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Blick auf den Finanzmarkt : Dax leichter

  • Aktualisiert am

Die Anleger am deutschen Aktienmarkt halten sich in Erwartung neuer amerikanischer Konjunkturdaten am Freitag zurück. Ihr Augenmerk richten die Investoren auf die zweite Schätzung zum Wachstum der amerikanischen Wirtschaft sowie auf eine Rede von Notenbankchef Ben Bernanke.

          Der deutsche Aktienmarkt tendiert am Freitagmorgen etwas leichter. Belastet von einer abermals schwachen Vorgabe der Wall Street verliert der Dax 0,1 Prozent auf 5907 Punkte. Für den MDax geht es auf 8076 Punkte leicht abwärts. Der TecDax gewinnt dagegen 0,4 Prozent auf 728 Punkte.

          Vor allem die amerikanischen Börsen belasten einmal mehr die Stimmung, sagt ein Händler. Dort waren die führenden Indizes am Vorabend nach freundlichem Start doch noch unter Druck geraten und hatten sich nicht mehr nachhaltig von ihren Tagestiefs absetzen können. Sie waren in den letzten Minuten nochmals abgerutscht. Der Dow Jones (DJIA) hatte daraufhin erstmals seit Anfang Juli wieder unter 10.000 Punkten geschlossen. Der Future auf den amerikanischen Leitindex verlor seit dem Xetra-Schluss am Vortag 0,45 Prozent. In Tokio schloss der Nikkei-225-Index indes mit 1 Prozent im Plus.

          Im Fokus stehen laut Marktanalyst Ben Potter von IG Markets Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten wie das BIP. Zudem dürften Marktteilnehmer gebannt auf eine Rede von Fed-Chef Ben Bernanke lauern, ob diese Aufschluss über die wirtschaftliche Lage der Vereinigten Staaten gibt.

          Commerzbank rutschen nach einem Bericht des „Handelsblatts“ am Dax-Ende um 1,6 Prozent auf 6,30 Euro ab. Der Zeitung zufolge könnte die teilverstaatlichte Bank bald neue Aktien ausgeben. Der Vorstandschef Martin Blessing wolle fünf Milliarden Euro einnehmen, es könnten aber auch mehr sein, wenn der Markt es hergebe, hieß es. Heino Ruland, Marktanalyst von Ruland Research, sagte: „Da die Bank selbst eine Marktkapitalisierung von nur 7,56 Milliarden Euro hat, klingen mindestens fünf Milliarden Euro viel zu ehrgeizig. Ohnehin gilt die Bank derzeit nicht als attraktiv.“

          MAN-Aktien knüpfen an ihre Vortagesgewinne im Kielwasser positiver Aussagen zur Kooperation mit dem chinesischen Lastwagenbauer Sinotruk und positiver Signale von Autozulieferern an und gewinnen an der Dax-Spitze 0,8 Prozent auf 68,10 Euro. Infineon tendieren wenig verändert. Die Aktien des Halbleiterkonzerns waren am Vorabend hochgeschnellt, nachdem die Nachrichtenagentur Bloomberg kurz vor Handelsschluss unter Berufung auf Verhandlungskreise von einem unmittelbar bevorstehenden Verkauf der Handysparte an den Chiphersteller Intel berichtet hatte.

          Anleihen gewinnen leicht hinzu

          Der deutsche Rentenmarkt tendiert am Freitag fester. Der richtungweisende Terminkontrakt auf die zehnjährige Bundesanleihe, der Bund-Future, gewinnt 8 Basispunkte auf 134,02 Prozent, der kürzer laufende Bobl-Future 4 Basispunkte auf 122,44 Prozent.

          Insgesamt bleibt das fundamentale Umfeld laut Helaba für den Rentenmarkt günstig. Enttäuschende amerikanischen Konjunkturzahlen und konjunkturkritische Äußerungen von Zentralbankern könnten den Bund-Future weiter nach oben treiben. Ökonomen rechnen bei der zweiten Veröffentlichung der Zahlen zum amerikanischen Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal am Nachmittag mit einer deutlichen Revision nach unten. Sollten die bereits pessimistischen Erwartungen auch noch enttäuscht werden, könnten die Rentenmärkte zu einem neuen Höhenflug ansetzen. Die Risikoeinschätzung der Marktteilnehmer sei weiter der dominierende Einflussfaktor.

          Euro zum Dollar kaum verändert

          Der Euro zeigt sich am Freitagmorgen beim Übergang in den europäisch geprägten Handel kaum verändert zum Dollar. Die Gemeinschaftswährung notiert unter der Marke von 1,2730 Dollar. Die Rede von amerikanischen Notenbankpräsident Ben Bernanke sowie anstehende Konjunkturveröffentlichungen sorgen für eine abwartende Haltung am Devisenmarkt, meint ein Händler.

          Am Abend wird der Leider der Federal Reserve seine mit Spannung erwartete Rede auf dem Notenbankertreffen in Jackson Hole halten. Er wird eine konjunkturelle Bestandsaufnahme geben. Zudem hofft der Markt, dass er Hinweise darauf liefern wird, ob die Geldpolitk weiter gelockert wird.

          Zuvor stehen die Zweitveröffentlichungen des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) am Nachmittag und britischem BIP am Vormittag an. Beim amerikanischen BIP erwarten von Dow Jones befragte Volkswirte eine Abwärtsrevision für das vergangene Quartal auf annualisiert plus 1,3 Prozent. In der ersten Veröffentlichung hatte das Wirtschaftswachstum noch bei 2,4 Prozent gelegen.

          „Enttäuschende amerikanischen Zahlen und konjunkturkritische Äußerungen von Zentralbankern dürften den Euro per Saldo belasten“, meint Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Auch aus technischer Sicht gehe der Trend nach unten. Eine Unterstützung sei in der Zone zwischen 1,2588 Dollar und 1,2605 Dollar zu erkennen. Widerstände macht der Analyst bei 1,2750 Dollar und 1,2780 Dollar aus.

          Unterdessen hat der Yen zum Dollar etwas nachgegeben. Berichten zufolge will der japanische Premierminister Naoto Kan am Freitag Stellung zur andauernden Stärke des Yen beziehen. Marktteilnehmer erhoffen sich konkrete Schritte zur Abschwächung der
          Landeswährung.

          Tokios Börse hofft auf Devisenmarktinterventionen

          Nach anfänglichen Verlusten hat die Hoffnung auf Schritte der japanischen Regierung zur Eindämmung des Yen-Anstiegs die Tokioter Börse ins Plus gedreht. Ministerpräsident Naoto Kan wollte sich noch im Laufe des Freitags zu entsprechenden Maßnahmen der Regierung äußern. Die übrigen asiatischen Börsen tendierten uneinheitlich. Viele Investoren hielten sich zurück und warteten auf die zweite Schätzung zum Wachstum der amerikanischen Wirtschaft sowie auf eine Rede von Amerikas Notenbankpräsident Ben Bernanke.

          Der Nikkei-Index der 225 führenden Werte schloss um 0,95 Prozent höher auf 8991 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index legte um 0,96 Prozent auf 819 Zähler zu. Marktteilnehmer befürchteten allerdings, dass sich die 9000-Punkte-Marke zu einer festen Barriere entwickeln könnte, je länger der Nikkei unter dieser psychologisch wichtigen Grenze verharrt. Die Börsen in Singapur und Taiwan tendierten ebenfalls positiv, dagegen lagen die Märkte in Hongkong und Südkorea sowie der chinesische Leitindex im Minus.

          In Tokio drehten vor allem Exporttitel ins Plus, nachdem sie negativ in den Tag gestartet waren. Honda-Aktien stiegen um 1,6 Prozent, TDK-Anteile legten sogar 2,8 Prozent zu. Viele Händler hielten sich allerdings vor der zweiten Schätzung zum
          Wachstum der amerikanischen Wirtschaft im zweiten Quartal zurück, die am Nachmittag erwartet wurde. „Es schien so, als ob die Risikoscheu etwas nachlassen würde“, sagte Nagayuki Yamagishi von Mitsubishi UFJ Morgan Stanley Securities. „Aber wir rechnen mit
          schlechten Zahlen zum amerikanischen BIP und deswegen steckt eine Menge Vorsicht im Markt.“ Nach der ersten Schätzung ist die größte Volkswirtschaft aufs Jahr hochgerechnet zwischen April und Juni um 2,4 Prozent gewachsen.

          Mit Spannung wurden auch Aussagen von amerikanischen Notenbankpräsident Bernanke über den erwarteten Zustand der amerikanischen Wirtschaft in den nächsten Monaten erwartet. Im Fokus standen zudem die erwarteten Aussagen des japanischen Ministerpräsidenten Kan zu möglichen Maßnahmen der Regierung bezüglich des Yen-Höhenflugs der vergangenen Wochen. Auch der japanische Finanzminister Yoshihiko Noda wiederholte, dass die Regierung notfalls entsprechende Schritte einleiten werde. Ein starker Yen belastet vor allem die Exporttitel.

          Neuigkeiten und Kursbewegungen nach Börsenschluss an der Wall Street

          Etwas leichter haben sich die Aktienkurse im nachbörslichen amerikanischen Handel am Donnerstag im Vergleich zum regulären Geschäft entwickelt. Der Nasdaq After Hours Indicator fiel um 0,1 Prozent auf 1767,17 Zähler.

          3Par befestigten sich deutlich, nachdem Hewlett-Packard (HP) das Gebot für das Unternehmen angehoben hat. HP bietet nun für jede Aktie 27 Dollar nach dem vorigen Gebot von 24 Dollar. Der Kurs von 3Par stieg um 6,8 Prozent auf 27,80 Dollar. HP gaben 0,6 Prozent auf 38 Dollar nach.

          J. Crew fielen um 6,7 Prozent auf 31,18 Dollar. Zwischenzeitlich hatte der Titel bis zu 10 Prozent abgegeben. Hintergrund war die neue Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2010. J. Crew rechnet nun mit 2,25 bis 2,35 Dollar je Aktie nach zuvor 2,35 bis 2,45 Dollar. Für das dritte Quartal erwartet das Unternehmen 0,55 bis 0,60 je Aktie, während Experten mit 0,71 Dollar je Aktie gerechnet hatten.

          Novell gaben Uhr 0,2 Prozent auf 5,63 Dollar ab. Vor Sonderposten hat das Unternehmen im dritten Geschäftsquartal einen Gewinn von 0,06 Dollar je Aktie erzielt. Analysten hatten vor Sonderposten mit 0,07 Dollar gerechnet.

          Gute Arbeitsmarktdaten überzeugen amerikanische Börsen nicht

          Positive Nachrichten vom amerikanischen Arbeitsmarkt haben den New Yorker Börsen am Donnerstag keinen nachhaltigen Schwung verleihen können. Die Indizes drehten nach einer positiven Eröffnung ins Minus. Der Rückgang bei den wöchentlichen Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe konnte den Anlegern die Furcht vor einem erneuten Abdriften in die Rezession nicht dauerhaft nehmen.

          Der Dow-Jones-Index der Standardwerte sank um 0,7 Prozent unter die psychologisch wichtige 10.000-Punkte-Marke auf 9985 Zähler. Der breiter gefasste S&P-500-Index
          verlor 0,8 Prozent auf 1047 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq schloss 1,1 Prozent niedriger bei 2118 Stellen.

          Nach den enttäuschenden Konjunkturdaten der vergangenen Woche seien die Arbeitsmarktzahlen zwar eine gewisse Entlastung, sagte Peter Boockvar von Miller Tabak. „Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass die Zahl der Anträge für diesen Zeitpunkt der Wirtschaftserholung sehr hoch ist.“ Der Arbeitsmarkt bleibe träge - und die Unternehmen gingen kaum das Risiko von Neuanstellungen ein. In den Vereinigten Staaten sind das besonders schlechte Nachrichten, gilt die Lage am Arbeitsmarkt doch als wichtiger Indikator für den amerikanischen Konsum, der etwa zwei Drittel der Wirtschaftsleistung ausmacht.

          In der Woche zum 21. August stellten nach Angabe des amerikanischen Arbeitsministerium 473.000 Menschen erstmals einen Antrag auf Arbeitslosenhilfe, das sind 31.000 weniger als in der Vorwoche. Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang auf 490.000 gerechnet. Im Vierwochen-Schnitt lag die Zahl der Erstanträge jedoch mit 486.750 so hoch wie seit neun Monaten nicht mehr.

          Gespannt warteten Anleger auf eine für Freitag angesetzte Rede von Notenbankchef Ben Bernanke. Der Markt erhofft sich davon Aufschlüsse darüber, wie die Fed die künftige Konjunkturentwicklung einschätzt. Es wird jedoch nicht erwartet, dass Bernanke Hinweise gibt, ob die Bank mehr Geld in die Wirtschaft pumpen wird, um die Erholung zu unterstützen.

          Auf der Unternehmensseite gaben Aktien von Unternehmen aus der Gesundheitsbranche sowie Konsumgüterherstellern wie Kraft Foods nach. Technologiepapiere wurden ebenfalls tiefer gehandelt. Aktien von Cisco Systems gaben 2,4 Prozent nach, Intel-Scheine verloren 1,6 Prozent.

          Bei den fallenden Energiewerten standen besonders Papiere von Kohleunternehmen auf der Verliererseite. Händler zogen sich zurück, nachdem der Preis für Erdgas auf den tiefsten Stand seit elf Monaten gefallen war. Papiere von Massey Energy sackten mehr als vier Prozent ab.

          Im Blickpunkt stand wieder einmal die Übernahmeschlacht um den Datenspeicher-Spezialisten 3PAR. Die Computerhersteller Dell und Hewlett-Packard bieten um das Unternehmen, die Angebotssumme liegt bei rund 1,6 Milliarden Dollar. 3PAR-Titel gaben 2,7 Prozent nach. Dell- und HP-Aktien verloren leicht um 0,3, beziehungsweise 0,1 Prozent.

          Amerikanische Anleihen freundlich

          Die amerikanischen Anleihen präsentierten sich am Donnerstag im späten Geschäft des New Yorker Handels freundlich. Die stärker als erwartet gesunkene Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe hatte die Anleihekurse nur kurz unter etwas Druck gebracht.

          Zehnjährige Titel mit einem Kupon von 2,625 Prozent stiegen um 16/32 auf 101-9/32 und rentierten mit 2,48 Prozent. Der mit 3,875 Prozent verzinste Longbond kletterte um 1-1/32 auf 106-20/32. Seine Rendite stand bei 3,51 Prozent.

          Die Konjunkturdaten fielen einfach immer schlechter aus, kommentierte Rick Klingman, Händler bei BNP Paribas. „Die Konjunktur sieht so aus, als verliere sie an Dampf“, fügte er hinzu. Viele Teilnehmer nähmen deshalb an, dass die amerikanischen Notenbank ein neues großes Rückkaufprogramm für Anleihen auflegt, um die Renditen niedrig und die Konjunktur in Schwung zu halten. Auf der jüngsten Sitzung am 10. August hatte das FOMC der Fed bereits beschlossen, rund 350 Milliarden Dollar aus auslaufenden hypothekenbesicherten Wertpapieren in amerikanischen Treasuries zu reinvestieren.

          Die letzte Auktion dieser Woche von siebenjährige Papieren im Wert von 29 Milliarden Dollar stieß wie schon die beiden vorherigen von zwei- und fünfjährigen Treasuries auf eine gute Nachfrage. Auch sie erreichte mit einer Höchstrendite von 1,989 Prozent ein Rekordtief - gute Nachrichten für die amerikanische Regierung, die ein Haushaltsdefizit von mehr als einer Billion Dollar finanzieren muss

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