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Blick auf die Märkte : Dax tendiert sehr schwach

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Bild: FAZ.NET-Jan Bazing

Der deutsche Aktienmarkt ist deutlich schwächer in den Handel am Donnerstag gestartet. Der Dax fällt um 164 Punkte oder 3,2 Prozent auf 5.003 Punkte. Händler verweisen auf die sehr schwachen Vorgaben aus den Vereinigten Staaten und Asien.

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          Der deutsche Aktienmarkt ist deutlich schwächer in den Handel am Donnerstag gestartet. Der Dax fällt um 171 Punkte oder 3,3 Prozent auf 4996 Punkte, der MDax um 3,4 Prozent auf 5703 Zähler. Der TecDax gibt 6 Prozent auf 538 Stellen nach. Händler verweisen auf die sehr schwachen Vorgaben aus den Vereinigten Staaten und Asien.

          Die Titel von Adidas verbilligen sich um 4 Prozent auf 28,31 Euro. Europas größter Sportartikelhersteller bestätigte zwar seine Erwartungen für 2008, die Prognosen für das kommende Jahr nahm der Konzern allerdings mit Verweis auf die wirtschaftliche Lage zurück. Die Quartalszahlen fielen indes Händlern zufolge etwas besser als erwartet aus.

          Aktien der Deutschen Telekom geben 2,9 Prozent auf 11,21 Euro ab. Die Quartalszahlen sind Händlern zufolge etwas besser als erwartet ausgefallen. Commerzbank-Analystin Heike Pauls sprach auch von einem „soliden Quartal“, beließ aber ihre Anlageempfehlung auf „Hold“.

          Auch Papiere von Henkel fallen um 3,3 Prozent auf 22,48 Euro. Die Quartalszahlen des Konsumgüterkonzerns sind bei Händlern auf ein unterschiedliches Echo gestoßen. Während der Umsatz mehr oder weniger wie erwartet ausgefallen sei, hätten die Gewinnkennziffern enttäuscht. Der Ausblick sei jedoch solide ausgefallen, betonte ein Börsianer. So bekräftige der Hersteller von Schwarzkopf und Persil das Ziel, organisch zwischen drei und fünf Prozent zu wachsen.

          Deutsche Anleihen tendieren etwas schwächer

          Leichter tendieren die Kurse deutscher Staatsanleihen am Donnerstag. Der richtungweisende Euro-Bund-Future sinkt um 12 Basispunkte auf 116,93 Prozent, der Bobl-Future um 12 Basispunkte auf 112,73 Prozent.

          Nach den amerikanischen Wahlen und der Veröffentlichung von sehr schwachen amerikanischen Konjunkturdaten sei bereits am Mittwoch der Realismus an die Märkte zurückgekehrt, schreibt die HSH Nordbank in einer Tagesvorschau.

          Am Donnerstag seien alle Augen auf die Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank of England gerichtet. Die HSH Nordbank geht davon aus, dass die Europäische Zentralbank das Leitzinsniveau um 0,50 Prozentpunkte senkt; die Bank of England könnte die Geldpolitik sogar noch stärker lockern.

          Eurokurs fällt vor erwarteter EZB-Zinssenkung

          Der Kurs des Euro ist am Donnerstag vor der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) gefallen. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde mit 1,2857 amerikanischen Dollar gehandelt. Ein Dollar war 0,7773 Euro wert. Am Mittwoch war der Euro noch nach schwachen amerikanischen Konjunkturdaten bis auf 1,3115 Dollar gestiegen. Die EZB hatte den Referenzkurs am Mittwoch auf 1,2870 (Dienstag: 1,2820) Dollar festgesetzt.

          Händler sprechen von Gewinnmitnahmen nach dem deutlichen Anstieg am Mittwoch. Die EZB wird nach Einschätzung der Volkswirte der Landesbank Hessen-Thüringen ihren Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 3,25 Prozent reduzieren. Dafür sprächen nicht nur die Anzeichen für eine Rezession in der Eurozone und die verbesserten Inflationsdaten, sondern vor allem auch die jüngsten Aussagen von EZB-Vertretern.

          Rezessionsängste drücken Fernost-Börsen tief ins Minus

          Sorgen über das Ausmaß der weltweiten Konjunkturabkühlung sind an den asiatischen Aktienmärkten am Donnerstag wieder in den Vordergrund gerückt und haben für kräftige Kursverluste gesorgt. Vor allem Exportwerte wurden verkauft, nachdem sie am Mittwoch noch von der Euphorie über den deutlichen Sieg von Barack Obama bei der amerikanischen Präsidentenwahl profitiert hatten.

          In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 7,36 Prozent im Minus bei 8820 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index fiel 6,54 Prozent auf 903 Zähler. Auch die Aktienmärkte in Südkorea, Hongkong, Singapur, Australien, Shanghai und Taiwan verzeichneten deutliche Verluste.

          „Die Anleger sind mit Nachdruck von der Euphorie durch die amerikanischen Präsidentenwahl zurück auf den Boden der Realität gebracht worden“, sagte ein Analyst. „Sie spüren wieder die weltweite wirtschaftliche Abschwächung.“ Diese Tendenz hatte sich am Mittwoch bereits an der Wall Street gezeigt.

          In Tokio standen wegen des starken Yen vor allem Exportwerte auf den Verkaufslisten der Händler. So gaben die Papiere des Autoherstellers Honda um knapp zehn Prozent und die des Rivalen Toyota um mehr als zehn Prozent nach. Am Markt wurde nach der
          Veröffentlichung eines Zeitungsberichts bereits mit einer Senkung der Jahresprognose gerechnet, die Toyota nach Börsenschluss dann auch bekannt gab.

          Aktienkurse in Hongkong verzeichnen im Sog der Wall Street hohe Verluste

          Negative Vorgaben aus den Vereinigten Staaten belasten die Aktienkurse am Donnerstagmittag (Ortszeit) in Hongkong. Zum Ende der ersten Sitzungshälfte verliert der Hang-Seng-Index (HSI) 6,4 Prozent auf 13.889 Punkte. An Wall Street sei die erste Euphorie nach den Präsidentschaftswahlen verflogen, sagen Händler. Die Anleger seien sich wieder Realität bewusst geworden, der schwierigen Wirtschaftslage mit ihren negativen Folgen für die Ertragslage der Unternehmen.

          Die Verliererliste der Blue Chips wird von Cathay Pacific angeführt, deren Kurs um 13,3 Prozent auf 8,18 Hongkong-Dollar fällt. Die Fluggesellschaft hat infolge von Absicherungsgeschäften 2,8 Milliarden Hongkong-Dollar verloren. Der Aktienkurs der Cathay-Muttergesellschaft Swire Pacific sinkt um 9,1 Prozent auf 52,25 Hongkong-Dollar.

          Wall Street ersetzt Wahl-Optimismus durch Rezessionsängste

          Der am Vortag noch gesehene Wahl-Optimismus an der Wall Street ist am Mittwoch nach der Entscheidung für den Demokraten Barack Obama schnell verflogen. Die Politik werde bereits abgehakt und man wende sich wieder der bevorstehenden Rezession in den Vereinigten Staaten zu, die sich auch in den jüngsten Konjunkturdaten widerspiegelte, hieß es im Handel.

          Der Dow Jones Index für 30 Industriewerte verlor 5 Prozent oder 486 Punkte auf 9.139. Der S&P-500 gab um 5,3 Prozent oder 53 Punkte auf 953 nach, während der Nasdaq Composite um 5,5 Prozent oder 98 Stellen auf 1.682 sank.

          Andere Händler sprachen nach den kräftigen Aufschlägen vom Dienstag auch von Gewinnmitnahmen. Die Entwicklung vom Vortag habe schon einiges vorweggenommen, sagte ein Händler. Zudem haben politische Börsen bekanntlich kurze Beine. „Übergeordnet werden der Schuldenabbau der Investoren, Banken und Haushalte und die Aussicht auf eine amerikanischen Rezession mit fallenden Unternehmensgewinnen gefolgt von einem sehr schwachen Wirtschaftswachstum über einen langen Zeitraum hinweg die bestimmenden Themen der Finanzmärkte sein“, kommentiert etwa Nordea.

          Händler verwiesen zudem auf das Phänomen später Kursabstürze, was zu der Art und Weise passe, wie Fonds Aktien verkauften. Diese platzierten ihre Verkaufsorders zumeist „gegen Handelsschluss“, weil der Wert der Fonds zu den Schlusskursen kalkuliert werde. Die Fonds stehen unter anderem wegen der Rückkäufe ihrer Kunden unter Druck, Anteile aus ihrem Portfolio zu verkaufen.

          Belastet wurden die Kurse auch von den Daten zum Arbeitsmarkt. Laut dem ADP-Arbeitsmarktbericht ist die Beschäftigung im Privatsektor im Oktober um 157.000 Stellen gesunken. Ökonomen hatten lediglich einen Rückgang um 100.000 erwartet. Auch der ISM-Index für das nicht-verarbeitende Gewerbe im Oktober blieb unter den Prognosen.

          Unter Druck standen am Berichtstag vor allem Finanztitel: Die Aktien des Anleiheversicherers Ambac Financial stützen um 40,9 Prozent auf 2,01 Dollar ab. Der Verlust hat sich im dritten Quartal aufgrund der schwachen Entwicklung im Derivatemarkt deutlich ausgeweitet. Auch andere Finanzinstitute, die in Zukunft stärker reguliert werden dürften, gaben nach. J.P. Morgan brachen um 7 Prozent auf 39,22 Dollar ein, Citigroup um 14 Prozent auf 12,63 Dollar und Bank of America um 11,3 Prozent auf 21,75 Dollar.

          General Motors zeigten sich zunächst nicht belastet von den schlechten Zahlen der Finanztochter GMAC, drehten später aber doch auch ins Minus. Allerdings fiel ihr Minus mit 2,8 Prozent auf 5,56 Dollar im Dow noch vergleichsweise milde aus. Die Tochter hat im dritten Quartal aufgrund von Verlusten im Immobilienbereich ResCap einen Verlust von 2,5 Milliarden Dollar nach 1,6 Milliarden Dollar im Vorjahr ausgewiesen.

          Als „Wahlverlierer“ büßten Pharmatitel für ihr Republikaner-freundliches Image. Im Dow verbilligten sich Merck & Co sowie Pfizer um jeweils 7,7 Prozent.

          Amerikanische Anleihen freundlich

          Nach schlechter als erwartet ausgefallenen amerikanischen Konjunkturdaten und abstürzenden Aktienmärkten zeigen sich die amerikanischen Treasurys am Mittwoch im späten Geschäft in New York in freundlicher Verfassung. Auch erneute, vom Hypothekenmarkt kommende Käufe hätten wie schon am Vortag die amerikanischen Anleihen gestützt, hieß es. Gleichwohl begrenzten die aufkommenden Auktionen neuer Staatsanleihen im Wert von insgesamt 55 Milliarden Dollar die Kursaufschläge.

          Zehnjährige Staatsanleihen mit einem Kupon von 4,00 Prozent stiegen um 14/32 auf 102-21/32 und rentierten mit 3,67 Prozent. Der mit 4,50 Prozent verzinste Longbond gewann einen ganzen Punkt auf 106-6/32, seine Rendite fiel damit auf 4,14 Prozent.

          Begrenzt werden die Gewinne von den vom Finanzministerium angekündigten Rekordauktionen neuer Staatspapiere. In der nächsten Woche sollen Zehnjährige im Wert von 20 Milliarden Dollar, Schatzanweisungen im Wert von 10 Milliarden Dollar und Dreijährige im Volumen von 25 Milliarden Dollar an
          dem Markt gebracht werden.

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