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Blick auf den Finanzmarkt : Deutsche Aktien nach Konjunkturdaten fester

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Nach der Veröffentlichung der Einkaufsmanager-Indizes für Deutschland, Frankreich und die Eurozone tendiert der deutsche Aktienmarkt fester. Die Indizes seien durch die Bank besser als erwartet ausgefallen, heißt es. Gefragt sind vor allem die Aktien von Merck.

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          Der Dax hat am Donnerstagmorgen nach der Vermeldung von Konjunkturdaten aus Europa einen kräftigen Sprung nach oben gemacht und steigt um 0,7 Prozent auf 6273 Punkte. Der MDax gewinnt 0,3 Prozent auf 8502 Punkte und für den TecDax geht es um 0,75 Prozent nach oben auf 856 Punkte.

          „Die Einkaufsmanager-Indizes sind durch die Bank besser als erwartet ausgefallen und untermauern die Nachhaltigkeit der Wirtschaftserholung“, sagt Händler Stefan Söllner von der Postbank. Sowohl in Deutschland, in Frankreich als auch für die gesamte Eurozone wurden die April-Daten veröffentlicht.

          Gegen Mittag dürften sich die Blicke auf die Quartalszahlen von Nokia richten. Am Nachmittag könnten zudem Daten zum amerikanischen Häusermarkt den Markt bewegen, bevor nach Handelsschluss noch Zahlen von Schwergewichten wie Microsoft und American Express anstehen.

          Aktien der Deutschen Bank erholen sich von Kursverlusten nach der Quartalszahlenvorlage der Credit Suisse und notieren praktisch unverändert. Die Schweizer Konkurrentin hatte zwar einen höheren Neugeldzufluss als erwartet verzeichnet, der Nettogewinn lag aber leicht unter der Markterwartung.

          Der Energiekonzern Eon stoppte den Verkaufsprozess für sein italienisches Gasnetz und will es nun selbst weiter betreiben. Grund ist, dass die Gebote unter den Erwartungen geblieben waren. Die Aktie reagiert mit einem Plus von 0,9 Prozent auf 28,47 Euro. Favorit im Dax ist das Pharma- und Spezialchemieunternehmens Merck mit einem Plus von 2,7 Prozent. Eine Hochstufung auf „Buy“ durch die Deutsche Bank ist der Grund. Das Schlimmste der Krise dürfte hinter dem Pharma- und Chemiekonzern liegen, schreibt Analyst Holger Blum.

          Rentenmärkte tendieren kaum verändert

          Etwas leichter tendiert der deutsche Rentenmarkt am Dienstag . Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, gibt 6 Basispunkte auf 123,69 Prozent nach, der kürzer laufende Bobl-Future verliert 11 Basispunkte auf 117,38 Prozent. Hauptthema an den Anleihemärkten sind nach wie vor die Verhandlungen zwischen Griechenland, IWF sowie der EU.

          „Das erneute Ausweiten des Rendite-Spreads zwischen griechischen Staatsanleihen und Bunds zeigt, dass die Skepsis und Unsicherheit der Marktteilnehmer neue Nahrung erhalten haben“, sagt Viola Stork von der Landesbank Hessen-Thüringen. Die Verhandlungen
          über Einzelheiten zu den potentiellen Hilfskrediten für Griechenland würden mindestens zehn Tage dauern, in dieser Zeit sei mit erhöhter Volatilität an den Rentenmärkten zu rechnen, je nach Gesprächsfortschritt und Bekanntwerden von Details.

          Auf der Agenda der makroökonomischen Kennziffern stehen unter anderem die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor für den Euroraum im April. Aus den Vereinigten Staaten werden die Erzeugerpreise und Verkäufe bestehender Häuser für März sowie die wöchentliche Entwicklung der Erstanträge auf Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung erwartet. Charttechnisch sind die Bund-Futures im Bereich von 123,39 Prozent unterstützt, auf Widerstand treffen sie auf dem Niveau von 124,09 Prozent.

          Eurokurs stabilisiert sich nach Vortagesverlusten

          Der Eurokurs hat sich am Donnerstag nach seinen deutlichen Vortagsverlusten bei der Marke von 1,34 Dollar stabilisiert. Dem Euro macht laut Händlern weiterhin die Griechenlandkrise zu schaffen. Die Marktteilnehmer wollten offenbar sehen, dass Griechenland möglichst schnell das Unterstützungspaket von Internationalem Währungsfonds und Europäischer Union beantragt. In Athen werden die Gespräche über die Details des Hilfspakets fortgesetzt.

          Schwache Vorgaben aus den Vereinigten Staaten lasten auf Asiens Börsen

          Enttäuschende Gewinnprognosen von amerikanischen Firmen haben am Donnerstag auf den Aktienmärkten in Fernost gelastet. Die Zahlen weckten Zweifel an der Stärke der wirtschaftlichen Erholung. Zudem werden die Anleger wegen offener Fragen in der griechischen Schuldenkrise zunehmend ungeduldiger, was den Euro unter Druck setzte. Der Markt nehme sich eine Atempause, sagte der SK-Securities-Analyst Won Jong-Hyuck in Seoul. „Die Investoren sind zudem vor den anstehenden Ergebnissen von größeren Firmen vorsichtiger geworden.“ In Tokio bremsten unter anderem schwache Future-Märkte die Indizes. Trotz der hohen Gewinne vom Vortag waren viele Börsianer noch nicht überzeugt davon, dass der Abwärtstrend gestoppt ist.

          Der Nikkei-Index der 225 führenden Werte verlor 1,3 Prozent auf 10.949 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index gab 0,9 Prozent ab auf 978 Zähler. Auch die größten anderen asiatischen Börsen notierten durchweg schwächer. Lediglich Singapur rückte minimal vor.

          Vor allem Chip- und andere Technologiewerte, die am Vortag im Gefolge der besser als erwartet ausgefallenen Apple-Zahlen deutliche Gewinne verzeichneten, notierten in Tokio im Minus. Grund waren trübe Ausblicke des amerikanischen Rivalen Qualcomm, des Internet-Auktionshauses Ebay und mehrerer amerikanischen Gesundheitsunternehmen. Alle zusammen machten die Apple-Euphorie zunichte. So verbilligten sich etwa Advantest-Aktien um 0,4 Prozent.

          Toyota-Anteilsscheine büßten 1,4 Prozent ein. Moody's hatte das Rating des Unternehmens wegen Zweifeln an der künftigen Profitabilität heruntergestuft.
          Dagegen kletterten die Papiere von Ricoh 3,4 Prozent in die Höhe. Der Druckerhersteller teilte zuvor mit, dass sein Betriebsgewinn im abgelaufenen Geschäftsjahr wesentlich höher ausfallen wird als erwartet. Das Unternehmen führte dies auf Kostensenkungen und eine anziehende Nachfrage zurück.

          Neuigkeiten und Kursbewegungen nach Börsenschluss an der Wall Street

          Die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel tendierten am Mittwoch leichter. Der Nasdaq After Hours Indicator fiel um 0,65 Prozent auf 2021,27 Zähler.

          Deutlich unter Druck standen die Aktien von Ebay, nachdem das Unternehmen nach Sitzungsende seinen Bericht zum ersten Quartal vorgelegt hatte. Zwar lag das Ergebnis etwas über den Analystenerwartungen, doch enttäuschte der Ausblick auf das zweite Quartal. Ebay rechnet mit einem Quartalsumsatz von 2,15 Milliarden bis 2,20 Milliarden Dollar und einem Ergebnis je Aktie auf Nicht-GAAP-Basis von 0,37 bis 0,39 Dollar. Die Analysten hatten bisher mit einem Umsatz von 2,20 Milliarden Dollar und einem Ergebnis je Aktie von 0,40 Dollar gerechnet. Der Aktienkurs von Ebay fiel bei hohen Umsätzen um 8,5 Prozent auf 24,06 Dollar.

          Ebenfalls unter Druck standen Qualcomm, die um 8,3 Prozent auf 39,11 Dollar zurückfielen. Das Unternehmen rechnet für das dritte Quartal nun mit einem Umsatz von 2,50 bis 2,70 Milliarden Dollar und einem Ergebnis je Aktie von 0,51 bis 0,55 Dollar. Die Schätzungen der Analysten lauten auf einen Umsatz von 2,66 Milliarden Dollar und einen Gewinn je Aktie von 0,55 Dollar. Das Ergebnis des zweiten Quartals lag bereinigt mit 0,59 Dollar leicht über der Erwartung der Analysten von 0,57 Dollar.

          Amerikanische Aktien schließen uneinheitlich

          Amerikanische Standardwerte haben am Mittwoch kaum noch von der anhaltend guten Berichtssaison profitieren können, während die Aussichten für den Pharmasektor und neue Sorgen um eine Staatspleite Griechenlands auf die Stimmung drückten. Nach einem guten Start rutschte der Dow Jones zwischenzeitlich in die Verlustzone, konnte sich am Ende aber mit einem leichten Plus verabschieden. Der S&P-500-Index scheiterte im Handelsverlauf an seiner Jahresbestmarke, verblieb aber über der Marke von 1200 Punkten. Apple konnte mit starken Zahlen nur an der Nasdaq für deutlichere Gewinne sorgen. Experten argumentierten, dass Investoren die guten Ergebnisse allmählich eingepreist haben, so dass gute Zahlen allein keine neuen Impulse mehr setzen könnten.

          Der Dow Jones Industrial Average (DJIA) notierte 0,07 Prozent höher bei 11.125 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index verlor 0,1 Prozent auf 1206 Punkte. An der Nasdaq stieg der Composite-Index um 0,2 Prozent auf 2505 Punkte.

          Apple-Aktien profitierten deutlich von den am Vorabend nach Börsenschluss vorgelegten Quartalszahlen und legten um 6 Prozent auf 259,22 Dollar zu. Morgan Stanley notierten 4 Prozent höher bei 31,68 Dollar. Das Bankhaus hatte mit einem überraschend deutlichen Gewinnanstieg im ersten Quartal deutlich über den Schätzungen gelegen und sich so in die bisher erfreulichen Zahlen aus dem Bankensektor eingereiht. Weniger überzeugend fielen dagegen die Ergebnisse von Wells Fargo aus, dessen Aktien um 2 Prozent auf 33,01 Dollar nachgaben.

          Die Aktien von Boeing mauserten sich mit einem Aufschlag von 3,9 Prozent auf 74,16 Dollar zum mit Abstand größten Gewinner im Leitindex Dow Jones. Die Zahlen des Flugzeugbauers hatten zwar gezeigt, dass dieser mit einem Umsatz- und Gewinnrückgang immer noch unter der Krise leidet. Der Gewinn je Aktie hatte allerdings die Markterwartungen übertroffen.

          Trotz Umsatzeinbußen blickt der Mischkonzern United Technologies optimistischer auf das Gesamtjahr und rechnet schon in der zweiten Jahreshälfte 2010 mit einer Rückkehr des organischen Wachstums. Die Aktien konnten davon profitieren und legten um 3,7 Prozent auf 76,93 Dollar zu.

          Auf den Verliererlisten tauchten dagegen Aktien aus dem Pharma- und Gesundheitssektor auf. Die Aktien von Abbott Laboratories büßten 2,4 Prozent auf 51,78 Dollar ein, nachdem zwar gute Zahlen präsentiert wurden, der Ausblick jedoch enttäuschte. Merck & Co waren im Sog dessen mit 3,7 Prozent der mit Abstand größte Verlierer im Dow Jones. Im Sektor machte sich auch die bevorstehende Gesundheitsreform bemerkbar. So waren Gilead Science mit einem Kursrutsch um 9,6 Prozent auf 40,76 Dollar der größte Verlierer im S&P 500, nachdem Analysten die Aktien wegen der Unsicherheiten durch die neuen Gesundheitsrichtlinien abstuften.

          Bei AT&T zeigten die Quartalszahlen, dass der Telekomkonzern trotz des Booms beim mobilen Internet nicht von der Stelle kommt. Die Papiere gehörten mit einem Abschlag von 1,2 Prozent auf 26,34 Dollar zu den größten Verlierern im Dow Jones.

          Yahoo-Titel gehörten mit minus 5 Prozent auf 17,45 Dollar zu den größten Verlierern unter den Technologiewerten, obwohl das Geschäft zu Jahresbeginn wieder leicht angezogen hatte und der Gewinn auch wegen der Suchmaschinen-Kooperation mit Microsoft steil angestiegen war. Analysten zufolge fielen aber speziell die Werbeeinnahmen enttäuschend aus, was nach wie vor auf Probleme im Suchmaschinenbereich hindeute.

          Die bevorstehende Übernahme durch Visa ließ Anteilsscheine von Cybersource um 32 Prozent auf 25,72 Dollar in die Höhe schnellen. Der weltgrößte Kreditkartenanbieter will den Spezialisten für Online- Zahlungssysteme für rund zwei Milliarden Dollar oder 26 Dollar je Aktie kaufen.

          Amerikanische Anleihen freundlich

          Das lange Ende des amerikanischen Anleihemarkts hat am Mittwoch von der Aussicht auf eine geringere Neuverschuldung der Vereinigten Staaten profitiert. Nachdem einige Analysten ihre Schätzungen für das diesjährige amerikanischen Haushaltsdefizit gesenkt hätten, vermuteten einige Marktteilnehmer, dass die amerikanische Regierung den Umfang ihrer Anleiheauktionen später in diesem Jahr reduzieren könnte, sagten Händler.

          Im späten New Yorker Handel stiegen zehnjährige Titel mit einem Kupon von 3,625 Prozent um 14/32 auf glatt 99 und rentierten mit 3,75 Prozent. Der mit 4,625 Prozent verzinste Longbond gewann 30/32 auf 100-4/32. Seine Rendite sank auf 4,61 Prozent.

          Die Regierung habe aus Furcht vor den Folgen der Wirtschaftskrise zuviel Geld aufgenommen, sagte ein Beobachter. Allerdings hätten inzwischen viele Unternehmen der Finanzbranche die staatlichen Hilfsgelder zurückgezahlt. Zudem seien im Zuge der wirtschaftlichen Erholung höhere Steuereinnahmen zu erwarten.

          Am Markt setze sich allmählich die Meinung durch, dass das gewaltige Defizit der Vereinigten Staaten durchaus verringert werden könne. Davon würden wiederum Anleihen mit längeren Laufzeiten profitieren, die normalerweise am stärksten unter einem ausufernden Defizit und der Angst vor einer damit einhergehenden beschleunigten Inflation litten, hieß es.

          Wichtige Konjunkturdaten wurden am Mittwoch nicht veröffentlicht. Dafür ist für Donnerstag eine Fülle von Daten angekündigt. Ferner wird das amerikanischen Finanzministerium Einzelheiten zu den für die kommende Woche geplanten Auktionen drei-, fünf- und siebenjähriger Anleihen veröffentlichen. Einige Marktteilnehmer hätten sich in Erwartung dieser Informationen positioniert, berichteten Händler. Bei der vorigen Auktionsrunde betrug das Gesamtvolumen der neuen Anleihen 118 Milliarden Dollar.

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