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Börse : Der Präsidentenzyklus sollte Anleger vorsichtig stimmen

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Bild: F.A.Z.

In den Vorwahljahren unternehmen die amtierenden Präsidenten alles, um die Wirtschaft zu stimulieren - damit sie sich im Wahljahr mit einer florierenden Wirtschaft im Rücken die Wiederwahl sichern können.

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          Die amerikanische Präsidentenwahl im Herbst dieses Jahres wirft ihre Schatten auch an den Aktienmärkten voraus. Wer wissen will, wie die Wahlen die Aktienkurse beeinflussen könnten, sollte einen Blick in die Vergangenheit werfen, raten Vermögensverwalter: Sie sehen in den Börsenkursen ein Muster, das eine deutliche Abhängigkeit der Kurse von den Wahlzyklen zeigt.

          Daß Börsenkurse auch von der Politik abhängig sind, liegt auf der Hand, und ein Blick auf die langfristige Kursentwicklung des Dow-Jones-Index zeigt, daß der Index auch auf politische Wahlzyklen reagiert. "Präsidentenzyklus", nennt Georg Thilenius, Vermögensverwalter aus Stuttgart, das Phänomen: In den Vorwahljahren unternehmen die amtierenden Präsidenten alles, um die Wirtschaft zu stimulieren, damit sie im Wahljahr mit einer florierenden Wirtschaft im Rücken sich die Wiederwahl sichern können oder aber - falls sie bereits in der zweiten Amtsperiode sind - dem Nachfolgekandidaten aus ihrer Partei den Rücken zu stärken. "Im Vorwahljahr werden die Zinsen gesenkt und Steuergeschenke verteilt, damit im Wahljahr die Börse gut läuft", erklärt Thilenius.

          Börsengewinner Bill Clinton

          Die Börse spielt diesen Präsidentenzyklus weitgehend mit, jedenfalls seit Ende des Zweiten Weltkriegs. "Die Geschichte zeigt, daß die Börse die größten Kursgewinne im Vorwahljahr verbuchte, im Wahljahr selbst haben die Kurse dann nicht mehr so stark zugelegt", sagt Gerd Bennewirtz vom Vermögensverwalter SJB Fondsskyline. Die durchschnittliche Jahresrendite des Dow-Jones-Index habe in Vorwahljahren bei rund 16 Prozent gelegen, in den Wahljahren bei etwa 9 Prozent. Bemerkenswert sind die Parallelen zwischen der Amtszeit von Präsident Nixon und der des amtierenden Präsidenten Bush: Zum Ende von Nixons Amtszeit sanken die Zinsen deutlich, zudem hatte er einen Haushaltsüberschuß in ein horrendes Defizit verwandelt. Ähnliche Wahlgeschenke hat auch George Bush verteilt, allerdings liegt er, was die Börse angeht, weit hinten: "Die Börsenentwicklung war unter der Regierung Bush permanent unterdurchschnittlich, erst im Dezember vergangenen Jahres hat sich die Börse, gemessen an anderen Präsidenten, überdurchschnittlich entwickelt", sagt Bennewirtz.

          Die schlechtesten Vorwahljahre aus Börsenperspektive verbuchten die Präsidenten Nixon (1971), Ford (1975) und Carter (1979) - die beiden letztgenannten wurden auch prompt abgewählt. Am erfolgreichsten in den Vorwahljahren waren die Präsidenten Eisenhower (1995, hier erreichte der Dow erstmals wieder den Stand von 1929), Reagan (1987) und Clinton, der 1999 sozusagen auf einer spekulativen Blase seinen Wiedereinzug ins Weiße Haus schaffte. Ein weiterer Befund des Präsidentenzyklus: Für die Börse spielt es keine Rolle, ob ein Demokrat oder ein Republikaner die Wahl gewinnt. Der Börsengewinner schlechthin ist Bill Clinton, dessen erste Amtszeit dem Dow-Jones-Index die höchsten Zuwachsraten bescherte. Auf Platz zwei liegt Ronald Reagan mit seiner zweiten Amtszeit, gefolgt von der zweiten Amtszeit von Bill Clinton.

          "Die Börse ist nicht politikunempfindlich", sagt Bennewirtz und rät Anlegern, sich zumindest kurzfristig auf Nebenwerte zu konzentrieren, weil diese weniger stark auf politische Ereignisse reagierten. "Jetzt einsteigen, zum Wahltag hin wieder an den Ausstieg denken", rät Thilenius. Dabei solle der Anleger auf eine weitere Erholung zyklischer Aktien wie die von Rohstoffunternehmen oder Halbleiterherstellern setzen. Die könnten von der politisch motivierten Erholung der Konjunktur profitieren.

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