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Bitcoin, Libra und Co. : Warum sich Trump so gegen Digitalwährungen sträubt

Schlechte Laune: Mit Libra will Trump nichts am Hut haben. Bild: Reuters

Die Pläne von Facebook für eine virtuelle Form von Geld schrecken Amerikas Präsidenten auf – und das aus einem ganz bestimmten Grund. Auch in Deutschland wird über die Zukunft des Geldes rege diskutiert.

          Der Plan des Internetkonzerns Facebook, mit Libra eine Art eigene Währung einzuführen, stößt nun auch auf den Widerstand des amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Er will Digitalwährungen rechtlich einschränken. Virtuelle Anlagen wie Bitcoin oder Libra, die Facebook im kommenden Jahr herausbringen will, sind bisher weitgehend unreguliert. Trump hält „Kryptowährungen“ für kein Geld. Den Begriff „Kryptowährung“ lehnt auch die Bundesbank ab, da die hohen Kursschwankungen dem Bitcoin die Eigenschaft als Wertaufbewahrungsmittel nehmen. Zudem ist die Bezahlung mit Bitcoin in Geschäften nahezu unmöglich oder sehr aufwendig. Damit fehlen dem Bitcoin zwei wesentliche Funktionen des Geldes.

          Markus Frühauf

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Nach Ansicht von Trump fußen diese Kryptoanlagen auf dünner Luft, schwankten stark im Wert und ermöglichten illegale Machenschaften wie Drogenhandel. Facebooks Libra werde ein geringes Ansehen genießen und wenig verlässlich sein, warnte Trump über den Kurznachrichtendienst Twitter. Sollten Facebook und andere Unternehmen anstreben, eine Bank zu werden, dann müssten sie sich der Bankenregulierung unterwerfen, forderte Trump. Er will mit seinem Vorstoß offenbar die Stellung des Dollars vor virtueller Konkurrenz schützen. „Wir haben nur eine reale Währung in den Vereinigten Staaten. Sie ist stärker denn je und sowohl verlässlich als auch sicher“, schrieb Trump auf Twitter. Der Dollar sei die mit Abstand dominierende Währung der Welt. Und so werde es immer bleiben.

          Fed sieht Facebooks Währung kritisch

          Die amerikanische Zentralbank Federal Reserve hat inzwischen eine Spezialgruppe gebildet, die mögliche Risiken des Währungsprojekts von Facebook identifizieren soll. Das hat Fed-Chef Jerome Powell während seiner Kongress-Anhörung in dieser Woche gesagt. Libra wecke große Befürchtungen. Themen wie das Recht auf Privatsphäre, Konsumentenschutz, Geldwäsche oder Finanzstabilität würden berührt. Das verlange eine besonders sorgfältige Überprüfung, bevor Libra herausgebracht werden könne.

          Facebook lässt die virtuelle Währung entwickeln, damit seine 2,4 Milliarden Nutzer auf der ganzen Welt sich so einfach Geld schicken können wie jetzt Fotos, unter anderem über die Kurzmitteilungsdienste Whatsapp und Messenger. Libra zielt auch auf Personen, die keinen leichten Zugang zu Finanzdienstleistungen haben oder mit hohen Gebühren für Geldtransfers leben müssen. Der Wert von Libra soll an klassische Währungen gekoppelt sein, im Unterschied zu Bitcoin. Libra versteht sich deshalb als Stablecoin, also als stabiles Geld. Als Sicherheiten sollen kurzfristige Staatsanleihen und Bankeinlagen dienen.

          „Die Größe von Facebooks Netzwerk bedeutet, dass Libra unmittelbar systemrelevant sein könnte“, warnte Powell. Das verlange schärfste Regulierung und höchste Standards zum Schutz privater Daten. Eine Einführung binnen einen Jahres, wie von Facebook geplant, hält Powell deshalb für unrealistisch. Facebook-Vertreter kommen in der kommenden Woche nach Washington, um dem Kongress Rede und Antwort zu stehen. Sie haben im Vorfeld signalisiert, eng mit Regulierern zusammenarbeiten zu wollen. Facebook hat bisher nicht erkennen lassen, dass es eine Banklizenz anstrebt.

          Facebook schweigt zur Bankenlizenz

          Auch in Deutschland sorgt Libra für Diskussionen. „Was wird der Halter für seine Libra bekommen? Hat er einen einklagbaren Rückzahlungsanspruch? Wie sieht sein Schutz aus, wenn die hinterlegten Sicherheiten im Wert sinken oder ausfallen? Viele Fragen – aber noch keine Antworten“, antwortete Burkhard Balz, im Vorstand der Bundesbank für Zahlungsverkehr zuständig, auf eine Anfrage der F.A.Z. Am Freitag fand in Frankfurt zu dem Thema eine Podiumsdiskussion statt, die der Bundesverband deutscher Banken (BDB) veranstaltet hat. „Viele Dinge sind noch nicht bekannt“, sagte Dirk Schrade, stellvertretender Leiter für Zahlungsverkehr und Abwicklungssysteme der Bundesbank. Von einer Salamitaktik Facebooks sprach Philipp Sandner, Professor an der Frankfurt School of Finance&Management. Seiner Ansicht nach wird Libra über den öffentlichen Diskurs geformt. Sandner hat vor allem datenschutzrechtliche Bedenken.

          Libra: Facebooks angekündigte Kryptowährung

          Facebook sucht den Kontakt zu den Aufsichtsbehörden. Darüber hinaus soll nicht der Internetkonzern Libra herausgeben, sondern die in Genf ansässige Libra Association – ein Konsortium von großen Internetplattformen und Zahlungsdienstleistern. Dazu gehören die Kreditkartenanbieter Mastercard und Visa, der Online-Zahlungsdienst Paypal, der Internet-Marktplatz Ebay, der Fahrdienst Uber oder der Musikstreamingdienst Spotify. Schrade verwies auf die mit Ausnahme der schwedischen Plattform Spotify ausschließlich amerikanische Zusammensetzung des Konsortiums.

          Sollte Libra mit Staatsanleihen unterlegt werden, werde das Konsortium zu einem der größten Investoren an den internationalen Anleihemärkten, erwartet Michael Spitz, Geschäftsführer von Main Incubator, der auf neue Finanztechnologien ausgerichteten Forschungs- und Entwicklungseinheit der Commerzbank. Er schätzt das dafür notwendige Anleiheportfolio auf 40 bis 60 Prozent des Volumens, das der amerikanische Vermögensverwalter Pimco aufweist. Die auf Anleihen spezialisierte Tochtergesellschaft der Allianz verwaltet ein Vermögen von knapp 1,8 Billionen Dollar.

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