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Bidens Wahlsieg : Aktienkurse steigen um 2 Prozent

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Bidens Wahlsieg sorgt an den Finanzmärkten für gute Stimmung - und lässt etwa den japanischen Yen abwerten. Bild: dpa

Der Wahlsieg Joe Bidens sorgt an den Märkten rundum für Optimismus. Einige warnende Stimmen gibt es aber dennoch.

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          Der Sieg von Joe Biden bei den amerikanischen Präsidentschaftswahl hat den Aktienmärkten Auftrieb beschert. Der mit 100 Werten den deutschen Aktienmarkt breit abbildenden F.A.Z.-Index stieg zur Handelseröffnung um rund 2 Prozent auf 2232 Punkte. Der Standardwerte-Index Dax legt ebenso deutlich auf 12.735 Zähler zu. Schon in der Vorwoche zuvor hatte der deutsche Aktienmarkt um 7,5 Prozent kräftig zugelegt und sich trotz der Unsicherheiten während der Wahl von seinen jüngsten Verlusten fast vollständig erholt.

          Mit dem Sieg Bidens weiche die Unsicherheit, sagte Marktstratege Stephen Innes vom Broker Axi. Die Schwankungen dürften nun merklich nachlassen. Zusammen mit den Stützungsmaßnahmen der Notenbanken zur Abfederung der negativen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie könnte die Börsenrally daher auch nach der Wahl erst einmal weitergehen.

          Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners kommentierte: „Offenbar trauen es die Anleger dem Duo Biden/Harris zu, aus den gespaltenen Staaten von Amerika wieder United States zu formen.“ Gut ankommen dürfte wohl auch, dass Biden und die künftige Vize-Präsidentin Kamala Harris den Kampf gegen die Covid-19-Pandemie vom ersten Tag im Amt an verschärfen wollten. Dies sei wichtig, „wird die immer schnellere Ausbreitung der Pandemie doch zur immer größeren Gefahr für die Wirtschaft“.

          Einige Beobachter fürchten jedoch kurzfristig negative Folgen. Da es nicht danach aussehe, dass Donald Trump eine Wahlniederlage einräumen werde, könne dies dazu führen, dass ein neues Hilfsprogramm um mindestens einen Monat verzögert werde, meint Vermögensverwalter Markus Schön. Zudem dürften die ohnehin schon schwachen Bemühungen der Trump-Regierung, das Corona-Virus einzudämmen, völlig zum Erliegen kommen. Das könnte Biden später zwingen, ähnliche Maßnahmen wie in Europa ergreifen, was die Wirtschaft zusätzlich belasten könnte.

          An den Märkten jedoch wird diese Gefahr derzeit noch nicht gesehen. Die Aussicht auf ein vernünftiges Verhandlungsklima bei Handelsfragen lasse die deutsche Exportwirtschaft frohlocken, sagt etwa Thomas Gitzel, Chef-Volkswirt der VP Bank. Gefragt waren etwa die Autozulieferer Hella und Schaeffler, deren Aktien sich um jeweils mehr als 4 Prozent verteuerten. Auch Lufthansa gewannen deutlich.

          Schon in Asien gab es deutliche Kursaufschläge. Durch Bidens Sieg sinke die Gefahr internationaler Handelskriege, so das Räsonnement. Außerdem setzten Investoren auf eine verstärkte Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie und die Verabschiedung weiterer Hilfspakete. In China sorgte zudem das überraschend starke Exportwachstum im Oktober für Freude. Der CSI-300-Index legte um 2 Prozent auf 4981 Punkte zu, für den Hang-Seng-Index ging es um 1 Prozent auf 25.974 Punkte hoch. Derweil büßten die Aktien von JA Solar Technology an der Börse von Shenzen wie schon am Freitag die dort maximal möglichen zehn Prozent ein. Der Solarzellenentwickler hatte am Sonntag mitgeteilt, dass sein Mitgründer, Großaktionär und Chef Jin Baofang, sich einer Befragung der Behörden stellen müsse. Auf die Geschäftsaktivitäten des Unternehmens habe die Untersuchung aber keinen Einfluss.

          In Tokio schloss der Nikkei 225 zu Wochenbeginn mit einem Kursgewinn von 2,1 Prozent bei 24.840 Punkten. Schon am Freitag hatte sich der japanische Leitindex auf dem höchsten Stand seit November 1991 aus dem Handel verabschiedet. Dem japanischen Aktienmarkt gäben starke Firmenbilanzen Zusatzschub, sagte Anlagestratege Takuya Hozumi von der Bank Mitsubishi UFJ Morgan Stanley. "Sie erholen sich schneller als erwartet." Besonders positiv sei das gute Abschneiden der Autobauer.

          Auch die Ölpreise legten kräftig zu. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Montagmorgen 40,29 Dollar. Das war rund ein Dollar mehr als am Freitag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen -Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um rund 80 Cents auf 37,96 Dollar. Die Erwartung einer berechenbareren und stetigeren Politik und die Hoffnungen auf ein Konjunkturpaket trieben auch die Preise von Öl und Gold, sagte Will Sungchil Yun, leitender Rohstoffanalyst bei VI Investment der Nachrichtenagentur Bloomberg. Allerdings werde die Volatilität anhalten, derweil Trump den Prozess der Machtübergabe verzögere und in Europa die zweite Welle der Corona-Pandemie anhalte.

          Der Euro wertete am Morgen leicht auf 1,1869 Dollar ab, während der Dollar-Index weiter darum kämpft sein Zweieinhalb-Jahres-Tief aus dem August nicht zu unterschreiten. Gegenüber dem chinesischen Renminbi fiel der Dollar mit 6,5912 Yuan auf den niedrigsten Stand seit etwa zweieinhalb Jahren. Im weniger stark reglementierten Offshore-Handel wird der Dollar sogar aktuell mit 6,5656 Yuan gehandelt. Tommy Xie, Chef-Analyst für China bei der OCBC Bank warnt aber vor überzogenem Optimismus. Es bestehe weiterhin das Risiko, dass die amerikanische Politik die Gegnerschaft zu China dazu nutzen werde, um die tief gespaltene Gesellschaft zu einen.

          Im Fokus steht weiter auch die türkische Lira. Nachdem die türkische Währung am Freitag abermals Rekordtiefs im Handel mit dem amerikanischen Dollar und dem Euro erreicht hatte, setzte die Lira die Talfahrt zum Wochenauftakt vorerst nicht weiter fort. Am Morgen hatte der neue Notenbankchef des Landes Naci Agbal angekündigte, dass die Zentralbank notwendige geldpolitische Entscheidungen treffen werde. In der Nacht zu Samstag hatte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ohne Begründung Agbals Vorgänger Murat Uysal entlassen. Agbal war von 2015 bis 2018 Finanzminister. Am Sonntag war außerdem der Schwiegersohn Erdogans, Berat Albayrak (42), „aus gesundheitlichen Gründen“ als Finanzminister zurückgetreten. Er wolle nun Zeit mit seiner Familie verbringen, schrieb er in einer Erklärung auf Instagram.

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