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Börsen : Banken raten: Nerven bewahren

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          1 Min.

          Eine regelrechte Verkaufsorgie hat am Mittwoch den Neuen Markt und den DAX in die Knie gezwungen: Knapp fünf Prozent verlor der Dax bis zum Nachmittag, der Nemax 50 brach zwischenzeitlich um fast neun Prozent ein und lag gegen 15.00 Uhr bei 1.670,18 Punkten und damit immer noch mit 6,49 Prozent im Minus. Vor einem Jahr glänzte er noch mit mehr als 9.000 Zählern.

          Anlegerschützer und Banken rieten Aktionären dennoch, nicht in Panikstimmung zu verfallen.
          So mahnt etwa die Vereins- und Westbank AG in Hamburg: „Das Wichtigste ist jetzt: die Nerven behalten.“ Wertpapieranalyst Volker Haas sagt: „Wir haben es hier nicht mit einem bodenlosen Crash zu tun, sondern mit einem so genannten final sell-off, also einer letzten Verkaufswelle. Vor allem Privatanleger verlieren die Geduld und schmeißen unterschiedlos fast alles aus ihren Depots.“ Davon rät Haas jedoch ab.

          Von Fall zu Fall entscheiden

          Zwar müsse jeder individuell seine finanzielle Lage im Auge haben und auch seine Anlageziele. Grundsätzlich gelte aber: „Jetzt noch zu verkaufen, macht nur in Ausnahmefällen Sinn - etwa dann, wenn man die Verluste steuerlich geltend machen und so Gewinn aus Hausse-Zeiten vor dem Zugriff des Finanzamtes schützen kann.“ Ansonsten liege bei den meisten Titeln das Kind schon im Brunnen - die Verluste jetzt zu realisieren, bringe nicht viel.

          Die Sprecherin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz,
          Petra Krüll, rät den Kleinaktionären, sich die Werte im jeweiligen Depot konkret anzuschauen und dann zu unterscheiden: „Unternehmen die Geld verdienen, wo es Hoffnungsschimmer gibt, sollten im Depot bleiben.“ Es mache keinen Sinn, sich von dem aktuell sehr sensiblen Börsenumfeld in Panikverkäufe hineinziehen zu lassen.

          Fundamental nur schwer zu fassen

          Analyst Hendrik Garz von der WestLB Panmure meint sogar: „Auf lange Sicht lohnt es sich, jetzt zu investieren.“ Wer in einer „Übertreibungsphase nach unten“ den Mut habe einzusteigen, könnte dafür durchaus honoriert werden. Aber Garz sagt zugleich, eine Trendwende sei in den kommenden Wochen wohl kaum zu erwarten. Die Ursachen des aktuellen Kursverfalls sind für Garz inzwischen „kaum mehr mit fundamentalen Daten zu erklären“.

          Zwar gebe es auch negative Nachrichten. Insgesamt sei aber derzeit wohl mehr die Psychologie im Spiel. Zurzeit sei „die Risiko-Aversion einfach enorm hoch, die Flucht in die sicheren Häfen ist da.“

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