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Börse Türkei : Die solidere türkische Wirtschaftspolitik macht Anlegern Mut

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Bild: Raymond James Securities

Seit dem Krisenjahr 2001 hat die türkische Volkswirtschaft enorme Fortschritte gemacht. Das rekordhohe Leistungsbilanzdefizit bereitet zwar noch Probleme. Aber die Anker IWF und EU dürften auch 2006 für Stabilität sorgen.

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          Die Türkei hat in den vergangenen Jahren beachtliche volkswirtschaftliche Fortschritte erzielt. Aber auch wenn die Momentaufnahme noch so positiv ausfällt, schwingt bei Beobachtern wegen etlicher negativer Erfahrungen stets eine gewisse Skepsis mit.

          Geprägt ist diese Haltung dadurch, daß sich das Land in der Vergangenheit nach prosperierenden Phasen regelmäßig immer wieder selbst ein Bein gestellt hat. Das bisher letzte Mal, als das passierte, ist noch nicht so lange her. Wie sich alle Beteiligten noch mit Schrecken erinnern, schrumpfte das Bruttoinlandprodukt im Jahr 2001 um 8,5 Prozent.

          Wie damals hat die Türkei auch jetzt wieder mit großen Problemen im Außenhandel zu kämpfen. Das Leistungsbilanzdefizit ist im Vorjahr um 47 Prozent auf 22,9 Milliarden Dollar gestiegen und erreichte auch gemessen am BIP einen Rekordwert von 6,5 Prozent. Angesichts der Historie rufen solche Zahlen natürlich einen gewissen Argwohn hervor. Zumal der seit Anfang 2004 gegenüber dem Euro um rund 14 Prozent gestiegene Wert der Lira der Exportwirtschaft zusehends das Leben erschwert.

          Beeindruckende Erfolge im Kampf gegen die Inflation

          Und in der Tat muß das bestehende Ungleichgewicht im Außenhandel dringend bekämpft werden, um bei plötzlich auftretenden externen Schocks nicht wieder in einen Abwärtssog gezogen zu werden. Trotz dieser Mängel finden sich aber auch viele Argumente, die es erlauben, der Türkei ein gutes volkswirtschaftliches Zeugnis auszustellen. Mit am eindrucksvollsten lassen sich die in den vergangenen Jahren erzielte Fortschritte anhand der Inflationsentwicklung belegen. Ist es doch gelungen, die Teuerung, die sich im Jahr 2001 auf 68,5 Prozent belief, im Jahr 2005 auf nur noch 7,7 Prozent zu drücken.

          Das somit erreichte tiefste Niveau seit 37 Jahren erlaubte es der Notenbank gleichzeitig, die Leitzinsen seit August 2001 bisher 28 Mal auf 13,5 Prozent zu senken. Und wenn alles gut geht, könnte der Zinssenkungszyklus im Laufe des Jahres 2006 eine Fortsetzung finden. In den vergangenen drei Monaten ist die Inflation zwar jeweils auf einen Januarwert von 7,9 Prozent gestiegen. Doch im weiteren Jahresverlauf wird mit wieder einer rückläufigen Inflationsrate gerechnet, und das von der Notenbank für das Jahresende vorgegebene Zielband beträgt 4,7 bis 6,3 Prozent.

          Staatsverschuldung erfüllt inzwischen das Maastricht-Kriterium

          Nicht zuletzt wegen der hohen Ölpreise besteht zwar erstmals seit 2001 die Gefahr einer Verfehlung der eigenen Zielvorgabe bei der Inflation. Von den Zeiten einer galoppierenden Inflation ist das Land derzeit aber weit entfernt. Eine erfreuliche positive Wirkung haben die gesunkenen Zinsen auch auf das Staatsbudget gehabt. Der im Vorjahr beim Haushaltsdefizit gemessen am BIP erreichte Wert von zwei Prozent lag nicht nur tiefer als erwartet, sondern unterschritt auch das von der EU im Rahmen der Maastricht-Kriterien vorgegebene Haushaltsdefizit von maximal drei Prozent des BIP.

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