der Aktienanlage führt er ganz klar auf die Niedrigzinsphase zurück.

          Die Käufe von Aktien übersteigen bei der DWP Bank die Verkäufe um mehr als 50 Prozent. Im Anleihebereich interessieren sich die Kunden nach Angaben von Beck noch für Unternehmens- und Schwellenländeranleihen, wenn diese etwas Zins bieten. Edelmetalle wie Gold sind weiterhin gefragt. Dagegen sind Bundesanleihen oder Tages- und Festgeld für deutsche Privatanleger nahezu bedeutungslos.

          Die dynamische Entwicklung an den Börsen wird auch zur Belastungsprobe für die Systeme der DWP Bank. Nach Ostern, als der Dax erstmals die Marke von 15.000 Punkten überwand, wurde der Tagesrekord mit mehr als 500.000 Transaktionen an einem Tag erreicht. Probleme hatte die DWP Bank im März 2020, als es zum Corona-Crash gekommen war. Die damaligen IT-Probleme führt Beck auf den Ausfall der Schnittstelle zwischen dem Abwicklungssystem und den Kundensystemen zurück. „Wir haben die Schnittstelle stabilisiert, unsere Kapazitäten angepasst und an weiteren Stellen in unsere Infrastruktur stark investiert. Im laufenden Betrieb fühlen wir uns gut aufgestellt“, betont er.

          Die Zahl der Depots ist wieder über fünf Millionen gestiegen, nach vielen Jahren mit Depotrückgängen. Der Boden wurde 2018 mit 4,7 Millionen erreicht. Erfreulich sei auch die Zunahme der Depotposten: Dort liegen inzwischen im Durchschnitt 4,5 Wertpapiere. Die sechsstellige Zahl an Depots der Postbank könnte aber wegfallen. „Wir haben uns darauf eingestellt, dass sie im Zuge der dortigen Reintegration irgendwann zur Deutschen Bank wechseln wird“, räumt Beck ein.

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