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Scherbaums Börse : Ströer: Werbung auch für die Aktienanlage

  • -Aktualisiert am

Der Sitz des Werbeunternehmens Ströer in Köln Bild: dpa

Die Werbebranche gilt nicht gerade als der Liebling der Anleger. Doch der deutsche Branchenriese Ströer belehrt Skeptiker immer wieder eines Besseren. Das Unternehmen nimmt den Branchenwandel konsequent an.

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          Henry Ford sagte einst „fünfzig Prozent bei der Werbung sind immer rausgeworfen. Man weiß aber nicht, welche Hälfte das ist.“ Das mag augenscheinlich damals aus Sicht eines erfolgreichen Automobilpioniers der Fall gewesen sein. In der heutigen (Konsum-)Welt ist Werbung überhaupt nicht mehr wegzudenken. Und dennoch hat auch Corona der Werbe-Branche die Grenzen aufgezeigt. In Deutschland gehört Ströer zu den Großen im Werbebereich, vermarktet und betreibt eigenen Angaben zufolge rund 300.000 Werbeangebote.

          In den vergangenen Jahren war das M-Dax-Unternehmen bereits mit der Umstellung auf digitale Werbeinhalte beschäftigt. Die Corona-Krise machte das Leben für den Konzern mit Sitz in Köln nicht gerade einfacher. Denn die von Ströer bereitgestellten Werbeflächen sind häufig an Verkehrsknotenpunkten wie Bahnhöfen, Straßen, Einkaufszentren sowie U- und S-Bahnsteigen in deutschen Großstädten plaziert. Im Zuge der Corona-Pandemie waren viele Menschen jedoch gezwungen, häufiger im Homeoffice zu arbeiten. Entsprechend fragten werbungtreibende Kunden weniger Werbeflächen nach. Die durch Corona schneller gewordene Digitalisierung hat auch die gesamte Werbeindustrie durcheinandergewirbelt.

          Corona wirbelt Werbeindustrie durcheinander

          Statt im linearen Fernsehen sind die für die Werbeindustrie besonders interessanten Bevölkerungsgruppen immer häufiger auf Videoportalen wie YouTube, bei Streaming-Diensten wie Netflix oder den Social-Media-Angeboten von Facebook oder Instagram anzutreffen. Im Zuge der Corona-bedingten Lockdowns waren die Zielgruppen sogar noch häufiger als zuvor im Internet zu finden, was das Leben von Ströer nicht gerade vereinfachte. Ströer konnte sich von der Corona-Delle aber gut erholen und hat die Krise hinter sich gelassen. Bereits mit der Bekanntgabe der jüngsten Halbjahresergebnisse Mitte August hatte das Unternehmen verkündet, dass sich das Geschäft wieder auf Vor-Corona-Niveau befinden würde.

          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg.
          Unser Autor Christoph Scherbaum ist Börsenfachmann und arbeitet als Finanzjournalist aus Ludwigsburg. : Bild: Christoph Scherbaum

          Zudem packt Ströer das Thema Digitalisierung verstärkt an. Anfang Oktober wurde die Mittelfristplanung bis 2026 präsentiert. Die „OOH plus“-Strategie stellt weiterhin das „Out of Home“-Kerngeschäft in den Mittelpunkt. Den Kunden wird dort eine große Palette an verschiedenen analogen und digitalen Out-of-Home-Medien (OOH) angeboten. Hinzu kommen die Bereiche Digital & Dialog Media und DaaS (Desktop-as-a-Service) und E-Commerce (Asambeauty). Hierbei helfen soll das 2015 eingekaufte Portal t-online, das das Unternehmen zu Deutschlands Medienmarke Nummer 1 aufbauen will.

          Solide Zahlen und starker Ausblick

          Für die Kernbereiche OOH sowie Digital & Dialog Media erwartet das Management bis 2026 ein durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum von 8,5 Prozent auf 2,0 bis 2,1 Milliarden Euro. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen soll in der gleichen Zeit im Schnitt um 9 bis 12,5 Prozent auf rund 750 bis 850 Millionen Euro zulegen.

          In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2021 stiegen die konzernweiten Umsatzerlöse um 11 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Organisch lag das Umsatzplus ebenfalls bei 11 Prozent. Das EBITDA (adjusted) legte um 10 Prozent auf 319 Millionen Euro zu. Für das Gesamtjahr 2021 geht das Management von Umsatzerlösen in Höhe von rund 1,6 Milliarden Euro bei einem bereinigten EBITDA von 490 bis 510 Millionen Euro aus.

          Ankeraktionäre geben Stabilität

          Darüber hinaus haben die Eigentümerfamilien Müller und Ströer rechtzeitig für Stabilität in Bezug auf die Eigentumsverhältnisse in der Zukunft gesorgt. Zu diesem Zweck haben die Hauptanteilseigner der Ströer SE & Co. KGaA, Co-CEO und Gründer Udo Müller sowie Dirk Ströer einen Großteil ihrer insgesamt rund 42 Prozent Kommanditaktien an der Ströer SE & Co. KGaA in eine deutsche Stiftungs-Struktur eingebracht.

          Seitens der Analysten kommen die Pläne und die Prognosen des Unternehmens gut an. Die Schweizer Großbank UBS hat das Kursziel für Ströer von 84 auf 92 Euro angehoben. Ein Kursziel von 88 Euro sieht derweil Barclays, während die deutsche Bank Hauck & Aufhäuser die Ströer-Aktie sogar bei 95 Euro sieht.

          Spannende Charttechnik

          Bei einem Blick auf den Kursverlauf erscheinen solche Kursziele nicht unrealistisch zu sein. Nachdem der Aktienkurs von Ströer im ersten Quartal 2020 in der Spitze um über 50 Prozent einbrach und im März ein Tief bei 37 Euro markierte, startete eine neue Kurs-Rallye, im Zuge der es bis zum Dezember vergangenen Jahres auf ein Rekordhoch bei 82,50 Euro nach oben ging.

          STROEER SE + CO. KGAA

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          Nach einer Korrektur bis zum Mai dieses Jahres auf 65 Euro konnte sich der Kurs wieder auf zeitweise 72 Euro erholen. Setzt sich die jüngste Erholung fort, könnte das Dezember-2020-Allzeithoch ein Ziel sein – und darüber hinaus ein starkes Kaufsignal bedeuten. Wer bereits Aktionär bei Ströer ist, weiß um die Stärken des Unternehmens und dessen Aktienkurs. Auf Zehnjahressicht legten die Notierungen im Schnitt um 22 Prozent jährlich zu. Die hohe Kursrendite resultiert dabei aber sehr stark aus der Kurs-Rallye in den Jahren 2013 bis 2015, denn in den folgenden Jahren wurde die Ströer-Aktie zeitweise immer wieder kräftig zurückgeworfen.

          Deshalb ist dieser Nebenwert wohl eher etwas für risikobereite Anleger, die einen langen Atem haben, um zwischenzeitliche Korrekturen einfach auszusitzen. Auf der anderen Seite ist Ströer für Dividenden-Fans durchaus nicht unattraktiv. Das M-Dax-Unternehmen war in den vergangenen Jahren ein zuverlässiger Dividendenzahler, wobei die Dividendenrendite mit aktuell 2,8 Prozent vergleichsweise hoch ausfällt.

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