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Lockere Standards : Immer mehr Kredite ohne Banken

Die Zentrale der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel. Bild: Reuters

Wie aus einem Bericht hervorgeht, ist das Volumen innerhalb von acht Jahren von 300 Milliarden auf 800 Milliarden Dollar angewachsen. Das sei ein Beispiel dafür, wie sich Finanzrisiken aus dem Bankensektor in weniger transparente Nischen verschoben haben.

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          Das Kreditgeschäft wächst – vor allem außerhalb der Banken. Der Markt für die sogenannten privaten Kredite, die nicht klassische Kreditinstitute sondern Beteiligungsgesellschaften (Private Equity) und Vermögensverwalter vergeben, ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Wie aus dem jüngsten Quartalsbericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) hervorgeht, sind die privaten Kredite zwischen 2010 und 2018 von 300 Milliarden auf 800 Milliarden Dollar gewachsen.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Volkswirte der BIZ, die als Bank der Zentralbanken gilt und regelmäßig vor Risiken an den Finanzmärkten warnt, verweisen auf Studien, wonach jeder zweite dieser Kredite in den Vereinigten Staaten vergeben wird. Ein Viertel entfalle auf Großbritannien, der Rest verteile sich um den Erdball. Für BIZ-Chefvolkswirt Claudio Borio, stellt das Wachstum der privaten Kredite ein weiteres Beispiel dar, wie sich Finanzrisiken aus dem Bankensektor in weniger transparente Nischen des Finanzsystems verschoben haben. Wie diese Zeitung in ihrer Montagausgabe schon berichtet hatte, hält Borio die privaten Kredite für Unternehmen attraktiv, die sich bei Banken nur schwer finanzieren können.

          Aggressive Risikoübernahme von Investoren

          Die BIZ vergleicht den Markt für private Kredite mit dem für riskante Unternehmensfinanzierungen (Leveraged Loans), der mit einem Volumen von 3 Billionen Dollar deutlich größer ist. Die BIZ verfolgt seit längerem die aggressive Risikoübernahme der Investoren auf der Jagd nach Rendite mit Sorge. Hier trägt auch das Wachstum alternativer Kreditmärkte bei. Denn die Zunahme der privaten Kredite ist auch ein Grund, warum auch Banken ihre Kreditvergabestandards lockern. Die Anforderungen an die Kreditnehmer bezüglich Dokumentation und Finanzkennzahlen gehen deutlich zurück, weil die unterschiedlichen Kreditgeber in einem immer schärferen Wettbewerb stehen.

          Nach Ansicht der BIZ liegt das Wachstum der privaten Kredite im Zeitraum zwischen 2010 und 2018 mit 500 Milliarden Dollar nicht mehr weit entfernt von der Zunahme der Leveraged Loans um 600 Milliarden Dollar. Eine wichtige Rolle als Kreditgeber haben die Private-Equity-Fonds übernommen. Die Branche, die sich in der vergangenen Woche in Berlin zur „Super Return“ zusammenfand, muss derzeit 1,4 Billionen Dollar anlegen. Diese Zahl hat die amerikanische Großbank JP Morgan auf Basis von Daten des Branchenstatistikdienstleisters Preqin ermittelt.

          Der Anlagedruck ist groß, weil die klassischen Unternehmensbeteiligungen für die vorhandene Feuerkraft nicht ausreichen. Obwohl immer mehr Kredite ohne Banken vergeben werden, verbleiben Risiken in der Kreditwirtschaft. Denn die Beteiligungsgesellschaften werden von den Banken finanziert. Die großen amerikanischen Private-Equity-Gesellschaften würden mit 430 Milliarden Dollar schon mehr Kredite halten als Unternehmensbeteiligungen.

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