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Blockchain-Technik : So holen Anleger sich sogar Kunstwerke ins Depot

Künftig vielleicht auch in Besitz vieler Kleinanleger: Der Schrei in Oslo Bild: Picture-Alliance

Das Anlageuniversum wird dank der Tokenisierung genannten digitalen Geldanlage größer. Die Deutsche Börse und die Commerzbank beteiligen sich daher nun am Start-up 360X.

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          Die meisten Wertpapierdepots beinhalten nur ein paar Aktien, Anleihen und Fonds. Geht es nach Carlo Kölzer, könnten sich darin demnächst auch Anteile berühmter Kunstwerke, prominenter Gebäude oder von Sport-Stars befinden. Dazu hat er mit ein paar Mitstreitern 360X gegründet, eine Gesellschaft, die alternative Vermögenswerte handelbar machen will. Zunächst wird es um den Markt für Kunst und Immobilien gehen. Einzelne Objekte sind für viele Investoren zu teuer. Werden sie aber als Vermögenswert teilbar gemacht, so erschließt sich ein deutlich größerer Investorenkreis und die einzelnen Anteile können gehandelt werden – ein liquider Markt entsteht.

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Noch ist es nicht so weit, und die Tokenisierung, wie die Teilbarmachung in der Fachwelt heißt, ist noch in der Entwicklungsphase. Reges Interesse weckt die Technik aber auch bei großen Unternehmen. Am Donnerstag gab die Deutsche Börse bekannt, für zehn Millionen Euro knapp die Hälfte von 360X zu übernehmen, die Commerzbank beteiligt sich mit einem niedrigen zweistelligen Prozentanteil.

          Die Hoffnung ist groß, dass hier neben Aktien, Anleihen, Rohstoffen und Devisen ein weiterer großer Anlagemarkt entsteht. „Wir verbinden das beste aus zwei Welten“, sagt Kölzer. „Eine extrem innovative digitale Abbildung von Vermögenswerten auf einer verlässlichen, regulierten Basis.“

          Großer Erfolg schon mit 360T

          In den nächsten Wochen soll eine Handvoll institutioneller Anleger schon Token miteinander austauschen können. Im Jahresverlauf soll der Markt sich dann für institutionelle Investoren öffnen, frühestens nächstes Jahr auch für Privatanleger. „Wir bauen hier Ökosysteme auf, finden jemanden, der seine Vermögenswerte zur Verfügung stellt, und nähern uns dann nach Belastungstests der Öffnung für die Breite“, beschreibt Kölzer die nächsten Schritte. Neben Immobilien und Kunst kann er sich auch den Sport als Bereich für digitales Investieren in Token vorstellen.

          Dass Kölzer innovativen Geschäftsmodellen zum Erfolg verhelfen kann, hat er mit 360T bewiesen. Die Devisenplattform hat er im Jahr 2000 in Frankfurt gegründet und 2015 dann für 725 Millionen Euro an die Deutsche Börse verkauft.

          Seither ist sie mit ihren 280 Mitarbeitern Teil des Deutsche-Börse-Konzerns und Kölzer für das Devisengeschäft der Börse zuständig. „Man kann sich gegen seine Ideen ja nicht wehren“, beschreibt er die Tatsache, dass er nebenher „in Teilzeit“ nun 360X aufbaut und auf Blockchain-Basis ganz neue Vermögensklassen der breiten Anlegerschaft zugänglich machen will.

          Börsenchef Theodor Weimer hat er jedenfalls überzeugt: „Wir werden in Zukunft eine breite Tokenisierung und Digitalisierung von heute nicht handelbaren Assets sehen, und 360X ist die neue innovative Plattform von Marktplätzen, die wir mit Partnern aufbauen wollen.“

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