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Brief von Blackrock-Chef : „Das Ende der Globalisierung, wie wir sie kennen“

  • -Aktualisiert am

Blackrock-Chef Larry Fink Bild: dpa

Der Chef des weltgrößten Vermögensverwalters schreibt an Aktionäre, wie sich der Krieg in der Ukraine auf die Inflation, die Energiesicherheit und die Globalisierung auswirkt. In dem Brief beschwört Larry Fink die Stärke des Kapitalmarkts.

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          Jedes Jahr schreibt einer der wohl mächtigsten Männer der Wall Street, Blackrock-Chef Larry Fink, einen Brief an die Aktionäre des weltgrößten Vermögensverwalters. Dieses Jahr stand das in der Finanzbranche vielbeachtete Schreiben unter dem Vorzeichen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Der Einmarsch sei „herzzerreißend“, schreibt Fink dazu. Blackrock stehe an der Seite des ukrainischen Volkes, das im Angesicht der gnadenlosen Aggression wahren Heldenmut bewiesen habe.

          Was die Invasion aus Sicht von Fink für die Weltordnung, die Globalisierung und Kapitalmärkte bedeutet, führt der Blackrock-Chef in dem zehnseitigen Brief ausführlich aus. Die Auswirkungen des Krieges seien demnach nicht auf Osteuropa beschränkt, und sie würden noch jahrzehntelang auf eine Weise nachwirken, die man noch nicht vorhersehen könne.

          Nach dem Ende des Kalten Krieges habe man Russland in dem globalen Finanzsystem willkommen geheißen und dem Land Zugang zu den globalen Kapitalmärkten gewährt, so Fink. Die ganze Welt habe von dieser globalen Friedensdividende und der Expansion der Globalisierung profitiert. „Doch die russische Invasion hat der Globalisierung, wie wir sie aus den vergangenen drei Jahrzehnten kennen, ein Ende gesetzt.“ Als Reaktion darauf hätten Nationen und Regierungen die finanziellen und geschäftlichen Beziehungen zu Russland abgebrochen und einen „Wirtschaftskrieg“ begonnen.

          Kapitalmärkte und Finanzinstitute seien aber noch weiter gegangen, so Fink, dessen Unternehmen global 9,5 Billionen Dollar an Vermögen verwaltet. Blackrock habe sich den Bemühungen angeschlossen, Russland von den Finanzmärkten zu isolieren. „Der Zugang zu den Kapitalmärkten ist ein Privileg, nicht ein Recht“, schreibt Fink dazu. Die Maßnahmen des Privatsektors zeigten die Macht der Märkte. Kapital werde für diejenigen bereitgestellt, die konstruktiv innerhalb des Systems arbeiteten, führt der Blackrock-Chef aus. Genauso schnell könne es aber denjenigen verweigert werden, die sich außerhalb des Systems bewegten. Auch würden die Wirtschaftssanktionen zeigen, was man im Angesicht von Gewalt und Aggression erreichen könne.

          Abhängigkeiten neu überdenken

          Dabei beschreibt Larry Fink auch die längerfristigen Implikationen der Abkopplung Russlands von der Weltwirtschaft. Vor diesem Hintergrund würden Regierungen auf der ganzen Welt ihre Abhängigkeiten nun auch zu anderen Staaten überprüfen – was zu einem schnelleren Rückzug aus einigen Ländern führen könne. Produktionsstandorte in Mexiko, Brasilien, den USA oder in Südostasien könnten dagegen davon profitieren, glaubt er.

          Der Blackrock-Lenker spricht zudem auch die Energiesicherheit an, die neben der bevorstehenden Energiewende zu einer Priorität geworden ist: Als Reaktion auf den Energie-Schock, der durch den Krieg ausgelöst wurde, blickten die Länder derzeit nach neuen Energiequellen. Der Fokus in den USA läge auf den Kapazitätserhöhungen von Öl und Gas, in Europa und in Asien werde dagegen der Kohlekonsum in den nächsten Jahren zunehmen. „Das wird unweigerlich die Bestrebungen in Richtung Netto-Null-Emissionen verlangsamen“, so Fink. Langfristig bleibt der langjährige Blackrock-Chef aber optimistisch: So glaubt er, dass die jüngsten Ereignisse die Umstellung auf klimafreundlichere Energiequellen in vielen Teilen der Welt beschleunigen werden.

          Auch Fink kommt in seinem Brief nicht an dem Großthema Inflation vorbei. In Deutschland und Europa liegt die Teuerungsrate derzeit bei über 5 Prozent, in den USA ist sie im Februar im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 7,9 Prozent geklettert. Die Inflation sei in vielen Ländern auf dem höchsten Stand seit 40 Jahren, schreibt Fink. Gerade Geringverdiener seien mit höheren Preisen im Supermarkt, höheren Energierechnungen und niedrigeren Reallöhnen konfrontiert. Die Zentralbanken stünden aktuell vor einem Dilemma, das es seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben habe: Sie müssten sich entscheiden, ob sie mit einer höheren Inflation leben können oder das Wirtschaftswachstum und die Beschäftigung bremsen, um der Inflation Einhalt zu gebieten.

          Fink schreibt auch, wie sich der Krieg auf die digitalen Währungen auswirkt – ein aus seiner Sicher eher weniger diskutierter Aspekt. So veranlasse der Krieg die Länder dazu, ihre Abhängigkeit von Währungen neu zu bewerten. Ein globales digitales Zahlungssystem könne – wenn es gut durchdacht sei – die Abwicklung internationaler Transaktionen verbessern und gleichzeitig das Risiko von Geldwäsche und Korruption verringern.

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