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Aus Drogengeschäften : Deutsche Justiz versteigert erstmals Bitcoin

Staatsanwalt Andreas Brück, zeigt während einer Pressekonferenz ein Paper Wallet für Bitcoin Bild: dpa

Der Wert für die beschlagnahmte Ware geht weit in die Millionen hinein. Doch warum verkauft der Staat sie nicht einfach?

          3 Min.

          Solch einen Andrang hat die Kölner Staatsanwaltschaft nicht alle Tage – zumindest virtuell. Während im Sitzungssaal 362 eine normale Pressekonferenz stattfand, schauten Tausende online zu. Es ging um die Digitalwährung Bitcoin, und wie immer, wenn es momentan um die älteste und damit bekannteste Cyberdevise geht, ist das Interesse groß. Nicht ohne Grund, sie bewegt sich momentan auf einem Rekord-Preisniveau von rund 62 000 Dollar. Das zieht naturgemäß viele Glücksritter an. Und die Staatsanwaltschaft Köln – genauer gesagt die Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime, kurz ZAC – wollte sich darüber äußern, dass sie nun beschlagnahmte Bitcoin versteigert. Schaut man sich sonst so an, was die Justiz versteigert, fällt die Digitalwährung schon auf: Zwischen Bürostühlen, Suppenkübeln und einem knallgelben Sportwagen der Marke Lotus findet sich da nun auch Bitcoin.

          Franz Nestler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Um zu erklären, warum sie die Bitcoin nun versteigert, hat sie relativ großes Geschütz aufgefahren – unter anderem Peter Biesenbach (CDU), der geschäftsführende Minister der Justiz in Nordrhein-Westfalen. Er erklärte, dass diese Versteigerung „rechtlich durchaus komplex“ sei. Deswegen habe man sich für das eigene Portal Justiz-Auktion.de entschieden, um alle Vorgaben einzuhalten. Das sei ein innovatives Konzept. Insgesamt werden nun 215 Bitcoin versteigert – zum aktuellen Preis haben diese einen Gegenwert von fast 12 Millionen Euro. Weitere 250 Bitcoin sind beschlagnahmt und noch für die Versteigerung vorgesehen. Zum Start des Countdowns drückte der Justizminister einen ebenfalls virtuellen grünen Knopf. Schmunzelnd erklärte er: „Der Finanzminister drückt uns die Daumen“ – immerhin fließt das Geld direkt in die Staatskasse.

          Großteil aus Drogengeschäften

          Markus Hartmann, der als Oberstaatsanwalt die ZAC leitet, erklärt, dass der Großteil der beschlagnahmten Bitcoin aus dem Handel im Netz stammen. Hier gehe es vor allem um virtuelles Geld aus Drogengeschäften. Dieses überhaupt zu finden sei aktuell eine der größten Herausforderungen. Die Datenträger, auf denen sich das virtuelle Geld befindet, seien manchmal nur winzige Speicherkarten, die kaum die Größe eines Fingernagels haben. Dafür werden mittlerweile sogar spezielle Datenträgerspürhunde eingesetzt. Diese können einen speziellen Mischgeruch – etwa von verbauten seltenen Erden und Legierungen – wahrnehmen, der nur Handys oder Datenträgern anhaftet. Aber auch hier gilt: Je kleiner das Objekt, desto schwieriger wird es auch zu finden sein. Trotzdem habe man aktuell keine großen Probleme, auf die Wallets, in denen die Digitalwährungen gespeichert werden, zuzugreifen.

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          Insgesamt sind nun erstmal 15 Auktionen geplant, wie der zuständige Staatsanwalt Andreas Brück erklärt. Die Auktionsdauer beträgt dann zwei Tage, die Staffelungsgrößen liegen zwischen 0,1 und 10 Bitcoin. Der Startpreis liegt bei 80 bis 90 Prozent des Tageskurses. Die Bitcoin können nicht mehr einzelnen Delikten zugeordnet werden. Die versteigerten Bitcoin werden dann auf Papier ausgehändigt. Darauf steht dann alles Wissenswerte, damit der Käufer an die Digitalwährung kommt. Sie kann auch zu den üblichen Transaktionsgebühren versendet werden.

          Verwertung, keine Spekulation

          Am Montag wurde nun ausschließlich mit der Versteigerung von Bitcoin begonnen, doch es gibt auch Bestände anderer Digitalwährungen – diese seien allerdings sehr gering. Als Beispiele nennt Staatsanwalt Brück unter anderem Monero oder Ripple. Die Justiz kann die Bitcoin übrigens nicht einfach so verkaufen. Das Justizministerium erklärte dazu: „Die Verwertung eingezogener Gegenstände erfolgt in der Regel durch öffentliche Versteigerung. So sieht es das Gesetz vor. Nach der zu Grunde liegenden Rechtsauffassung, der wir folgen, gilt das auch für Bitcoin.“ Brück erklärt auch, dass man eben nicht auf einen passenden Zeitpunkt gewartet habe zur Versteigerung. „Der Auftrag ist nicht Spekulation, sondern Verwertung. Nur das leitet uns“, sagt der Staatsanwalt.

          Die Auktion erfreute sich im Anschluss großer Beliebtheit. Der erste eingestellte Bitcoin verzeichnete bis Montagnachmittag schon 23 Gebote. Rund 13.000 Menschen haben sich die Auktion schon angesehen. Dabei übertreffen die Auktionspreise teilweise schon den aktuellen Marktwert. Die Spekulationen, warum dem so ist, greifen weit: „Vielleicht, weil man weiß, dass man von uns die Ware auch bekommt“, sagte eine Justizsprecherin. Auf Twitter wird dagegen gemutmaßt, dass das Papier mit dem QR-Code auch Sammlerwert habe. Oder dass die Käufer ganz simpel Dollar und Euro-Kurs verwechselt haben. Das wiederum würde zu dieser ungewöhnlichen Auktion auch wiederum irgendwie passen.

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