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Bildungsmigration : Chinas Studenten stürmen Amerika

Bild: AP

Der Bildungsmarkt in den Vereinigten Staaten lockt immer mehr Studenten an. Besonders gilt das für Studenten aus China, Indien, Asien und arabischen Ländern. Europa und Japan fallen zurück.

          Wer verstehen will, wie die Wirtschaftswelt sich verändert hat und sich verändern wird, der schaue sich diese Zahlen genau an. Vor fünfzehn Jahren studierten 54.000 Chinesen in den Vereinigten Staaten. Zuletzt waren es fünf Mal so viel, 275.000. Damit stellen die Chinesen mit 31 Prozent das größte Kontingent der ausländischen Studenten in Amerika. Das zeigt eine Analyse, die das Institute of International Education in New York jetzt zusammengetragen hat.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Es folgt Indien mit 103.000 Studenten oder zweieinhalb Mal so viel wie vor 15 Jahren. Südkorea stellt 68.000 und Saudi Arabien 54.000 Studenten. Das arabische Land hat seine Studentenzahl in Amerika in 15 Jahren verzehnfacht. Auch Brasilien und Vietnam haben ihre Studentenzahlen in Amerika drastisch vergrößert und sind – wie Saudi-Arabien – unter die ersten zehn Plätze vorgerückt.

          Europa und Japan fallen zurück

          Wo sind die Europäer? Das Vereinigte Königreich mit Sprachvorteil liegt auf Rang 13 mit 10.200 Studenten, Deutschland knapp dahinter auf Rang 14. Auffällig ist: Im Vergleich zur Spitzengruppe hat sich gerade die Zahl der deutschen Studierenden in Amerika in den vergangenen 15 Jahren kaum verändert. Das signalisiert ein im Vergleich mit anderen Ländern nachlassendes Interesse. Die Zahl der studentischen Kontakte aber ist ein wichtiger Faktor dafür, wie leicht sich später wirtschaftliche Kontakte mit den Vereinigten Staaten knüpfen und pflegen lassen. Deutschland fällt in dieser Hinsicht im Vergleich also zurück.

          Wie eine solche Entfremdung sich über lange Zeit bemerkbar macht, zeigt das Beispiel Japan. Vor fünfzehn Jahren studierten 47.000 Japaner in Amerika. Zuletzt waren es nur noch 19.000. Das hängt mit der Alterung der japanischen Gesellschaft zusammen, auf die auch Deutschland zusteuert, aber auch mit der zunehmenden Neigung junger Japaner, das bequeme Leben zuhause den Anstrengungen in der Fremde vorzuziehen.

          Bildung im Wettbewerb

          Europa hält seine Spitzenstellung als Ort der ersten Wahl für ein Auslandsstudium von Amerikanern. Das Vereinigte Königreich, Italien, Spanien und Frankreich führen die Rangliste an. Erst dann folgt China und mit einigem Abstand Deutschland.

          Insgesamt zeigt sich, dass erheblich mehr Ausländer in Amerika studieren wollen als umgekehrt. 289.000 Amerikaner studierten zuletzt im Ausland, 886.000 Ausländer dagegen in den Vereinigten Staaten. Diese sehen die Bildung schon lange als so wichtig an, dass man sie besser als Geschäft im Wettbewerb privater Hochschulen und Universitäten betreibt anstatt sie staatlicher Gängelung zu unterwerfen. Das ist nicht nur in der Qualität der Ausbildung, sondern auch wirtschaftlich ein einträgliches Geschäft. Mit Studiengebühren und sonstigen Ausgaben lassen die ausländischen Studenten rund 27 Milliarden Dollar im Jahr im Land, hat das Institut errechnet.

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