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Börse : Anleger verschmähen Schweizer Großbanken

Markenzeichen der Großbank UBS mit den drei Schlüsseln Bild: dpa

Geldinstitute wie die UBS oder Credit Suisse leiden unter den sinkenden Zinsen. Das drückt die Aktienkurse. Doch es gibt auch eine Ausnahme.

          3 Min.

          Im Oktober vergangenen Jahres erwarb Sergio Ermotti eine Million Aktien der UBS. Der Vorstandschef der größten Schweizer Bank wollte damit zeigen, wie gut und verheißungsvoll er die Lage und Perspektiven seines Hauses findet. Der Tessiner bezahlte seinerzeit etwas mehr als 13 Franken je Aktie. Er ließ sich dieses Signal also gut 13 Millionen Franken kosten, was annähernd seinem Gesamtsalär im Jahr 2018 entsprach. Ausgezahlt hat sich dieser Einsatz indes bisher nicht. Im Gegenteil: Ermottis Aktienpaket ist heute nur noch 10,3 Millionen Franken wert. Zu seinem Schrecken und dem aller übrigen Aktionäre ist der UBS-Aktienkurs Mitte August sogar kurzzeitig unter die Marke von 10 Franken gefallen. Das ist in der Geschichte des Finanzriesen aus Zürich auf Jahresbasis zuvor erst dreimal vorgekommen: In der Finanzkrise 2009 sowie in der schwierigen Findungsphase danach.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          „UBS-Kurssturz wird für Ermotti gefährlich“, titelte die Schweizer „Sonntagszeitung“ und erinnerte daran, dass Kurse unterhalb von 10 Franken in der Vergangenheit schon zu einem Wachwechsel an der Spitze der Bank geführt hätten. Nach den derzeitigen Überlegungen soll der 59 Jahre alte Ermotti erst in etwa zwei Jahren das Zepter abgeben. Das ist insofern schlüssig, als sich intern bisher kein Nachfolger aufdrängt. Umso stärker sind die Augen auf Iqbal Khan gerichtet. Der talentierte junge Manager, der bis Ende Juni in Diensten des großen Rivalen Credit Suisse stand, verhandelt über einen Eintritt in die UBS. Dabei dürfte es um eine Position in der Konzernführung gehen – mit Aussicht auf spätere Beförderung an die Spitze. Da Khan in der Vermögensverwaltung der Credit Suisse sehr gute Arbeit geleistet hat, könnte dessen Wechsel zur UBS ebendort zu einem Kursanstieg führen. Schließlich ist die Vermögensverwaltung die Paradedisziplin der UBS; hier ist sie führend in der Welt.

          Keine Wunder

          Allerdings dürften Anleger zumindest kurzfristig keine Wunder von Khan erwarten. Dessen Verpflichtung würde nichts an dem schlechten Umfeld ändern, mit dem derzeit alle Banken zu kämpfen haben. Die wider Erwarten nun wieder sinkenden Zinsen drücken die Einnahmen und damit auch die Börsenkurse nach unten.

          Von den bereits erfolgten und noch zu erwartenden Zinssenkungen sei die UBS besonders betroffen, weil sie stärker als andere europäische Banken in Amerika unterwegs sei, sagt Andreas Venditti, Bankenanalyst der Bank Vontobel in Zürich. Die UBS verwalte Vermögen von mehr als 1000 Milliarden Dollar in Übersee. Insgesamt leidet die Bank darunter, dass die Kunden wegen der unsicheren Aussichten an der Börse passiv bleiben und kaum Anlagen tätigen. Mithin schwächeln die transaktionsabhängigen Erträge.

          Hinzu kommt ein Sonderproblem: Das Bundesgericht in Lausanne hat jüngst entschieden, dass UBS Kunden- und Kontodaten aus der Zeit vor dem Fall des Bankgeheimnisses an die französischen Steuerbehörden zu liefern hat. Das wiederum könnte Auswirkungen auf das laufende Strafverfahren in Frankreich haben, in dem die Bank wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung in erster Instanz zu einer Rekordstrafe von 4,5 Milliarden Euro verurteilt worden ist. Das Ganze ist zwar unter der Rubrik „Vergangenheitsbewältigung“ zu verbuchen, sorgt aber wegen des ungewissen Ausgangs gleichwohl für Verunsicherung unter den Anlegern.

          Seit Beginn dieses Jahres hat die UBS-Aktie gut 15 Prozent an Wert verloren, während der Leitindex Swiss Market Index (SMI) knapp 16 Prozent zugelegt hat. Für eine Aktie wird an der Börse derzeit nur 74 Prozent ihres Buchwerts bezahlt. Im Vergleich zu anderen europäischen Universalbanken wie Deutscher Bank, Unicredit oder BNP Paribas steht die UBS damit allerdings noch nicht einmal so schlecht da. Weil die Bank eine Eigenkapitalrendite erwirtschafte, die in etwa auf der Höhe der Kapitalkosten liege, sei eine derartige Unterbewertung eigentlich nicht gerechtfertigt, sagt Analyst Venditti. Sein Kursziel auf Sicht von zwölf Monaten lautet: 15,50 Franken.

          Der Aktienkurs der Credit Suisse (CS) ist seit Jahresbeginn um vier Prozent auf 11,20 Franken gestiegen. Darin spiegeln sich die Erfolge der dreijährigen Rosskur, mit der die Kosten um mehr als vier Milliarden Franken gesenkt wurden. Auch der Wegfall hoher Restrukturierungs- und Finanzierungskosten sorgt in diesem Jahr für deutlich bessere Ergebnisse. Trotzdem ist die Aktie der CS noch weiter entfernt von ihrem Buchwert als jene der UBS. Dies dürfte vor allem daran liegen, dass die Credit Suisse trotz aller Fortschritte immer noch eine schlechtere Eigenkapitalrendite erwirtschaftet als der große Konkurrent UBS. Venditti traut der CS-Aktie denn auch weniger Aufholpotential zu. Sein Kursziel lautet hier: 12,50 Franken.

          Ausnahme Julius Bär

          Recht gut geschlagen hat sich Julius Bär. Der Aktienkurs dieses Vermögensverwalters aus Zürich ist seit Jahresanfang um neun Prozent auf 38,20 Franken gestiegen. Dabei kam allerdings ein Sondereffekt zum Tragen: Im April ist Julius Bär wegen der Neuaufnahme von Alcon in den SMI aus dem Leitindex gerutscht. Im SMI hatte Bär freilich nur wenig Gewicht, weshalb der Ausstieg indexorientierter Investoren keine großen Spuren im Kurs hinterließ. In dem Mittelwerte-Index, in dem Bär dann Aufnahme fand, war und ist die Bank hingegen eine vergleichsweise große Nummer. Entsprechend groß war plötzlich die Nachfrage nach Bär-Aktien unter jenen Anlegern, die in ihren Portfolien diesen Index nachbilden.

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