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Bitcoin-Fachmann im Gespräch : „Warten Sie mal ein paar Monate ab“

Der Bitcoin ist ein Spekulationsobjekt. Bild: Reuters

Bedeuten die aktuellen Wertverluste das Ende der Bitcoin-Hausse? Philipp Sandner leitet das Blockchain-Center der Frankfurt School of Finance & Management – und glaubt eher an das Gegenteil.

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          Herr Sandner, setzt jetzt die Bitcoin- Entzauberung ein?

          Inken Schönauer
          Redakteurin in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.

          Nein, überhaupt nicht. Der Preis ist das Ergebnis von Angebot und Nachfrage. Man sollte auch angesichts der Turbulenzen nicht vergessen, woher der Bitcoin kommt. Vor einem Jahr stand er noch bei 10.000 Dollar, vor rund dreieinhalb Jahren bei 1200 Dollar.

          Der Bitcoin ist also nicht am Ende?

          Keineswegs. Warten Sie mal ein paar Monate ab, bis sich die Inflationssorgen noch weiter verstärkt haben. Dann werden Anleger nach Assets suchen, in die sie investieren können, dann kommt den Kryptowährungen eine ganz neue Bedeutung zu und der Wert könnte wieder steigen. Und wir dürfen nicht vergessen, dass Ethereum – die zweitgrößte Kryptowährung – zu dem größten Blockchain-Ökosystem der Welt geworden ist, mit Zehntausenden von Programmierern.

          Der Tesla-Chef Elon Musk hat die Turbulenzen ordentlich befeuert. Erst indem er twitterte, dass man mit Bitcoin jetzt auch bezahlen könnte. Danach, als er zurückruderte, dass das jetzt doch nicht mehr ginge. Zeigt das nicht das Dilemma, dass es in der Kryptowelt viel zu erratisch zugeht?

          Der ganze Vorgang zeigt, dass die Leute sich viel zu wenig mit den Themen Blockchain und Bitcoin beschäftigen. Das ist das eigentliche Dilemma. Wie kann man denn so kopflos die eigene Anlageentscheidung treffen? Es ist doch völlig verrückt, dass ein einziger Mann mal eben mehrere hundert Milliarden Dollar bewegen kann und so viele Leute folgen. Warum lassen sich Anleger so schnell in beide Richtungen leiten?

          China hat zu der Abwärtsbewegung ja jetzt mit beigetragen. Wie bewerten Sie das?

          Jedes Land geht mit den Kryptothemen anders um. In liberalen Ländern wie Deutschland geht es bei der Diskussion um Bitcoin und Co vor allem darum, dass Geldwäsche und Steuerbetrug vermieden werden. Ansonsten darf vieles ausprobiert werden. In Ländern wie Indien oder der Türkei haben Regierungen Sorge, dass sich neue Währungen als dauerhafte Ausweichwährung etablieren. Und in China will der Staat die Kontrolle behalten. Das sind sehr unterschiedliche Ansätze. Wichtig ist anzuerkennen, dass Blockchain und Kryptowährungen sich nur sehr schwer voneinander trennen lassen.

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