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Dax und Dow : Inflationssorgen belasten die Börsen

Mit Maske: Händler an der New Yorker Börse Bild: AP

An den Börsen wächst die Angst vor stark steigenden Verbraucherpreisen. Auch die Gefahr von Firmenpleiten beunruhigt die Wirtschaft. Wie schätzen Fachleute die Aussichten ein?

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          Angst vor Inflation lässt die Anleger vorsichtig werden. Der deutsche Leitindex Dax gab nach anfänglichen Gewinnen am Freitagvormittag schnell wieder um bis bis zu 0,2 Prozent auf 15.214 Punkte nach. Die Verliererliste führte der bisherige Pandemie-Profiteur Delivery Hero an. Der Aktienkurs der Plattform für Essenslieferdienste verlor mehr als 2 Prozent.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie schätzen Fachleute die Börsen-Aussichten ein? Mit Blick auf das aktuelle Marktumfeld hält Nicolas Faller, Ko-Vorstandschef in der Vermögensverwaltung der Schweizer Privatbank Union Bancaire Privée (UBP), einen Anstieg der Inflation für denkbar. Das lasse sich schon jetzt aufgrund der Anspannungen im Rohstoffsektor und den dort steigenden Preisen erahnen. „Doch angesichts der Produktionskapazitäten der Weltwirtschaft kann ich es mir nicht vorstellen, dass die Inflationsraten längerfristig im kritischen Bereich von 4 bis 5 Prozent liegen werden.“

          Die Zentralbanken müssen nach Fallers Ansicht sehr vorsichtig sein. Denn viele Unternehmen würden nicht dauerhaft von den Staaten unterstützt. Wegen ihrer hohen Verschuldung könnten zu deutliche Zinsanhebungen viele Unternehmen schnell überfordern. Das größte Risiko für die Finanzmärkte seien Unternehmensinsolvenzen. Fielen diese höher aus als erwartet, könne das Unternehmensanleihen in Bedrängnis bringen. Ein Crash an den Kreditmärkten treffe auch Aktien und andere Wertpapiere. Die Banken könnten dann Probleme wegen des Anstiegs notleidender Kredite bekommen.

          Laut einer am Freitag veröffentlichten Studie rechnet das Wirtschaftsforschungsinstitut ZEW vor allem im Fall kleinerer Unternehmen mit steigenden Insolvenzzahlen. Vor allem in den von der Corona-Krise betroffenen Bereichen Gastronomie, Beherbergung, Tourismus und Bekleidung dürften laut ZEW die Insolvenzen in den kommenden Monaten zunehmen. In den vier Monaten nach Pandemiebeginn 2020 war die Zahl der Firmen-Zusammenbrüche im Dienstleistungs- und Handelssektor den Angaben zufolge noch überproportional gesunken.

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          Besonders von der Corona-Krise betroffen sind laut Fachmann Faller Fluglinien, Hotels, Tourismus und die Automobilindustrie betroffen. Gewinner seien Technologie und Pharma. Diese Sektoren beeinflussten derzeit stark die Kursentwicklung an den Aktienmärkten.

          Starke Preisanstiege in Amerika

          Die überraschend hohe Inflation in den Vereinigten Staaten hatte schon am Donnerstag den deutschen Aktienmarkt belastet. Vorausgegangen waren hohe Verluste an der Wall Street am Mittwoch. Doch im weiteren Handelsverlauf erholte sich der deutsche Aktienindex Dax und überwand am frühen Nachmittag wieder die Marke von 15.000 Punkten. Nachdem er am Vormittag noch um mehr als 2 Prozent bis auf 14.816 Punkte abgetaucht war, lag der Dax zum Börsenschluss – unterstützt durch eine Erholung an der Wall Street – mit 15 199,68 Punkten 0,3 Prozent im Plus.

          Die Inflationssorgen schlugen sich am Anleihemarkt in deutlich höheren Renditen nieder, welche mit Kursverlusten der Schuldtitel verbunden sind. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe, die als Referenzzins des Euroraums gilt, stieg bis auf minus 0,1 Prozent, das höchste Niveau seit zwei Jahren. Im November hatte der Marktzins noch bei minus 0,67 Prozent gelegen. Auch die Rendite der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihe zog bis auf 1,7 Prozent an. Zum Jahresanfang notierte die Rendite noch unterhalb der Marke von 1,0 Prozent.

          Der Euro behauptete sich am Donnerstag bei 1,2091 Dollar. Die hohe amerikanische Teuerungsrate von 4,2 Prozent im April löste Befürchtungen aus, dass die Notenbank Fed die Zinsen eher anheben könnte. Dann würden Anleihen wieder attraktiver und Geld aus Aktien dorthin umgeschichtet. Jedoch bezweifeln einige Marktteilnehmer, dass die Inflation längerfristig in einem als kritisch gesehenen Bereich zwischen 4 und 5 Prozent verharren könnte.

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