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Börse : Deutsche Aktien im Abwärtssog

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Fast wie an der Schnur gezogen geht es am Mittwoch mit den deutschen Aktienkursen nach unten. Die jüngste Abwärtsbewegung gewinnt damit sogar noch an Dynamik.

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          Kein Halten gibt es am Mittwoch am deutschen Aktienmarkt. Vereinzelt gehen die Kurse in den freien Fall über. Trotz positiver Vorgaben aus den USA nahmen die wichtigsten Indizes nach einer freundlichen Eröffnung schon bald ihre Talfahrt wieder auf. Gegen 15.00 lag der Deutsche Aktien-Index Dax um 4,08 Prozent schwächer bei 5.716 Punkten. Der Nemax 50 mit den wichtigsten Neue-Markt-Werten markierte einen Tiefststand nach dem anderen und stand zuletzt bei 1.644 Zählern - ein Minus von 7,94 Prozent. Die 70 mittelgroßen Werte im MDax büßten 3,18 Prozent auf 4460 Euro ein.

          Neue überzeugende Gründe für den Kursrutsch gebe es nicht. Zwar werde über Schieflagen bei japanischen Banken spekuliert und über ein auch in Europa schwächer als erwartetes Wirtschaftswachstum, aber genau genommen handele es sich dabei teilweise um vorgeschobene Begründungen. Die Abwärtsbewegung habe längst eine Eigendynamik entwicklt, die sich nur noch schwer aufhalten lasse.

          Ratlosigkeit allerorten

          Es gibt eine „zunehmende Dynamik“ in der Abwärtsbewegung, kommentiert dann auch ein Frankfurter Händler etwas ratlos. Nach den guten Vorgaben der US- Computerbörse Nasdaq sei zu Handelsbeginn noch erwartet worden, dass die Technologiewerte den Dax mit nach oben ziehen. Viele Börsianer seien dann aber „auf dem falschen Fuß erwischt worden“, nachdem die Investmentbank Goldman Sachs mehrere deutsche Banken zurückgestuft hatte, sagte Ralph Bachmann von der Frankfurter Helaba. Das habe den Finanzsektor erheblich unter Druck gesetzt.

          Schlechtester Wert im Dax war am frühen Nachmittag die Aktie von Epcos. Die Siemens-Tochter verlor 8,59 Prozent auf 60,16 Euro. Am stärksten präsentierte sich Preussag - allerdings immer noch mit einem Kursabschlag von 2,27 Prozent. Die Entwicklung am Neuen Markt kommentierte Beobachter wie folgt: “Das ist wie Fallschirmspringen ohne Fallschirm.“ Die meisten anderen Händler ersparen sich inzwischen jeglichen Kommentar. Ihnen fehlen schlicht die Worte, denn ein Abflauen des Abwärtssogs ist derzeit nicht abzusehen.

          Im Gegenteil: Wenn die US-Börsen mit den erwarteten deutlichen Verlusten ins Rennen gehen und der Dow die wichtige Marke von 9.700 Zählern durchbrechen sollte, sei mit einem weiteren Anschwellen der Abgaben zu rechnen. Auch technische Analysten finden derzeit kaum noch Antworten auf die Marktentwicklung. Eine mögliche Orientierungsgröße für den Nemax-50 stellten die noch aus 1998 stammenden und in ihrer Aussagekraft beschränkten Bereiche von 1.630 und 1.400
          Punkten dar, meinte etwa der technische Analyst Wieland Staud.

          Warten auf den finalen Ausverkauf

          Derzeit gebe es trotz der deutlich zurückgekommenen Kurse einfach keinen Grund, in Aktien zu investieren. Wohin man nur schaue, gebe es nur negative Nachrichten. Die einzige Hoffnung bestehe nun darin, dass ein panikartiger Ausverkauf das Finale der Baisse einleite und anschließend wieder etwas mehr Ruhe in die Märkte einkehre. Allerdings sei dieses Argument in den vergangenen Monaten so oft vorgebracht worden, dass Zweifel durchaus angebracht seien. Viele Anleger hätten sich in der Hoffnung auf eine Trendwende so oft die Finger verbrannt, dass sie sich nun zunächst einmal in Zurückhaltung übten.

          Im herrschenden Abwärtstrend verblassen die Bewegungen der Einzelwerte zu Non-Events. Als genereller Trend läßt sich nur festhalten, dass Aktien, die sich in den vergangenen Monaten besser als der Gesamtmarkt entwickelt haben, nun auch unter die Räder kommen. So büßen Thiel über zehn Prozent oder 12 auf 99 Euro ein, während sich Umweltkontor um über 13 Prozent auf 47,50 Euro ermäßigen. Auch unter technischen Gesichtspunkten sehen viele Aktien verheerend aus. Keine Besserung ist nach Ansicht von Wieland Staud zum Beispiel bei Qiagen in Sicht. Das Konsolidierungsziel liege bei etwa 20 Euro. Das Biotechnologieschwergewicht büßt elf Prozent beziehungsweise 3,10 auf 23,20 Euro ein.

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