https://www.faz.net/aktuell/finanzen/boersenaufsicht-sec-unicorn-boom-wird-langsam-unheimlich-17726510.html

Milliardenschwere Start-ups : Einhörner im Fokus der Aufseher

Nichts als heiße Luft? Die Aufseher wollen mehr darüber wissen, warum Investoren Einhörner mit Milliarden bewerten. Bild: dpa

Der amerikanischen Börsenaufsicht SEC wird der Unicorn-Boom langsam unheimlich. Deswegen möchte sie diese stärker an die Leine nehmen und mahnt mehr Transparenz an. Die Unicorns sind davon nicht begeistert.

          3 Min.

          Sie heißen Stripe, Bytedance, ­SpaceX, Klarna und Epic Games. Sie sind Zahlungsdienstleister, programmieren Computerspiele, bauen Raketen und haben soziale Netzwerke – doch eines haben sie alle gemeinsam: Sie sind mit Milliarden von Investoren bewertet, doch noch nicht an der Börse. Solche Unternehmen werden von Investoren Unicorns genannt, auf Deutsch Einhörner. Es gibt aktuell fast 1000 von ihnen auf der ganzen Welt – noch vor einem Jahr waren es nur die Hälfte.

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch sie sind für die Öffentlichkeit auch Rätsel, denn womit genau sie wie ihr Geld verdienen, das weiß man nicht. Ihre Bücher öffnen sie meistens nur für Investoren. Das ist den Aufsehern der amerikanischen Börsenaufsicht SEC zusehends ein Dorn im Auge – und deswegen möchte sie die Einhörner strenger überwachen.

          Investoren und Einhörner sollen mehr von sich preisgeben

          Ganz konkret möchten die Wall-Street-Aufseher die Einhörner dazu zwingen, regelmäßig Informationen über ihre finanzielle Lage und ihren Geschäftsbetrieb zu veröffentlichen. Das berichtet zumindest das „Wall Street Journal“ und beruft sich dabei auf mit der Angelegenheit vertraute Personen. Doch bei den Einhörnern ist noch nicht Schluss – auch die Investoren sollen strenger überwacht werden. Die Anforderungen, um an solchen Geschäften teilzunehmen, sollen steigen. Dazu sollen sie mehr Informationen gegenüber den Aufsehern preisgeben.

          F.A.Z. Frühdenker – Der Newsletter für Deutschland

          Werktags um 6.30 Uhr

          ANMELDEN

          „Diese großen Firmen können einen großen Einfluss auf Tausende Menschen haben und sind dabei unsichtbar für Investoren, die Angestellten und ihre Gewerkschaften, Aufsichtsbehörden und der Öffentlichkeit“, erklärt die demokratische SEC-Chefin Allison Lee. „Ich bin aber nicht daran interessiert, kleinen und mittleren Unternehmen solche Berichtspflichten aufzuerlegen.“

          Investoren wehren sich gegen mehr Regeln

          Doch die angesprochenen Investoren und Unternehmen sind darüber gar nicht glücklich. „Wir warnen die SEC davor, zusätzliche und unnötige Bürden auf private Unternehmen abzuladen, die unvorhersehbare Konsequenzen haben könnten“, sagt etwa Bobby Franklin, Chef der National Venture Capital Association. „Diese Firmen haben Innovationen vorangetrieben und neue Produkte sowie Services herausgebracht, die gerade während der Pandemie sehr nützlich waren“, fährt der Interessenvertreter fort.

          Doch warum möchte die SEC diese Unternehmen eigentlich an die Leine legen? Junge Start-ups finanzieren sich klassischerweise von Risikokapitalgebern, Private-Equity-Firmen sowie Superreichen. Allerdings ist so viel freies Kapital auf dem Markt unterwegs, dass viele Start-ups es gar nicht mehr für nötig erachten, sich über die Börse oder die Anleihemärkte zu finanzieren. Damit hat die SEC auch keine Aufsicht über sie. Beim klassischen Börsengang geht es ihnen daher viel eher darum, dass die reichen Insider Kasse machen können. Deswegen sind viele Börsengänge auch später dran, als sie es früher gewesen wären. Ein Indiz dafür ist auch, dass zwei Drittel der Unternehmen, die im Vorjahr an die Wall Street gingen, nun niedriger notieren als zum ersten Börsentag.

          Unter Dachfonds verstecken sich viele Investoren

          Aktuell müssen sich in den Vereinigten Staaten lediglich Unternehmen bei der SEC registrieren, die mehr als 2000 Anteilseigner haben. Sie müssen dann regelmäßig einige Daten an die Aufseher übermitteln, etwa ob sie einen Börsengang geplant haben. Allerdings lässt sich diese Regel kinderleicht umgehen, da es erlaubt ist, dass eine unbegrenzte Anzahl von Menschen sich etwa in einem Investmentfonds zusammenschließt und dann nur als ein Anteilseigner gezählt wird. Eine Studie von Assure Services kam kürzlich zu dem Schluss, dass in den Risikokapital-Fonds im Schnitt 63 juristische Personen stecken. Doch selbst das könnte zu wenig sein, denn unter einer juristischen Person könnten sich wieder andere Personen verstecken. Daher habe die SEC auch die Anzahl der Anteilseigner jahrelang systematisch unterschätzt, sagt Tyler Gellasch von der Healthy Markets Association.

          Am Beispiel Stripe – dem größten amerikanischen Einhorn – sieht man, wie missverständlich solche Zahlen sein können. Dort sind offiziell nur 79 aktive Investoren eingetragen: Milliardäre wie Peter Thiel und Elon Musk, aber auch zahlreiche solcher Fonds.

          Noch ist unklar, wen das alles betreffen könnte

          Die SEC möchte sich solche Vehikel nun genauer anschauen. Das Ziel ist letzten Endes, dass große private Unternehmen genau so streng überwacht werden wie ihre börsennotierten Gegenstücke. Doch noch ist der Plan auch nur ein Plan. Unklar ist, welche Unternehmen genau darunter fallen würden. Würden diese Investmentvehikel aber genauer angeschaut werden, ist es sehr einfach, schnell auf mehr als 2000 Investoren zu kommen.

          In der amerikanischen Politik sehen das allerdings nicht alle als Problem. Der republikanische Abgeordnete Patrick McHenry wirbt etwa dafür, Börsengänge wieder attraktiver zu machen, statt den Einhörnern mehr Berichtspflichten aufzuerlegen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Elena in ihrem silbernen Honda auf dem Weg an die Front

          Ukrainische Freiwillige : Elena fährt an die Front

          Jede Woche steuert eine Ukrainerin ihr Auto, beladen mit Fleisch, Eiern und Kartoffeln, von Odessa dort hin, wo die Bomben fallen. Es ist ihre Art zu kämpfen.
          Nach der Niederlage mit Frau und Töchtern: Australiens bisheriger Premierminister Scott Morrison

          Klima-Wahl : Australien straft den „Bulldozer“ ab

          In den vergangenen drei Jahren hat sich Australien schneller gewandelt als Scott Morrison. Das hat ihm sein Amt gekostet. Der neue Premierminister setzt auf eine andere Klimapolitik.
          Am Immobilienmarkt ging es in den letzten Jahren stark aufwärts. Doch der Hausbau wird aufgrund knapper Ressourcen immer teurer.

          Zinsanstieg : Wende am Immobilienmarkt

          Mit dem Zinsanstieg wird das Immobiliengeschäft schwieriger. Wegen des Mangels an Arbeitskräften und Materialien werden Neubauten aktuell immer teurer. Doch große und längerfristige Krisen sind noch nicht in Sicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Tarifportal
          Mit unserem kostenlosen Tarifvergleich sparen
          Kapitalanlage
          Erzielen Sie bis zu 5% Rendite
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis