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Blick auf den Finanzmarkt : Deutsche Aktien im Plus

  • Aktualisiert am

Hoffnungen auf eine Zustimmung des griechischen Parlaments zum Sparpaket der Regierung geben den Aktienkursen am Mittwoch Auftrieb. „Alles andere würde Griechenland in ein noch größeres Chaos stürzen“, sagt ein Händler.

          7 Min.

          Der Optimismus der Anleger vor der Entscheidung des griechischen Parlaments über das Sparpaket der Regierung sorgt am Mittwoch am deutschen Aktienmarkt für Gewinne. Der Dax und der marktbreite FAZ-Index legen um jeweils 1 Prozent auf 7.238 bzw. 1633 Punkte zu. Für den MDax geht es am Mittwoch um 0,9 Prozent auf 10.630 Punkte nach oben, der TecDax rückte um 0,8 Prozent auf 866 Punkte vor.

          Die Hoffnung auf ein positives Votum in Athen habe auch in New York und in Asien für freundliche Kurse gesorgt, sagen Börsianer. Die möglichen Folgen einer Ablehnung des Sparpakets werde wohl auch das griechische Parlament nicht auf sich nehmen wollen. Marktstratege Cameron Peacock von IG Markets gibt allerdings zu bedenken, dass es selbst bei einer Zustimmung nach unten gehen könnte. Nachdem in den vergangenen Tagen die Hoffnung auf einen positiven Ausgang für Kursgewinne gesorgt habe, könnte es zu Gewinnmitnahmen kommen. Möglich sei aber auch, dass es zu einem generellen Stimmungswandel komme und zuletzt abwartende Anleger an den Markt zurückkehrten. Im Tagesverlauf stehen noch Konjunkturdaten an, darunter Zahlen zum amerikanischen Häusermarkt.

          Zu den stärksten Titeln im FAZ-Index zählen die Papiere der Commerzbank mit einem Plus von 2,1 Prozent. Händler verweisen auf einen Bericht des „Handelsblatts“ zur Kreditnachfrage. Demnach will der Konzern im Bereich der Erneuerbaren Energien allein in diesem Jahr ein „Neugeschäft von einer Milliarde Euro machen“. Einen so starken Zuwachs habe es noch nie gegeben, wird Vorstandsmitglied Markus Beumer zitiert. Zudem beschere die Hoffnung auf eine für Banken günstige Einigung in der Frage der Beteiligung des Privatsektors an der Griechenland-Hilfe Finanztiteln insgesamt Auftrieb. Deutsche Bank steigen um 0,6 Prozent auf 40,02 Euro.

          Die Aktien der Allianz verteuern sich nach einer positiven Studie von Morgan Stanley um 1,7 Prozent auf 93,59 Euro. Die amerikanische Bank hatte die Papiere von „Equal-weight“ auf „Overweight“ hochgestuft und das Kursziel von 111,50 auf 124,20 Euro erhöht.

          Hochtief-Aktien steigen um 2,4 Prozent. Dem „Platow Brief“ zufolge sind nach einer ersten Vorauswahl im Verkaufsprozess des Flughafengeschäfts noch fünf Bieter im Rennen. Die Kaufpreisangebote bewegten sich in einer Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro, schrieb der Anlegerbrief. Mit verbindlichen Angeboten sei innerhalb der kommenden drei Wochen zu rechnen. „Platow“ erwähnte zudem jüngste Analystenschätzungen, die von einem Wert der Sparte von etwa 1,3 Milliarden Euro ausgegangen seien. Ein Börsianer erinnerte derweil daran, dass die Sparte laut früheren Berichten einen Wert von etwa 1,7 Milliarden Euro habe.

          Wacker Chemie gewinnen 2,3 Prozent. Die UBS hatte die Spezialchemietitel von „Neutral“ auf „Buy“ angehoben. Das Kursziel wurde zwar von 180 auf 171 Euro gesenkt, signalisiert damit aber weiter deutliches Potential.

          Weitere Verluste am Rentenmarkt

          Der deutsche Rentenmarkt tendiert am Mittwoch leichter. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, verliert 35 Basispunkte auf 126,20 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 25 Basispunkte auf 117,20 Prozent.

          Über die weitere Tendenz im Rentenhandel dürfte die Abstimmung über das Sparpaket im griechischen Parlament entscheiden. „Die in den letzten Wochen erlebte Fluchtbewegung in Bunds als die sichersten und liquidesten Titel in der Eurozone dürfte sich heute nach einer erfolgreichen Abstimmung umkehren und den Bund-Future unter Abgabedruck setzen“, prognostiziert Volker Brokelmann von der HSH Nordbank.

          „Beim Bund-Future rechnen wir heute mit einem Abgleiten unterhalb von 126,00 Prozent“, meint auch HSBC Trinkaus. Ein starke Unterstützung für den Bund-Future liege bei 125,53 Prozent. Technische Widerstände lägen bei 126,53 Prozent und bei 127,12 Prozent.

          Euro zeigt vor Abstimmung in Athen weiter Stärke

          An den Währungsmärkten setzen die Akteure unverändert auf eine Verabschiedung der Sparmaßnahmen durch das griechische Parlament. Der Euro zeigt auch am Mittwochmorgen Stärke gegen Dollar und Yen. Zum Greenback handelt der Euro SZ mit 1,4378 Dollar nur knapp unter dem Hoch vom Dienstag bei 1,4398. „Hoffnungen machen sich breit, wonach die Griechenland-Krise überstanden werden kann“, merkt Ulrich Wortberg von der Helaba an.

          Am Nachmittag sollen die Parlamentarier in Athen über das Sparpaket für das hoch verschuldete Land abstimmen. „Eine Zustimmung würde Marktteilnehmer weiter beruhigen, denn dann wäre der Weg für die nächste Tranche der Hilfsgelder von EU und IWF weitgehend frei“, so Wortberg. Bereits am Sonntag könnten die Finanzminister der Eurozone feststellen, dass Griechenland die Bedingungen für weitere Hilfen erfüllt.

          Die Risikoscheu von Investoren dürfte bei einem positiven Votum im griechischen Parlament abebben, wovon aller Voraussicht nach der Euro weiter profitieren sollte. In diesem Fall könnte die Gemeinschaftswährung zum Dollar den technischen Widerstand bei 1,4410 Dollar testen und Kurs in Richtung 1,45 Dollar nehmen.

          Sollte das Sparpaket entgegen den jüngsten Erwartungen an den Finanzmärkten scheitern, dürfte der Euro auf breiter Währungsfront unter starken Abwertungsdruck geraten. Denn in diesem Fall droht Griechenland der Zahlungsausfall, ab Mitte Juli könnte das Land seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen.

          Anleger in Asien optimistisch vor Votum in Griechenland

          Die Aussicht auf grünes Licht für das neue Sparpaket der griechischen Regierung hat am Mittwoch die Börsen in Fernost angetrieben. Die Anleger zeigten sich überwiegend optimistisch, dass das griechische Parlament dem für neue Hilfszahlungen notwendigen Sparplan zustimmen wird. Allerdings dämpfte die nach wie vor herrschende Unsicherheit über eine langfristige Lösung der Schuldenkrise die Kauflaune der Investoren.

          In Tokio ging der 225 Werte umfassende Leitindex Nikkei mit einem Plus von 1,54 Prozent auf 9797 Zähler aus dem Handel. Der breiter gefasste Topix Index lag 1,66 Prozent höher bei 844 Zählern. Positiv tendierten auch die Börsen in Südkorea und Taiwan sowie die Märkte in Hongkong und Singapur. Verluste verbuchte dagegen die Börse in Shanghai. Hier zogen vor allem Banktitel den Index ins Minus, nachdem Medienberichte die Sorgen über die restriktiven Kreditvergabemöglichkeiten chinesischer Banken angefacht hatten.

          „Es herrscht vorsichtiger Optimismus vor den Abstimmungen in Griechenland in dieser Woche“, sagte Fondsmanager Hiroaki Osakabe. Positiv wirkten sich auch die Zahlen zur Industrieproduktion in Japan aus, die für Mai den höchsten Zuwachs seit fast 60 Jahren verbuchen konnten. Damit erhärtete sich die Hoffnung der Bank of Japan, dass sich die Wirtschaft nach der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe bis zum Jahresende wieder erholen wird und damit weniger auf billiges Geld angewiesen ist.

          In Tokio zählten vor allem Aktien von Energieunternehmen zu den Gewinnern. Die Zeitung „Nikkei“ hatte zuvor berichtet, die Opposition wolle erreichen, dass nicht andere Energiekonzerne für Schadenersatzzahlungen an die Opfer der Atomkatastrophe hinzugezogen werden. Die beiden Stromkonzerne Kansai Electric Power sowie Chubu Electric Power legten beide rund vier Prozent zu. Auch die Aktien der Betreiberfirma des Katastrophen-Reaktors in Fukushima, Tepco, schlossen fast drei Prozent im Plus, nachdem eine Aktionärsversammlung am Tag zuvor eine Abkehr von der Atomtechnologie abgelehnt hatte.

          Aktienkurse in China am Mittag uneinheitlich

          Belastet von Gewinnmitnahmen tendiert die Börse in Schanghai am Mittwochmittag etwas leichter. Vor allem Banken- und Immobilienwerte stehen unter Druck. Zur Mittagspause verliert der Shanghai Composite Index 0,4 Prozent auf 2.747 Punkte. Teilnehmer rechnen für den weiteren Verlauf mit einer Konsolidierung um die Marke von 2.750 Punkten.

          Der HSI in Hongkong entwickelt sich im Einklang mit den meisten anderen asiatischen Börsen unterdessen etwas fester und legt um 0,3 Prozent auf 22.132 Punkte zu. Positive amerikanische Vorgaben und die zuversichtlichen Erwartungen in der griechischen Schuldenkrise stützten, heißt es.

          Unter den größten Verlierern in Schanghai sind China Minsheng Banking (-2 Prozent auf 5,85 Yüan) und China Merchants Property Development (-1,5 Prozent auf 18,02 Yüan). Die in Hongkong gelisteten HSBC legen unterdessen um 0,4 Prozent auf 76 Hongkong-Dollar zu.

          Neuigkeiten und Kursbewegungen nach Börsenschluss an der Wall Street

          Gut behauptet präsentierten sich die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel am Dienstag im Vergleich zum regulären Geschäft. Der Nasdaq After Hours Indicator stieg um 2,73 Punkte auf 2288,48 Zähler.

          Der Aktienkurs der Bank of America (BoA) stieg um 1,1 Prozent auf 10,94 Dollar, nachdem das „Wall Street Journal“ berichtet hatte, die Bank stehe im Streit mit Anlegern kurz vor einem Vergleich. Die Bank wolle Käufern von hypothekenbesicherten Anleihen, die infolge der Immobilienkrise Verluste erlitten hatten, insgesamt 8,5 Milliarden Dollar zahlen, schrieb die Zeitung auf ihrer Homepage. Wenn die Einigung zustande käme, wäre die Vergleichssumme die höchste bisher in der Branche gezahlte.

          Dell gewannen 0,4 Prozent auf 16,07 Dollar. Der PC-Hersteller will im laufenden Geschäftsjahr Aktien im Wert von über 2 Milliarden Dollar zurückkaufen, zusätzlich zu den bisher in diesem Jahr für rund 1,6 Milliarden Dollar erworbenen.

          Aussicht auf Griechenland-Rettung treibt amerikanische Börsen an

          Die Aussicht auf die Abwendung einer Staatspleite in Griechenland hat die amerikanischen Börsen am Dienstag abermals angetrieben. Die Anleger seien weiter optimistisch, dass das griechische Parlament dem notwendigen Sparplan zustimmen werde, sagten Händler. „Seit Wochen hängt die Ungewissheit über den Ausgang der Krise über dem Markt - nun wächst die Überzeugung, dass Griechenland eine Lösung finden wird“, sagte David Kotok von Cumberland Advisors. Das griechische Parlament sollte am Mittwoch und Donnerstag über das heftig umstrittene Sparpaket abstimmen und könnte damit den Weg für die Zahlung der nächsten Milliarden-Tranche der Finanzhilfen freimachen.

          Auch neue Daten vom darbenden Immobilienmarkt flößten den Anlegern etwas Mut ein: Die Preise in den Ballungsgebieten gingen nicht so stark zurück wie von den meisten Experten befürchtet. Von dem Aufwärtstrend des Marktes profitierten vor allem Titel, die zuletzt kräftig Federn lassen mussten - allen voran Technologie- und Rohstoff-Werte.

          Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,2 Prozent höher auf 12.188 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 1,3 Prozent auf 1296 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq kletterte 1,5 Prozent auf 2729 Stellen. Schon am Montag hatten die Indizes rund ein Prozent zugelegt, nachdem sie in den drei Handelstagen davor unter Druck gestanden hatten.

          Steil nach oben ging es mit den Aktien des Adidas-Rivalen Nike, die zehn Prozent zulegten. Der Sportartikel-Gigant glänzte im Frühjahr mit überraschend hohem Wachstum und strahlte zudem Zuversicht aus: Der Konzern erhöhte seine Umsatzprognose nach Zuwächsen bei Umsatz und Gewinn.

          Die Spekulation auf eine Entschärfung der Schuldenkrise führte zu einem kräftigen Anstieg des Ölpreises, der wiederum zu Kursgewinnen bei den Aktien vieler Energie-Unternehmen führte. Der S&P-Index für diese Branche legte um fast drei Prozent zu und damit deutlicher als andere Branchen-Indizes.

          Microsoft-Aktien stiegen um mehr als zwei Prozent. Der weltgrößte Software-Hersteller unternimmt seinen bislang größten Schritt in die Welt des Internet und stellte am Dienstag eine Cloud-Version seiner beliebten Bürosoftware Office vor. Schon am Montag hatte die Microsoft-Aktie von der bevorstehenden Präsentation des neuen Angebots profitiert und 3,7 Prozent zugelegt.

          Google-Papiere legten ihrerseits ebenfalls mehr als zwei Prozent zu, nachdem der Internet-Riese einen neuen Vorstoß in soziale Netzwerke ankündigte. Google testet einen neuen Dienst namens Google+, der die Grundlage für ein umfangreiches Angebot für Kontakte und Kommunikation im Internet werden soll.

          Amerikanische Anleihen schwächer

          Wie am Vortag wurde auch am Dienstag der amerikanische Anleihenmarkt von einer schwachen Auktion belastet. Zehnjährige Titel mit einem Kupon von 3,125 Prozent verloren 30/32 auf 100-23/32 und rentierten mit 3,04 Prozent. Der mit 4,375 Prozent verzinste Longbond fiel um 19/32 auf 100-23/32, seine Rendite stieg damit auf 4,33 Prozent.

          Bei der Versteigerung neuer fünfjähriger Notes im Volumen von 35 Milliarden Dollar kam lediglich ein Bid-to-Cover von 2,59 zustande - das ist das niedrigste Verhältnis seit Juni letzten Jahres. Die Zahl der indirekten Bieter lag mit 37,6 Prozent unter dem Schnitt der letzten vier Auktionen (40,9 Prozent).

          Wenig Auswirkung zeitigte der Index des Verbrauchervertrauens, der mit 58,5 schlechter ausfiel als erwartet. Das Geschäft sei überdies im Hinblick auf die Abstimmung im griechischen Parlament über das neue Sparpaket am Mittwoch zurückhaltend verlaufen, hieß es von Händlern. Allerdings setzte sich am Aktien- wie am Anleihemarkt die Ansicht durch, dass die griechischen Sparmaßnahmen das Parlament passieren werden.

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