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Börsen-Aufsichtsratschef Faber : „Der Brexit wäre eine Chance“

  • -Aktualisiert am

Fusionsoptimist: Seit 2012 ist Joachim Faber Vorsitzender des Aufsichtsrats der Deutschen Börse. Bild: Wolfgang Eilmes

Joachim Faber will die Deutsche Börse mit der Londoner Börse fusionieren. Im Interview erklärt er, warum ihn ein EU-Austritt der Briten nicht stören würde und die Chancen einer Verschmelzung.

          Herr Faber, wenn die Briten am 23. Juni gegen Europa stimmen, können Sie die geplante Fusion der Deutschen Börse mit der Londoner Börse in die Tonne treten.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Ein Brexit wäre sehr unschön. Wenn es denn so kommt, was ich nicht hoffe, dann haben wir für diesen Fall aber vorgesorgt: Ein sogenanntes Referendum-Komitee, dem ich vorsitze, wird sich dann mit den Folgen des Brexits für unser Gemeinschaftsunternehmen beschäftigen.

          Die Wahrscheinlichkeit des Brexits ist hoch. Nennen Sie uns Ihren Plan B für diesen Fall!

          Nach einem möglichen EU-Austritt Großbritanniens soll es eine zweijährige Übergangsphase geben, in dem die künftigen Beziehungen zwischen EU und England geregelt werden. Wie das ausgeht, kann man heute noch nicht sagen.

          Warum begeben Sie sich freiwillig und ohne Not in eine solch riskante Lage? Sie hätten doch mit der Fusion noch bis Ende Juni warten können.

          Nein, der jetzige Zeitpunkt der Fusion ist genau richtig. Ich denke, der Brexit ist für den Zusammenschluss zwischen London und Frankfurt in keinster Weise eine Gefährdung. Mehr noch: Ein Brexit könnte sogar für Frankfurt eine Chance sein. Während es heute enge Verbindungen zwischen der Londoner Börse und Paris gibt, wäre nach einer Fusion und einem Brexit eine vitale Brücke zwischen London und Frankfurt sehr nützlich. Zugleich würden wir hier profitieren von der Vereinigung mit dem riesigen Londoner Finanzplatz.

          Aber die neue europäische Börse hätte ihren Hauptsitz außerhalb der EU. Das ist absurd.

          Ich widerspreche. Wir haben zwei Hauptsitze: London und Frankfurt. Das ist uns ganz wichtig und viel mehr als eine Beruhigungspille für Frankfurt.

          Der juristische Sitz der Holding und seines Topmanagements ist ausschließlich in London.

          Das haben Sie völlig falsch verstanden. Das Topmanagement wird an beiden Standorten präsent sein. Auch alle Hauptverwaltungsfunktionen werden in beiden Städten sein.

          Rechtlich ist die neue Börse ein britisches Unternehmen, da müssen Sie nicht drum herum reden.

          Das reine Gesellschaftsrecht wird überschätzt. Es gibt doch auch viele Unternehmen, die rechtlich in einem Offshore-Zentrum sitzen, aber mit diesen Orten ansonsten nicht das Geringste zu tun haben.

          Sehr hübsch, dass Sie London und Panama in einen Zusammenhang bringen!

          Ich will nur sagen, dass Sitz und Rechtsform allein nichts über die Hauptaktivität eines Unternehmens aussagen.

          Wenn der Brexit kommen sollte: Könnte der rechtliche Sitz doch noch nach Frankfurt gehen?

          Wir haben fest verabredet, dass das Referendum-Komitee noch einmal alles überdenken wird – inklusive der Frage, wo die Gesellschaft am besten angesiedelt wird. Auch die Entscheidung für London als alleinigen Sitz der Holding wird dann noch einmal überprüft werden müssen.

          Warum haben Sie sich überhaupt darauf eingelassen, dass London der Sitz der Holding der neuen Börse wird?

          Weil das die klare politische Vorgabe der Regierung Cameron war. Andernfalls hätten die Briten sich darauf gar nicht eingelassen.

          Grundsätzlich gefragt: Bislang sind alle Fusionsversuche der Deutschen Börse mit ausländischen Börsen kläglich gescheitert. Was versprechen Sie sich von einer Fusion?

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