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Turbulenzen an der Börse : Europäische Energieaktien mit besonders hohen Verlusten

Dunkle Wolken über Nordex und der Börse Bild: dpa

Die reduzierten Gaslieferungen aus Russland treffen Eon und Uniper. BASF sinkt auf den tiefsten Kurs seit Mai 2020. Der Windanlagenbauer Nordex fliegt aus Tec-Dax und S-Dax. Und der Dow Jones fällt unter 30.000 Punkte.

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          Die Turbulenzen an den Finanzmärkten haben an Fronleichnam die Aktienkurse von europäischen Energieversorgern besonders stark erfasst. Zusätzlich zu den erhöhten Leitzinsen in Amerika, England und der Schweiz traf die Versorgeraktien die durch Russland gedrosselte Gaslieferung über die Pipeline Nord Stream 1, die auf nur noch 40 Prozent zurückgefahren wurde. Am deutschen Aktienmarkt fiel die Aktie des Chemieunternehmens BASF, dessen Produktion am Stammsitz in Ludwigshafen durch die reduzierten Gaslieferungen gefährdet ist, am Donnerstag bis Handelsschluss um 6,4  Prozent auf 45,66 Euro, den tiefsten Kurs seit Mai 2020. Ähnlich stark wie BASF verlor am Donnerstag unter den Dax-Werten auch die Aktie des Energieversorgers Eon.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Im M-Dax sank der Kurs von Uniper, einem Unternehmen, das aus Eon hervorgegangen ist, sogar um 9,7 Prozent. Dax und M-Dax beendeten den Handel am Donnerstag mit deutlichen Verlusten. Der Dax schloss mit einem kräftigen Minus von 3,3  Prozent auf 13.038 Punkten und nähert sich damit rapide seinem Jahrestief aus dem März dieses Jahres bei 12.831 Punkten.

          BASF

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          Auch an anderen europäischen Börsen standen Energieversorger im Blickpunkt. Während der Euro Stoxx 50 an Fronleichnam 3 Prozent verlor, standen mit Philips (minus 9,7 Prozent), BASF, Eni und Siemens Elek­tronikunternehmen und energieabhängige Unternehmen besonders unter Abgabedruck. Auch der Ölpreis kam ins Rutschen. Nachdem am Dienstag noch 125 Dollar für 159 Liter Brent gezahlt wurden, waren es am Donnerstag zeitweise nur noch 116 Dollar.

          Aktienkurse in Amerika unter Druck

          Der Windkraftanlagenhersteller Nordex kann von der befürchteten Energieknappheit in Europa seit längerem schon nicht profitieren. Jetzt bestraft ihn auch noch die Deutsche Börse radikal. Wie die Börse als Indexbetreiber am Mittwochabend mitteilte, wird die Nordex-Aktie „außerplanmäßig“ aus Tec-Dax und S-Dax genommen, und das schon vom kommenden Montag, dem 20. Juni, an. Nordex habe Basiskriterien für die Indexmitgliedschaften wie die fristgerechte Veröffentlichung von Quartalsberichten verletzt, begründete die Börse. Nordex hatte die späte Veröffentlichung von Geschäftszahlen mit einem Hackerangriff im März erklärt, der das Unternehmen eine Weile lahmgelegt habe. 2020 hat die Deutsche Börse ihre Regeln verschärft, nachdem sie Wirecard trotz Insolvenzantrags monatelang nicht aus dem Dax ausschließen konnte.

          NORDEX

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          Schon bevor die Börse am Mittwochabend offiziell über den Nordex-Rauswurf informierte, ist der Nordex-Aktienkurs deutlich gefallen, allein am Dienstag um 8 Prozent. An Fronleichnam, dem ersten Handelstag nach Bekanntgabe des Rauswurfs, reagierte dann die Aktie eines Profiteurs: SMA Solar, die in den Tec-Dax zurückkehrt, gewann in einem schwachen Markt 1 Prozent an Wert. Dagegen gab die Aktie von Medios, des Spezialpharma-Unternehmens, das für Nordex in den S-Dax aufsteigt, in etwa mit dem gesamten Markt 3 Prozent ab.

          DOW JONES

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          Auch in Amerika standen die Aktienkurse am Donnerstag unter Druck, nachdem die Börsen am Mittwoch noch mit Kursgewinnen auf die Zinserhöhung der Notenbank Fed reagiert hatten. Am Donnerstag fiel der Dow-Jones-Index der Industriewerte bis Handelsschluss um 2,4 Prozent auf 29.927 Punkte und beendete damit erstmals seit Januar 2021 einen Handelstag unter 30.000 Punkte. Der Aktienindex S&P 500 verlor 3,3 Prozent. Reiseveranstalter wie Carnival, Norwegian Cruise und Royal Caribbean verloren mit je 11 Prozent Kursverlust am meisten an Wert. Die Tesla-Aktie ging am Donnerstag mit einem Kursverlust von 8,5 Prozent aus dem Handel. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sank um 4,1 Prozent auf 10.646 Punkte. 

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