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Spekulationen an der Börse : Was vom Boom der Privatanleger übrig blieb

Anfang des Jahres sorgte die Gamestop-Aktie mit ihren Kurssprüngen für Aufsehen. Nun ist fraglich, ob Anleger langfristig an den Börsen bleiben. Bild: AFP

Kursspekulationen mit populären Aktien brachten Anfang des Jahres viele neue Anleger an die Börsen. Neobroker versuchen nun, den Erfolg zu festigen.

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          Als Goldgräberstimmung könnte man bezeichnen, was Anfang dieses Jahres um die Gamestop-Aktie herum passiert ist. Privatanleger hatten sich aufgrund der offensiven Position eines Nutzers des Reddit-Forums „Wallstreetbets“ um die Aktie des Videospiel-Einzelhändlers geschart. Die Aktie barg das Potential für einen Höhenflug, der aufgrund der koordinierten Nachforschungen zu Leerverkaufspositionen und Handelsvolumen auch geschah: In kürzester Zeit stieg der Preis von rund 15 Euro auf annähernd 270 Euro. Heute bewegt sich der Preis noch immer um 150 Euro.

          Gregor Brunner
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Vom Fund der Goldader haben aber nicht nur die Goldgräber, sondern auch die Verkäufer der Schaufeln profitiert. In den Vereinigten Staaten war dies vor allem die Handelsapp Robinhood, welche mit einfacher Kontoeröffnung und simpler Handhabe vielen Anlegern ermöglichte, sich schnell ins Getümmel zu werfen. Unter Berufung auf eine Analyse der Investmentbank JP Morgan berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg über gefallene Nutzer- sowie Downloadzahlen der App.

          Den Analysten zufolge fielen die Zahlen der täglich aktiven Nutzer im dritten Quartal um 40 Prozent, im Vergleich zu 20 bis 30 Prozent bei ähnlichen Konkurrenten. Verglichen mit dem zweiten Quartal fielen auch die Downloads um 78 Prozent. Zwar habe Robinhood Markets schon geringere Aktivität vorhergesagt, aber der Fall scheint schlimmer als erwartet, mutmaßen die Analysten.

          Potenzial besteht weiter

          Auch nach Deutschland schwappte die Gamestop-Euphorie und das Reddit-Forum „Mauerstrassenwetten“ erfreute sich während der frühen Monate 2021 großer Beliebtheit. Über die Sommermonate habe aber Medienberichten zufolge auch hier der Privatanleger-Boom wieder Schwung verloren. Im Zuge einer Finanzierungsrunde im Mai berichtete das deutsche Robinhood-Pendant Trade Republic von der Überschreitung der Marke von einer Million aktiver Nutzer.

          Fraglich ist nun, ob sich diese Marke halten oder noch ausbauen lässt. Der genannten Finanzierungsrunde in Höhe von 900 Millionen Dollar folgten im Juni der Ausbau des Handelsportfolios um Derivate. Zudem meldete der bisher nur auf Smartphones verfügbare Broker vergangene Woche die Lancierung einer Desktop-Version, womit einerseits die bestehende Nutzerbasis verfestigt und weniger Smartphone-affine Kunden gewonnen werden könnten.

          Konkurrenten versuchen dies ebenso. Beispielsweise deuten bei Wallstreet Online eine Kapitalerhöhung um 19,1 Millionen Euro und Personalzugänge wie der neue Marketingdirektor Stefan Fischer sowie des neuen Bereichsleiters für Benutzeroberfläche und Kundenerfahrung, Christian Wendrock-Prechtl, auf größere Veränderungen in der Bewerbung und Handhabe des Smartbrokers hin. Im Gegensatz zu anderen Neobrokern fehlt dem Smartbroker noch eine Smartphone-App.

          Potenzial scheint am deutschen Markt noch vorhanden. Glaubt man Analystenstimmen, welche die Alternativlosigkeit der Aktienanlage beschwören, könnten noch viele Anleger an die Börse gelockt werden. Das zeigt sich in der Zahl der Wertpapierdepots. Laut Bundesbank-Statistik ist mit rund 26,75 Millionen noch nicht wieder der Stand von 29,74 Millionen Depots im Jahr 2007 erreicht.

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