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Blick auf den Finanzmarkt : Deutsche Aktien tendieren schwach

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Verunsicherte Anleger stehen am Freitag am Aktienmarkt überwiegend auf der Verkäuferseite. „Die Anleger haben Angst, dass die amerikanischen Arbeitsmarktdaten enttäuschen und die Rezessionsängste noch einmal verschärfen könnten,“ sagen Händler.

          Aufgrund schwacher Vorgaben sind die wichtigsten deutschen Aktienindizes am Freitag mit deutlichen Verlusten gestartet. Börsianern zufolge warten die Anleger auf den amerikanischen Arbeitsmarktbericht am Nachmittag und halten sich vorher zurück. Der Dax rutscht um 1,9 Prozent ab auf 5623 Punkte ab, der marktbreite FAZ-Index verliert 2 Prozent auf 1281 Zähler. Der MDax sackt um 1,8 Prozent auf 9006 Punkte ab und auch der TecDax verliert 1,3 Prozent auf 744 Punkte.

          „Warten auf den amerikanischen Arbeitsmarktbericht am Nachmittag“, heißt das Motto am Markt. Vor dem wichtigsten Ereignis der Woche drücken die Vorgaben aber zunächst spürbar auf die Stimmung: So hatte die Wall Street trotz überraschend positiver ISM-Daten schwach geschlossen, und die asiatischen Börsen quittierten dies mit Verlusten. Der Future auf den amerikanischen Leitindex Dow Jones Industrial verlor 1,5 Prozent seit dem Xetra-Handelsschluss.

          Im Verlauf des Tages werde wohl der Unterstützungsbereich um 5.600 Punkte im Dax getestet. „Zudem dürften globale Gewinnmitnahmen vor dem langen amerikanischen Wochenende belasten“, so ein Händler. In den Vereinigten Staaten sind die Börsen am Montag wegen des „Labor Day“ geschlossen.

          Zudem belasten die Warnungen des Internationalen Währungsfonds vor dem Kapitalbedarf europäischer Banken die Stimmung. Dazu passend hat die Hypo Alpe Adria einen neuerlichen Kapitalbedarf von 1,5 Milliarden Euro angemeldet. Auch gerät die Schuldensituation Griechenlands wohl immer mehr außer Kontrolle. Das Land wird auch seine gesenkten Sparziele nicht einhalten können, das Defizit werde 8,8 Prozent und nicht 7,5 Prozent betragen. Nun setzt die Troika aus EU, IWF und EZB ihre Inspektion des Landes für zehn Tage aus. „Das ist Wasser auf die Mühlen aller, die mit einem Ende der Euro-Zone rechnen“, so ein Händler.

          Störfeuer könnte auch aus Brasilien kommen, wo am Freitag das Bruttoinlandsprodukt zum zweiten Quartal veröffentlicht wird. Nach der überraschenden Zinssenkung sind schwächere Daten zu erwarten. „Damit könnte auch die Wachstumsstory der Schwellenländer als Konjunkturtreiber zu Ende gehen“, so der Händler.

          Auf der Verliererseite ganz oben stehen mit der Schuldenkrise die Banken. So geben Deutsche Bank 2,9 Prozent ab auf 26,87 Euro und Commerzbank 2 Prozent auf 1,991 Euro. Aber auch ausgewählte konjunkturabhängige Aktien stehen unter Druck: Trotz guter amerikanischer Absatzzahlen verlieren VW 2,5 Prozent auf 112,25 Euro, BMW 2,6 Prozent auf 55,42 Euro und Daimler 2,4 Prozent auf 36,04 Euro.

          Vergleichsweise gut halten sich SAP mit einem Abschlag von 0,6 Prozent auf 37,61 Euro. SAP soll nun 272 Millionen Dollar anstelle der zuvor verhängten 1,3 Milliarden Dollar an Oracle zahlen. Gegen den Trend im Plus liege Metro, die um 0,9 Prozent steigen auf 31,08 Euro. Die Analysten von Bernstein haben die Aktien auf „Outperform“ von „Marketperform“ hochgestuft.

          Rentenmarkt tendiert fester

          Der deutsche Rentenmarkt tendiert am Freitag deutlich fester. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, gewinnt 44 Basispunkte auf 135,74 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 28 Basispunkte auf 122,48 Prozent.

          Händler meinen, aufgrund der zunehmenden Risiko-Aversion der Anleger könnte der Bund-Future das Jahreshoch bei 136,26 Prozent schon bald testen. Als unterstützt gilt der Bund-Future bei 133,88 Prozent, dem Tief aus der vergangenen Woche. Der Markt wartet nun auf den amerikanischen Arbeitsmarktbericht am Nachmittag. Erwartet wird eine Zunahme der Beschäftigung außerhalb der Landwirtschaft um 80.000 Stellen.

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