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Börse : So erkennt man die Trendwende

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Blick in die Zukunft Bild: dpa

Mit Intuition kommt man bei der Suche nach der Trendwende an den Finanzmärkten nicht weit. Die Markttechnik hilft weiter.

          Nach den heftigen Kursverlusten des vergangenen Jahres und dem unruhigen Auf und Ab der vergangenen Tage und Wochen stellt sich die Frage, wann die wirkliche Trendwende erreicht ist. Immer wieder werden zwar Vermutungen veröffentlicht, dass es nun soweit sein könnte. Genauso so oft aber werden diese Thesen widerlegt.

          Der Markttechniker hat es da intuitiv nicht viel leichter, allerdings kann er seine „Instrumente“ zu Rate ziehen. So verbindet er lokale Extrempunkte im historischen Kursverlauf grafisch miteinander und versucht, so genannte Trends zu identifizieren und sich daran zu orientieren. Führt der Trend nach oben, also steigen die Kurse, dann wird er dem Trend folgen und kaufen. Umgekehrt natürlich, wenn die Richtung nach unten zeigt. Interessant und wichtig ist es dabei allerdings, die Wendepunkte zu identifizieren.

          Indizien für einen Trendwechsel

          Ein klares Indiz aus technischer Sicht dafür ist ein Trendbruch. Liegt in einem Abwärtstrend ein lokales Hoch über der gezeichneten Trendlinie, so hat sich im Markt etwas geändert. Das Signal ist relativ zuverlässig, kommt allerdings bei einer langfristigen Betrachtung ziemlich spät. Denn der aktuelle Kurs der Aktie kann schon relativ weit gelaufen sein, bis er die Trendlinie erreicht. Aus diesem Grund verwenden Markttechniker in der Regel weitere „Tools“, die Änderungen schneller anzeigen. Wenn sie zusammen in dieselbe Richtung zeigen, ist das Signal auch verlässlicher.

          So lassen sich etwa mit „Candlesticks“-Charts bei einer Bodenbildung bestimmte Muster erkennen. Candlesticks sind so konstruiert, dass sie mit einem Blick eine erste Lagebeurteilung zulassen. Sie sind schwarz, wenn die Kurse gefallen sind und weiß, wenn die gestiegen sind. Deutliche Anzeichen für eine möglich Trendwende ist etwa ein „Morning Star“: Bei dem folgt auf einen schwachen Börsentag ein unentschlossener Tag mit geringen Schwankungen, bevor am dritten Tag die Bullen das Zepter fest in die Hand nehmen.

          Als dritter Faktor wird beispielsweise von Markttechniker Wieland Staud das Volumen herangezogen: „Es ist unheimlich wichtig, dass es im Abwärtstrend vor der Wende noch einen richtigen Sell-Out gegeben hat, mit dramatisch hohen Börsenumsätzen“. So ein Tag könne zum Beispiel an der Nasdaq der Tag gewesen sein, nach dem Nortel eine neue Gewinnwarnung ausgesprochen hatte.

          Mit Hilfe etwas komplizierterer Indikatoren wird er auch versuchen, die Dynamik einer Kursbewegung abzuschätzen. Nimmt die in einem Abwärtstrend ab, deutet das auf einen verpuffenden Verkaufsdruck hin.

          Hinweise für eine Zwischenerholung

          Um eine Trendwende auf Sicht von drei bis sechs Monaten abzuleiten, muss man ebenso weit zurückgehen in die Vergangenheit und die Analyse auf Wochendaten aufbauen. Aus dieser Sicht würde nach Staud erst ein Dax-Stand von etwa 6.800 Punkten den Bruch des langfristigen Abwärtstrends signalisieren und den Weg frei machen nach oben. Immerhin gibt es nach seiner Einschätzung momentan auf allen Zeitebenen eine Reihe von Hinweisen, die auf eine Trendwende - zumindest zu einer kräftigen Zwischenerholung - hindeuten und Raum für fünf bis zehn Prozent nach oben geben könnten. So habe es in den vergangen Tagen auch eine Art von „Sell-Out“ gegeben, zumindest der kurzfristige Abwärtstrend sei gebrochen und nicht zuletzt die „Candlesticks“ sähen nicht schlecht aus. 6.300 Punkte und mehr könnten schon erreicht werden.

          Allerdings stehe im Hintergrund, dass alle „großen“ Indizes und zum Teil auch Einzelwerte, wie etwa Nokia, die ganz langfristigen Aufwärtstrends gebrochen hätten, im Nasdaq sogar einen elfjährigen Lauf nach oben. So werde es nach seiner Einschätzung nach einer Zwischenerholung nicht nur zu einem Test der Tiefstände kommen, sondern die Tiefs könnten sogar unterboten werden. Anleger sollten steigende Kurse zu einer „Bereinigung“ der Depots nutzen, um bei dem dann folgenden Rückgang weniger Werte zu besitzen.

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