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Blick auf den Finanzmarkt : Deutsche Aktien tendieren fester

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Die Herabstufung Italiens hat am Dienstag am deutschen Aktienmarkt für neue Nervosität gesorgt. Jetzt hoffen Börsianer auf eine Lösung für Griechenland in der anberaumten zweiten Telefonkonferenz.

          Trotz der Abstufung der Kreditwürdigkeit Italiens durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) ist der deutsche Aktienmarkt am Dienstag nach einem schwächeren Handelsstart zuletzt ins Plus gedreht. Börsianer sprechen von der Hoffnung, dass bei einer neuerlichen Telefonkonferenz zwischen dem griechischen Finanzminister Evangelos Venizelos mit den Experten von EU, EZB und IWF am Abend doch Fortschritte bei der Lösung der Schuldenkrise erzielt werden können.

          Der Dax legt um 1,5 Prozent auf 5497 Punkte zu, der marktbreite FAZ-Index gewinnt 1,2 Prozent auf 1249 Zähler. Am Vorabend war eine erste Telefonkonferenz der sogenannten „Troika“ mit dem griechischen Finanzminister noch unerwartet schnell zu Ende gegangen. Die griechische Seite hatte von „substanziellen und produktiven Gesprächen“ gesprochen, von Seiten der Troika hatte es indes keinerlei Mitteilung gegeben.

          Unter den Einzelwerten stehen einmal mehr die Finanzwerte im Fokus. Für die Aktien der Deutschen Bank geht es angesichts der neuen Hoffnung in der Schuldenkrise um 1,4 Prozent auf 24,285 Prozent nach oben. Die Papiere der Commerzbank verteuern sich um 1,7 Prozent.

          Gut schlagen sich auch die am Vortag noch unter Druck geratenen Versorgerwerte. RWE legen 3,6 Prozent auf 25,895 Euro zu, Eon machen 3,3 Prozent gut. Börsianer führen dies unter anderem auf einen Medienbericht zurück, wonach das Hamburger Finanzgericht die zu Jahresbeginn eingeführte Brennelementesteuer ausgesetzt hat. Bereits am Vortag war bekannt geworden, dass das Gericht erhebliche Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit der Steuer hat.

          Die Aktien von MAN gewinnen 1,2 Prozent auf 57,56 Euro. Das „Handelsblatt“ hatte mit Blick auf Ferrostaal berichtet, dass der arabische Großaktionär IPIC die nötige Kapitalerhöhung verweigert. „IPIC lässt Ferrostaal fallen“, zitiert das Blatt aus Unternehmenskreisen. Ein Marktteilnehmer erinnerte jedoch daran, dass es am Vortag schon einen „Handelsblatt“-Artikel zu Ferrostaal gegeben habe. Darin hatte es geheißen, dass die Ex-MAN-Tochter im Zusammenhang mit der Korruptionsaffäre möglicherweise mit einem deutlich geringeren Bußgeld rechnen könne.

          Gildemeister rutschen nach einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ um 4,4 Prozent auf 11,125 Euro ab. Laut Aussagen von Konzernchef Rüdiger Kapitza in dem Blatt könnten die Auftragsrückgänge 2012 bei 20 bis 30 Prozent liegen. Dieses Minus sei allerdings zum Teil auf den statistischen Basiseffekt wegen des bereits erreichten hohen Auftragsniveaus zurückzuführen.

          Deutsche Anleihen tendieren fester

          Der deutsche Rentenmarkt tendiert am Dienstag fester. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, gewinnt 51 Basispunkte auf 137,94 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 19 Basispunkte auf 122,70 Prozent.

          „Anhaltende Konjunktursorgen und hohe Unsicherheiten in Bezug auf die Schuldenkrise, die durch die Ratingherabstufung Italiens verstärkt werden, liefern deutschen Staatsanleihen Unterstützung“, schreibt die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) in einer Tagesvorschau.

          Händler sprechen von einer Flucht aus italienischen Staatsanleihen. Die Rendite für zehnjährige italienische Anleihen kletterte um 0,11 Prozentpunkte auf 5,667 Prozent.

          Euro fällt deutlich

          Der Kurs des Euro ist am Dienstag nach der Abstufung der Kreditwürdigkeit Italiens deutlich abgerutscht. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde zuletzt mit 1,3619 Dollar gehandelt. Vor der Bekanntgabe der Herabstufung hatte der Euro noch 1,3680 Dollar gekostet. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag noch auf 1,3641 (Freitag: 1,3760) Dollar festgesetzt.

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