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Nach 32 Jahren : Lufthansa fliegt aus dem Dax

Trotz Staatshilfen: Lufthansa fliegt au dem Dax Bild: Reuters

Trotz Staatshilfen in Höhe von 9 Milliarden Euro muss die größte Fluggesellschaft in Deutschland ihren Platz im Dax räumen. An deren Stelle tritt eine Wohnungsgesellschaft.

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          Der deutsche Aktienindex Dax verliert ein weiteres seiner Gründungsmitglieder. Wie die Deutsche Börse am späten Donnerstagabend mitteilte, wird die Lufthansa den Index nach 32 Jahren Mitgliedschaft verlassen müssen. Grund dafür ist die außergewöhnlich schlechte Kursentwicklung der vergangenen Monate. Der Kurs ist in der Corona-Krise von 17 auf 7 Euro gefallen. Zuletzt hatte er sich wieder auf 10 Euro erholt. Doch auch der Staatseinstieg brachte nicht genügend Schwung in die Aktie.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          In der Rangliste der Deutschen Börse mit Stand Ende Mai kam die Lufthansa im Börsenwert der frei handelbaren Aktien nicht mehr unter die ersten 45 Unternehmen. In solchen Fällen nimmt die Börse die Aktien gemäß der „Fast-Exit-Regel“ auch jenseits der üblichen Überprüfung der Indexzusammensetzung im September aus dem Dax. Am 22. Juni wird der Berliner Wohnimmobilienkonzern Deutsche Wohnen in den 30 Werte umfassenden Aktienindex aufrücken. Dann wird erstmals seit dem Jahr 2006 wieder ein Unternehmen aus der deutschen Hauptstadt im Leitindex vertreten sein. Es ist nach Vonovia der zweite Wohnimmobilienkonzern im Dax.

          Der Aktienkurs der Deutsche Wohnen befindet sich nahe seiner Rekordkurse. Das stabile Geschäftsmodell der Wohnungsvermietung wird von den Anlegern in der Krise geschätzt. Ob Anleger nun die Aktien der Deutschen Wohnen kaufen sollten, ist indes fraglich. Zuletzt hatte der Dax kein Glück mit seinen Neulingen. Zwar müssen viele Dax-Indexfonds die Aktie des Aufsteigers in ihre Portfolios aufnehmen oder aufstocken. Das sorgt für Nachfrage in den Aktien. Doch das allein reicht nicht für eine gute Kursentwicklung, wie die Bilanz der letzten zwölf Jahre zeigt. Die Aufsteiger K+S, Salzgitter, Hannover Rück, Lanxess und Pro Sieben Sat 1 sind wieder in den M-Dax zurückgefallen. MTU ist erst kurz dabei, aber mit ähnlich desaströsem Kursverlauf seit der Dax-Aufnahme wie der immer wieder durch Vorwürfe der Bilanzmanipulation durchgeschüttelte Finanzdienstleister Wirecard.

          LUFTHANSA

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          Die Lufthansa wird künftig im 60 Werte umfassenden M-Dax auf das Werbeunternehmen Ströer treffen. Dies wird die Deutsche Pfandbriefbank ersetzen, deren Börsenwert zu stark gesunken war. Sie wird künftig im S-Dax zu finden sein, in den die Dr. Hönle AG und Atoss Software aufsteigen und dort Elmos Semiconductor und den früheren Dax-Wert MLP ersetzen.

          Auch Deutsche Bank nur knapp dabei

          Zu den 30 wertvollsten deutschen Unternehmen hatte die Lufthansa schon lange nicht mehr gehört. Es ist oft davon die Rede, der Dax enthalte die 30 wertvollsten deutschen Unternehmen. Das ist falsch. Wer weiß schon, was Bosch und Bertelsmann wert sind? Manchmal heißt es daher auch, er enthalte zumindest die 30 wertvollsten börsennotierten Unternehmen. Das ist aber auch falsch.

          DT. WOHNEN

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          Ein Blick an die Börse zeigt das schnell. Da wäre zum Beispiel Covestro. Aktueller Börsenwert des Leverkusener Spezialchemiekonzerns: 6,7 Milliarden Euro. Was machen die im Dax? Sie liegen auf der Liste der börsennotierten Unternehmen auf Platz 57. Oder MTU? Der Triebwerkshersteller liegt auf Platz 44. Die Lufthansa ist mit einem Börsenwert von gerade mal 4,8 Milliarden Euro sogar auf Rang 68 gefallen. Trotz Staatshilfe. Und damit einen Platz hinter dem letzten Staatseinstiegs-Konzern Commerzbank. Ginge es streng nach Börsenwert und der Dax würde wirklich die 30 wertvollsten börsennotierten Unternehmen in Deutschland zeigen, müssten neben der Lufthansa noch Covestro, MTU, Heidelberger Cement, Wirecard und die Deutsche Bank den Index verlassen.

          Bei der Deutschen Bank ist die Sache knapp. Sie lag am Donnerstag nur hauchdünn auf Rang 31 hinter dem Lieferdienst Delivery Hero. Andere Fälle sind klarer. Zum Beispiel müsste Sartorius längst dazugehören. Das Göttinger Labortechnikunternehmen kommt auf 22 Milliarden Euro Börsenwert und übertrifft damit die Dax-Konzerne Covestro und MTU zusammen. Auch Hannover Rück müsste in den Dax und Healthineers und Airbus. Doch die Deutsche Börse hat ihre eigenen Regeln. Der Handelumsatz der Aktien in Frankfurt muss hoch genug sein. Und mit einem „Free-Float-Faktor“ errechnet sie ihren eigenen Dax-relevanten Börsenwert der Unternehmen. Diesen Faktor erfährt nur, wer viel Geld dafür zahlt. Sonst könnte ja jeder den Dax nachbauen.

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