https://www.faz.net/-gv6-6nf3k

Blick auf den Finanzmarkt : Deutsche Aktien moderat im Plus

  • Aktualisiert am

Die anhaltenden Sorgen um die Zahlungsfähigkeit Griechenlands lassen Anleger zum Wochenbeginn am deutschen Aktienmarkt vorsichtig agieren. Dennoch legen die Kurse per saldo leicht zu.

          7 Min.

          Trotz anhaltender Sorgen um Griechenland ist der deutsche Aktienmarkt mit moderaten Gewinnen in die neue Handelswoche gestartet. Der Dax gewinnt 0,1 Prozent auf 7131 Punkte. Der breiter gefasste FAZ-Index legt wenige Punkte auf 1599 Zähler zu. Für den MDax geht es um 0,2 Prozent auf 10.536 Punkte nach oben, der TecDax büßt dagegen 0,2 Prozent auf 865 Punkte ein.

          Alles schaut gebannt auf die griechische Schuldenkrise und darauf, ob das griechische Parlament den Sparplänen der Athener Regierung zustimmen wird, sagt Marktstratege Ben Potter von IG Markets. „Das ist momentan der entscheidende Punkt.“ Das Gremium wird am Dienstag und Mittwoch über das Sparprogramm beraten, bis Ende des Monats - also bis spätestens Donnerstag - muss Ministerpräsident Georgios Papandreou das Ganze durchs Parlament bringen.

          Negativ waren die Vorzeichen aus Übersee. Der Future auf den amerikanischen Leitindex Dow Jones verlor seit dem Xetra-Schluss am Freitag 0,3Prozent, und auch in Asien dominierten zum Wochenauftakt negative Vorzeichen.

          Bankenwerte stehen nach einem Beschluss der aus 27 Zentralbanken bestehenden Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zu höheren Kapitalanforderungen unter Druck. Die Titel der Deutschen Bank sinken um 0,3 Prozent auf 39,33 Euro, während die Papiere der Commerzbank 0,7 Prozent auf 2,879 Euro verlieren. Dem BIZ-Beschluss zufolge soll es für bis zu 30 systemrelevante Banken bei dem bereit zu stellenden Kapital einen Zuschlag von 1,0 bis 2,5 Prozentpunkten geben - zusätzlich zu den ohnehin schon nötigen sieben Prozent Kernkapital (Tier 1).

          An das Dax-Ende rutschten mit minus 0,9 Prozent auf 63,74 Euro die Papiere von BASF nach einer Gewinnwarnung des Konkurrenten Akzo Nobel. Der niederländische Chemiekonzern hatte wegen ungünstigerer Marktbedingungen und höherer Rohstoffkosten seine Ergebnis-Prognose für das zweite Quartal und das Gesamtjahr gesenkt.

          Rentenmarkt tendiert gut behauptet

          Der deutsche Rentenmarkt tendiert am Montag gut behauptet. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, gewinnt 2 Basispunkte auf 127,47 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 8 Basispunkte auf 118,11 Prozent.

          Experten rechnen zu Wochenbeginn mit einer festen Tendenz. Die Griechenlandkrise dürfte die Anleger weiter in sichere Anlagen wie deutsche Staatstitel treiben, heißt es im Morgenkommentar der HSH Nordbank. Vor der wichtigen Abstimmung des Parlaments am Mittwoch über das neue Sparprogramm dürfte die Unsicherheit hoch sein. Von der Zustimmung hängt letztlich die Zukunft Griechenlands und damit auch die weitere Entwicklung der europäischen Schuldenkrise ab. Den Bund-Future sieht die Landesbank zwischen 127,20 bis 128,10 Punkten.

          Euro startet schwach in neue „Woche der Entscheidungen“

          Mit Wechselkursverlusten zum Dollar ist der Euro in eine neue „Woche der Entscheidungen“ gestartet. Am Montagmorgen kostet die Gemeinschaftswährung 1,4134 Dollar nach 1,4192 Dollar im späten freitäglichen Geschäft in New York. Weiter ist es die Staatsschuldenkrise in Griechenland, die den Euro belastet. „Derzeit hängen die Bewegungen an den Kapitalmärkten zu 99,9 Prozent von der Entwicklung in Athen ab“, erklärt ein Devisenhändler.

          Dort macht das griechische Parlament den Auftakt zu den Beratungen über ein neues Sparpaket und Veräußerungen von Staatsbesitz. Die Abstimmung ist für Mittwoch avisiert, vom Ausgang des Votums hängt die Auszahlung der nächsten Tranche aus dem ersten Hilfspaket von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds für die Hellenen ab.

          Am Freitag steht aus den Vereinigten Staaten der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe im Juni auf der Agenda. Zuletzt hat die Industrie der größten Volkswirtschaft der Welt deutlich geschwächelt, Ökonomen gehen daher davon aus, dass der als wichtigster Frühindikator geltende ISM-Index unter die kritische Marke von 50 Punkten fallen könnte.

          Die für den Montagnachmittag angekündigten makroökonomischen Kennziffern aus den Vereinigten Staaten stammen hingegen lediglich aus der zweiten Reihe. Potenzial, die Wechselkurse kräftig zu bewegen, haben sie daher kaum. Auf dem Programm stehen die persönliche Ausgaben und Einkommen für Mai. Volkswirte rechnen mit Zunahmen von 0,1 Prozent respektive 0,4 Prozent binnen Monatsfrist.

          Asiatische Aktien wegen Griechenland unter Druck

          Vor der mit Spannung erwarteten Weichenstellung der griechischen Politik in der Schuldenkrise haben sich die asiatischen Aktienmärkte zu Wochenbeginn nervös präsentiert. Die wichtigsten Indizes verloren im Vorfeld zweier Parlamentsabstimmungen in Athen über den künftigen Sparkurs des hoch verschuldeten Landes

          „Die Märkte gehen davon aus, dass die europäischen Anleihemärkte im Chaos versinken werden und weltweit für Ansteckung sorgen werden, wenn dieses Paket diese Woche nicht durchgeht“, sagte Greg Gibbs, Analyst bei der Royal Bank of Scotland in Sydney, unter Verweis auf die griechischen Sparvorhaben.

          In Tokio schloss der 225 Werte umfassende Nikkei-Index rund ein Prozent schwächer bei 9578 Zählern. Der breiter gefasste Topix-Index gab bis Handelsschluss 0,9 Prozent nach auf 825 Zähler. Verluste gab es bei Bankentiteln. Zwar machte der japanische Sektorindex einen Teil der Verluste zum Schluss noch wett, notierte aber weiterhin 0,3 Prozent schwächer. Zuvor hatte er mehr als ein Prozent im Minus gelegen. Die Aktien von Mitsubishi UFJ Financial Group erholten sich bis Handelsende von zum Teil kräftigen Verlusten.

          Zu den Kursgewinnern zählten Autoaktien, weil Anleger nach Angaben von Händlern derzeit sichere Anlagen bevorzugten. So zogen Honda-Titel 0,7 Prozent an. Auch erwarteten Anleger mit Spannung einen mittelfristigen Ausblick von Autobauer Nissan. Nissan hatte bereits vergangene Woche für gute Stimmung gesorgt. Die Firma will ihren Absatz um fast zehn Prozent steigern.

          An den Aktienmärkten in Südkorea, Taiwan und Singapur überwogen ebenfalls die negativen Vorzeichen. Auch an den beiden chinesischen Handelsplätzen Hongkong und Shanghai verloren die Indizes.

          Neuigkeiten und Kursbewegungen nach Börsenschluss an der Wall Street

          Knapp behauptet präsentierten sich die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel am Freitag im Vergleich zum regulären Geschäft. Der Nasdaq After Hours Indicator fiel um 1,82 Punkte auf 2215,24 Zähler.

          Der Aktienkurs von Oracle fiel am Freitag im nachbörslichen Handel weiter. Der Software-Konzern hatte schon am Donnerstag nach Börsenschluss bei der Vorlage seiner Viertquartalszahlen einen enttäuschenden Ausblick gegeben. Das Quartalsergebnis war zwar insgesamt überraschend gut, doch hatte Oracle im Hardware-Geschäft schlechter abgeschnitten als erwartet. Oracle fielen um 0,4 Prozent auf 31,02 Dollar, nachdem sie im regulären Geschäft etwas über 4 Prozent eingebüßt hatten.

          Micron erholten sich um 0,3 Prozent auf 7,23 Dollar. Die schon am Donnerstag nach Börsenschluss veröffentlichten Drittquartalszahlen des Unternehmens hatten enttäuscht, woraufhin die Aktie am Freitag im regulären Handel 14,5 Prozent verlor.

          Williams Co stiegen um 0,5 Prozent auf 28,69 Dollar. Im regulären Geschäft hatten die Titel unter dem Übernahmeangebot für Southern Union Company gelitten. Williams bietet rund 5 Milliarden Dollar für Southern Union und tritt damit in Wettstreit mit Energy Transfer. Southern Union verteuerten sich bis zur Schlussglocke um 16,7 Prozent und notierten nachbörslich kaum verändert bei 39,85 Dollar.

          Amerikanische Börsianer schauen gebannt auf Wirtschaftsdaten

          Arbeitsmarktdaten, der Immobilienmarkt und die Industrieproduktion: Die amerikanischen Börsianer schauen auch in der kommenden Woche gebannt auf Konjunkturdaten, um mehr über die Lage der schwächelnden amerikanischen Wirtschaft zu erfahren. Zudem richtet sich der Blick weiter auf die europäische Schuldenkrise mit dem größten Sorgenkind Griechenland und auch Probleme bei italienischen Banken. Des Weiteren sorgen die Verhandlungen über die Anhebung der amerikanischen Schuldengrenze für Unsicherheit am Markt.

          Dennoch könnten die Aktienmärkte in den Vereinigten Staaten nach Ansicht von Experten in der kommenden Woche aus charttechnischen Gründen zulegen. Der S&P 500 liegt weit unter seinem Dreijahreshoch im Mai, bewegt sich aber über dem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt.

          Manche sehen diese Barriere allerdings in Gefahr. „Jedes Mal, wenn man eine Widerstands- oder Unterstützungslinie testet, wird sie schwächer“, sagt Nicholas Colas, Experte der Converg-Ex Group. „Es ist wie mit einem Stück Metall.“ Je öfter man darauf schlage, desto schwächer werde es. „Deswegen sind die Leute beim dritten oder vierten Mal besorgt.“ In dieser Woche fiel der S&P um 0,24 Prozent, während der Dow Jones um 0,58 Prozent nachgab. Beim Nasdaq gab es ein Wochenplus von 1,39 Prozent. In den kommenden beiden Wochen könnte es starke Kursausschläge geben, bevor im Juli wieder die Hochzeit der Quartalsberichte beginnt. So lag der S&P am Donnerstag zunächst deutlich im Minus und schnellte nach positiv aufgenommenen Nachrichten zur Schuldenkrise in Europa um mehr als 20 Punkte nach oben, so dass am Ende nur noch ein Minus von 0,3 Prozent stand. Der Dow hatte an diesem Tag eine Handelsspanne von 233,79 Punkten.

          Die Lage in Griechenland wird in der kommenden Woche auch Investoren in Deutschland beschäftigen. Viele Börsianer hoffen, dass das Parlament die Sparvorhaben der Athener Regierung billigen wird.

          Amerikanische Anleihen uneinheitlich

          Die Notierungen der amerikanischen Staatsanleihen haben sich am Freitag lange im Spannungsfeld positiver Konjunkturdaten und der weiter schwelenden Schuldenkrise in Europa bewegt. Letztlich setzten sich die Sorgen über die Schuldenkrise durch. Im späten New Yorker Handel präsentierten sich die Kurse jedoch uneinheitlich. Zehnjährige Titel mit einem Kupon von 3,125 Prozent kletterten um 13/32 auf 102-8/32 und rentierten mit 2,86 Prozent. Die Renditen sanken hier auf den niedrigsten Wert seit Dezember 2010. Bei Papieren mit zweijähriger Laufzeiten rutschten die Renditen auf das tiefste Niveau seit November 2010 und damit in die Nähe des Allzeittiefs. Der mit 4,375 Prozent verzinste Longbond fiel dagegen um 8/32 auf 103-7/32, seine Rendite stieg damit auf 4,18 Prozent.

          Außer den Langläufern verzeichneten alle amerikanischen Anleihen Aufschläge. Die Sorgen seien derart groß, dass Anleger in kürzere Laufzeiten umgeschichtet hätten, hieß es. Gestützt wurde der Markt einmal mehr von den Ereignissen rund um die europäische Schuldenkrise, die seit April die Haupttreiber für den amerikanischen Anleihemarkt geliefert hatte. In Europa mehrten sich die Anzeichen, dass die Krise nicht auf Griechenland beschränkt bleibe, so Stimmen aus dem Handel. Die Ratingagentur Moody's stellte ihre Bonitätsnoten für italienische Banken auf den Prüfstand. Das Langfristrating von 16 Banken und zwei regierungsnahen Finanzinstituten wurde auf die Beobachtungsliste mit negativen Vorzeichen genommen. Außerdem senkte die Agentur ihren Ausblick für 13 weitere Institute auf „negativ“ von „stabil“.

          „Anleger sind Geiseln der griechischen Schuldenkrise und der enormen Unsicherheiten, die diese mit sich bringt“, sagte Alan De Rose, leitender Rentenhändler für amerikanischen Anleihen von Oppenheimer and Co. Ob das griechische Sparpaket im Parlament eine Mehrheit finde, werde von Tag zu Tag fraglicher, hieß es weiter. Mit Veröffentlichung positiver Makrodaten kamen die Notierungen kurz unter Druck. Der Auftragseingang langlebiger Wirtschaftsgüter in den Vereinigten Staaten war im Mai überraschend stark gestiegen. Die Schuldenkrise blieb aber das beherrschende Thema.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eine App für mehr Freiheiten? So könnte der grenzüberschreitende Corona-Impfausweis künftig aussehen.

          Vier Fragen zur Immunität : Was steht drin im Corona-Impfpass?

          Immun gegen Corona, geht das überhaupt? Der europäische Impfpass ist von der Politik inzwischen fest avisiert, aber es sind einige Fragen offen. Was könnte in einem Immunitätszertifikat stehen, das digital überall abrufbar ist? Vier Fragen, vier Antworten.
          Kevin Trapp und die Frankfurter verlassen des Rasen als Verlierer.

          1:2 in Bremen : Das Ende der großen Frankfurter Serie

          Nach elf Spielen ohne Niederlage in der Bundesliga verliert die Eintracht. Die Frankfurter gehen in Führung, danach dreht Bremen die Partie. Nicht nur beim Siegtor entscheiden Zentimeter.
          Britisch-Deutsches Pubtreffen: Dominic Raab (li.) und Heiko Maas im Juli 2020 in Kent

          Neue britische Außenpolitik : Auf dem kurzen Dienstweg

          Nach dem Brexit sucht Großbritannien die Nähe zu Deutschland und Frankreich in der Außen- und Sicherheitspolitik. Das gefällt nicht jedem in der EU.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.