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Börse : Für Rolf Breuer könnte es eng werden

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Breuers Tage scheinen gezählt Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Mehrere Fondgesellschaften haben dem Aufsichtratschef der der Deutschen Börse, Rolf E. Breuer, den Kampf angesagt. Sie unterstützen seine Abwahl, sind sich aber über die Vorgehensweise uneinig.

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          Für den Aufsichtsratschef der Deutschen Börse, Rolf E. Breuer, wird es eng. Der britische Großaktionär The Children's Investment Funds (TCI) hat in seinem Bestreben, Breuer auf der Hauptversammlung am 25. Mai seines Postens zu entheben, offenbar die Unterstützung anderer angelsächsischer Fonds.

          Aus Kreisen dieser Anteilseigner der Deutschen Börse ist in London zu hören, daß mehrere größere Fondsgesellschaften hinter dem Antrag von TCI-Chef Christopher Hohn stehen, Breuer auf dem Aktionärstreffen im Mai abzuwählen. "Hohn hat die Rückendeckung mehrerer großer Aktionäre. Hohns Strategie ist der richtige Ansatz", hieß es von einem der Großinvestoren, der nicht genannt werden wollte.

          Großaktionäre könnten Erfolg haben

          Zu den größten Investoren zählen derzeit Capital Research Management mit etwa 10 Prozent an der Deutschen Börse, gefolgt von TCI und den Anlagegesellschaften von Fidelity, Atticus, der Generali Versicherung, Merrill Lynch, Harris Associates, Pioneer Investments und Union Investment. Sollten es die Großaktionäre mit der Abwahl Breuers tatsächlich ernst meinen, räumen ihnen Beobachter durchaus Chancen auf Erfolg ein.

          Denn die Aktionäre, die gegen die Übernahme der London Stock Exchange (LSE) opponierten, stellten gut 36 Prozent des Kapitals. Bei der Aktionärsversammlung 2004 lag die Präsenz aber nur bei 31 Prozent. Zudem wird für eine Abwahl Breuers nur eine einfache Mehrheit benötigt.

          Von einem der Großaktionäre hieß es allerdings dazu: "Bis dahin sind noch sechs Wochen Zeit. Es wäre daher zu früh, von Zuversicht zu sprechen." Auch einige Analysten bezweifelten eine Abwahl Breuers, weil die Präsenz gerade wegen des Streits dieses Jahr größer sein werde als sonst.

          Umfangreiche Informationen angefordert

          Aus Kreisen der kritischen Großinvestoren wurde am Freitag gewarnt, Hohns Vorstoß zu unterschätzen. "Auch der Vorstoß und der Versuch der Hessischen Börsenaufsicht, mit ihrem Brief TCI zu isolieren, ist der falsche Weg," hieß es von einem der Aktionäre. In diesem am Montag an Hohn und andere britische Großaktionäre, darunter Fidelity und Merrill Lynch, gesendeten Brief hatte die hessische Börsenaufsicht umfangreiche Informationen über die Anteile und Renditeerwartungen der Fonds angefordert.

          Insbesondere interessiert sich die Finanzplatzaufsicht dafür, ob die Großaktionäre ihre Opposition gegen die Übernahme der Londoner Börse (LSE) untereinander abgestimmt hatten. Sollte dies der Fall sein und sollte die beim hessischen Wirtschaftsministerium angesiedelte Behörde den Aktionären die Zuverlässigkeit absprechen, dann könnte sie nach dem Aktiengesetz die Fonds an weiteren Anteilskäufen hindern und im Extremfall sogar deren Stimmrechte blockieren.

          Um dies herauszufinden, hatte die Börse bereits vor zwei Wochen Gespräche mit TCI-Manager Patrick Degorce geführt. Beobachter halten es für wahrscheinlich, daß die Börse selbst bei der Aufsichtsbehörde diesen Stein ins Rollen gebracht hat.

          Aktionärsrat nicht akzeptabel

          Ähnlich wie Hohn kritisieren die derzeit hinter ihm stehenden Fondsgesellschaften, daß der Vorschlag der Deutschen Börse, einen Aktionärsrat einzusetzen, "nicht der Weisheit letzter Schluß" und für die Aktionäre nicht akzeptabel sei. Obwohl die Deutsche Börse den von zahlreichen Aktionären scharf kritisierten Übernahmeversuch der Londoner Börse aufgegeben und kürzlich ein umfangreiches Aktienrückkaufprogramm angekündigt hat, wollen sich die kritischen Aktionäre, die gut 36 Prozent des Kapitals der Deutschen Börse halten, nicht zufriedengeben.

          Ähnlich wie Hohn kritisieren sie, daß ihre Bedenken gegen die potentielle LSE-Übernahme von Börsenchef Werner Seifert und Breuer nie ernst genommen wurden und damit gegen ihre Aktionärsinteressen verstoßen wurde. Hohn hatte Seifert vorgeworfen, nicht den Regeln der Corporate Governance zu folgen, weil er sich in die Auswahl des ihn kontrollierenden Aufsichtsrats einmische.

          Der Fondsmanager hatte in Briefen an Seifert und Breuer darüber hinaus angekündigt, die Nichtentlastung des Aufsichtsrats zu beantragen. Nach einer möglichen Abwahl des Aufsichtsratschefs wolle er zudem ein außerordentliches Aktionärstreffen einberufen, auf dem neue Mitglieder für das Kontrollgremium gewählt werden sollten.

          Personalien noch ungeklärt

          Ob allerdings die von Hohn vorgeschlagenen Personen wie Lord Rothschild und der CDU-Bundestagsabgeordnete Friedrich Merz die richtigen Nachfolger im Aufsichtsrat wären, wird von einigen Kritikern bezweifelt. "Wir brauchen natürlich neutrale Figuren und hochkarätige Experten - aber die Personalauswahl steht noch nicht fest", hieß es in Londoner Finanzkreisen. Auch einige Vertreter des 21köpfigen Aufsichtsrats der Deutschen Börse stellten Merz' Eignung in Zweifel.

          Merz ist nach eigenem Bekunden bereit, sich in den Aufsichtsrat wählen zu lassen, eine Kampfabstimmung gegen Breuer hat er aber ausgeschlossen. Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Jurist arbeitet für die Kanzlei Mayer, Brown, Rowe & Maw, die TCI seit einigen Wochen berät.

          Der Streit wird wohl auch die Aufsichtsratssitzung der Börse am kommenden Mittwoch beschäftigen. Außerdem will die Börse dort über die bisher angekündigten Aktienrückkaufprogramme hinausgehende Kapitalmaßnahmen präsentieren, heißt es in Börsenkreisen.

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