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Finanzstabilität : BIZ fordert strengere Regeln für Schattenbanken

BIZ-Generaldirektor Agustin Carstens Bild: Fabian Fiechter

Die Bank der Zentralbanken fordert von Fonds den Aufbau von Kriegskassen, um in schweren Zeiten nicht auf die Notenbanken angewiesen zu sein.

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          Ein deutlich strengeres Regelwerk für die Finanzmarktakteure außerhalb des traditionellen Bankensektors fordert die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). In dem am Montag veröffentlichten Quartalsbericht spricht sich BIZ-Generaldirektor Agustin Carstens für eine grundlegende Überarbeitung des aufsichtsrechtlichen Rahmens für Schattenbanken aus, zu denen die BIZ insbesondere Investment-, Geldmarkt- und Hedgefonds, Vermögensverwalter und institutionelle Investoren zählt und die sie als „Nicht-Banken-Finanzintermediäre“ bezeichnet.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Diese kontrollierten 200 Billionen Dollar und damit die Hälfte der Vermögenswerte an den Finanzmärkten der Welt, sagte BIZ-Chefvolkswirt Claudio Borio auf der Online-Pressekonferenz am Montag. Die in Basel ansässige BIZ gilt als Bank der Zentralbanken, weil sie zum einen deren Devisenreserven verwaltet und zum anderen als geldpolitische Denkfabrik dient. Mit dem nun vorgelegten Quartalsbericht schließt die BIZ ihre Untersuchungen zu den Verwerfungen am amerikanischen Anleihemarkt zu Beginn der Corona-Krise im März 2020 ab.

          Seinerzeit wollten Anleger ihre Gelder aus Fonds in einem großen Stil abziehen, was die Fonds wiederum dazu zwang, Wertpapiere zu verkaufen. Die enorme Verkaufswelle legte wichtige Marktsegmente, darunter den Markt für amerikanische Staatsanleihen, vorübergehend still. Das erforderte umfangreiche Stützungsmaßnahmen der amerikanischen Notenbank. Für BIZ-Chef Carstens ist es nicht akzeptierbar, dass sich solche Vorkommnisse regelmäßig wiederholen. Die Turbulenzen an den Anleihemärkten zeigten, dass die Anlagegesellschaften auch die Geldpolitik beeinflussten.

          Vorgaben für mehr Transparenz

          Um in Stresssituationen besser mit Liquidität gewappnet zu sein, schlägt die BIZ den Aufbau von Kriegskassen vor. Zudem fordert Carstens mehr Transparenz durch eine engere aufsichtsrechtliche Überwachung und ausgeweitete Berichtspflichten. Hier verweist der frühere Finanzminister und Notenbankchef Mexikos auf das Beispiel der international gemeinsam beschlossenen Maßnahmen zu einer strengeren Regulierung von Banken nach der Finanzkrise 2008. Diese aufsichtsrechtlichen Reformen hätten die Banken gestärkt und deren Bedrohungspotenzial  für das Finanzsystem reduziert. Chefvolkswirt Borio hält die aktuelle Regulierung von Vermögensverwaltern für zu stark an der einzelnen Gesellschaft und am Schutz der Anleger ausgerichtet, aber zu wenig an der Finanzstabilität.

          Märkte und Notenbanken uneins

          Die jüngste Entwicklung an den Finanzmärkten war nach Ansicht der BIZ dadurch gekennzeichnet, dass die Märkte in ihrer Inflationseinschätzung nicht den Notenbanken folgten, die den Preisanstieg als nur vorübergehend einstufen. Dies habe sich an dem deutlichen Anstieg der Anleiherenditen, vor allem im kürzeren Laufzeitenbereich gezeigt. Die Stärke des amerikanischen Dollars habe die Finanzierungskonditionen in einigen Schwellenländern verteuert, wo die Notenbanken sich schon zuvor gegen den Inflationsdruck hätten stemmen müssen.

          Habe sich der Risikoappetit der Investoren in den Industrieländern im dritten Quartal noch als widerstandsfähig erwiesen, sei es Ende November durch die Omikron-Variante des Coronavirus zu einer Verunsicherung gekommen. Diese habe die Kursgewinne an den Aktienmärkten zuletzt wieder etwas eingegrenzt. Borio betrachtet die Omikron-Variante als Warnsignal, dass die Wachsamkeit für die Risiken der Pandemie nicht nachlassen dürfe.

          Seinen Worten zufolge kann die neue Virusvariante das Problem der Lieferkettenengpässe kurzfristig verschärfen, womit Auswirkungen auf die Wirtschaft unvermeidlich seien, vor allem im ersten Quartal 2022. Dies erschwere Notenbanken die Beurteilung des konjunkturellen Umfelds, auch mit Blick auf die Inflationsentwicklung.

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