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Börse Tokio : Japans Anleger suchen die schöne Harmonie

Schon seit Wochen belastet der Handelsstreit zwischen Amerika und China auch die Börse in Tokio. Bild: dpa

Die Börse in Tokio spürt Gegenwind: Erstmals seit drei Jahren sinken die Unternehmensgewinne in Japan.

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          Das neue kaiserliche Zeitalter in Japan beginnt an der Börse im Minus. In den ersten fünf Handelstagen der Regentschaft von Tenno Naruhito hat der Nikkei-Index täglich und insgesamt fast 5 Prozent verloren. Am Montag endete der Handel mit einem Tagesabschlag von 0,72 Prozent auf einem Nikkei-Stand von 21191,28 Punkten. Von der „schönen Harmonie“ des neuen Zeitalters Reiwa ist an den japanischen Finanzmärkten noch nicht viel zu spüren. Ist das ein gutes oder ein böses Omen für das neue Zeitalter?

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Das Heisei-Zeitalter unter Naruhitos Vater Akihito begann am 7. Januar 1989 mitten im Börsenrausch der Blasenjahre. Der Nikkei-Index stieg noch bis zum Dezember 1989 auf den Rekord von 38957,44 Punkten, um dann abrupt und rasant zu fallen. 30 Jahre später endete das Heisei-Zeitalter im April mit einem Nikkei-Index, der 43 Prozent niedriger lag als der Rekordwert von Dezember 1989. Die beiden Episoden vereint der historische Zufall des Kaiserwechsels, der für sich genommen ökonomisch nicht viel zu bedeuten hat.

          Wirtschaftlich wichtiger ist, dass in beiden Episoden amerikanischer Druck das Börsengeschehen in Tokio bestimmte. Die lockere Geldpolitik der Bank von Japan, die den Börsenrausch Ende der achtziger Jahre ausgelöst hatte, folgte amerikanischem Wunsch, um den Yen zu schwächen. Washington erhoffte sich davon eine Verringerung des japanischen Handelsbilanzüberschusses mit Amerika. Analog versucht Amerika heute, das bilaterale Handelsbilanzdefizit mit China durch neue Einfuhrzölle und Verhandlungen zu verringern.

          Der Handelskrieg belastet

          Die Sorgen vor einer weiteren handelspolitischen Eskalation belastet auch die Börse in Tokio. Der Handelskrieg wird als wichtigster Grund genannt für den Kursverfall der vergangenen Tage. Dabei spiegeln die Kurse nur eine vorläufige Einschätzung der wirtschaftlichen Belastung durch den Handelskrieg wider. Die Gespräche zwischen Amerika und China dauerten an, betonen Analysten in Tokio. Amerikas Präsident Donald Trump könnte beim G-20-Gipfeltreffen in Juni in Japan mit Chinas Präsident Xi Jinping über den Handelskonflikt beraten.

          NIKKEI

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          Der Schaden durch den Handelskrieg und die sich abschwächende Wirtschaft Chinas zeigt sich schon jetzt in den Bilanzen der Unternehmen. Die Gewinne der börsengehandelten Unternehmen sind im zweiten Halbjahr des Geschäftsjahres, also von Oktober bis März, um 14,6 Prozent gesunken, nachdem sie im ersten Halbjahr noch gestiegen waren. Das zeigt eine Auswertung der japanischen Wirtschaftszeitung „Nikkei“ von 849 Unternehmen, die bis Freitag ihre Jahresabschlüsse vorgelegt hatten.

          Nach der Analyse sanken die Gewinne für das gesamte Geschäftsjahr um 2 Prozent. Das ist das erste Minus seit drei Jahren. Die Erwartungen für das im April begonnene Geschäftsjahr liegen bei einem Gewinnplus von 4 Prozent. Die Verwerfungen durch neue amerikanische Zölle auf chinesische Waren sind in diesem Ausblick noch nicht berücksichtigt, ebenso wenig wie die gerade erst begonnenen Handelsverhandlungen Amerikas mit Japan.

          Aktienausblick wird getrübt durch inländische Risiken

          Akio Toyoda, der Vorsitzende des japanischen Autobauerverbandes, warnte am Montag vor dem sich ausweitenden Protektionismus. „Es gibt eine dicke Wolkenschicht, und wir können immer noch nicht die Sonne sehen“, sagt Toyoda, der auch Japans größten Autobauer Toyota Motor leitet. Wie sehr Japans international orientierte Autohersteller unter der schwächeren Auslandsnachfrage leiden, zeigt ein Vergleich der Aktienkursentwicklung seit einem Jahr. Toyota sieht da mit minus 13 Prozent noch am besten aus, gefolgt von Mazda mit minus 15 Prozent und Suzuki mit minus 18 Prozent. Nissan und Honda liegen bei je minus 22 Prozent, Subaru bei minus 29 Prozent und Mitsubishi Motors bei minus 42 Prozent. Sie arbeiten alle unter der nur zeitweise für Handelsverhandlungen mit Japan ausgesetzten Drohung Trumps mit Einfuhrzöllen.

          Der Aktienausblick wird getrübt durch inländische Risiken. Japan könnte in eine Rezession hineinrutschen, zeigen neueste Wirtschaftsdaten. Zum ersten Mal seit Januar 2013 wertete die Regierung am Montag, dass die Konjunktur in Japan sich verschlechtere. Der Index der gleichlaufenden Wirtschaftsindikatoren, der die aktuelle Konjunkturlage beschreibt, fiel im März um 0,9 Punkte im Vergleich zum Vormonat. Der Index der vorausschauenden Indikatoren fiel um 0,8 Prozent. Für das erste Quartal erwarten Analysten eine Stagnation oder eine leichte Schrumpfung. Die schlechten Wirtschaftsdaten werden die Diskussion wieder anheizen, ob die Regierung die für Oktober geplante Erhöhung der Mehrwertsteuer abermals verschieben wird.

          Doch es gibt noch positive Meldungen und sie zeigen, dass eines immer geht: die Pokémon-Taschenmonster. Der Aktienkurs des japanischen Internet- und Software-Unternehmens Dena stieg am Montag um 14,44 Prozent auf 2021 Yen. Dena hatte am Freitag nachbörslich bekanntgegeben, dass es 26 Prozent seiner Aktien im Wert von 50 Milliarden Yen zurückkaufen werde, und mitgeteilt, dass es noch in diesem Geschäftsjahr ein Pokémon-Spiel für mobile Geräte an den Markt bringen werde.

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