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BHP Billiton : Kampf um den Rohstoff der Zukunft

Nahe der weltgrößten Kupfermine Antofagasta in Chile - doch ist das auch der richtige Rohstoff für die Zukunft? Bild: Reuters

Für manche Unternehmen ist eine Krise auch eine Chance: Im Erzgeschäft läuft es prächtig, für BHP Billiton stellt sich nun die Frage, auf welchen Rohstoff man in der Zukunft setzt. Darüber ist ein Richtungsstreit entbrannt.

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          Am Dienstag legte die Aktie des weltgrößten Bodenschatzkonzerns BHP Billiton an der Börse in Sydney um gut 10 Prozent zu. Zuvor hatte sie seit Mitte Januar fast 40 Prozent ihres Wertes verloren – dabei war auf der Kommandobrücke von BHP keinerlei Verzweiflung zu spüren: Zwar behindert das Coronavirus den Geschäftsfluss rund um die Erde massiv und in immer tieferen Ebenen. Und besonders China, der Hauptabnehmer von Erz, Kohle und Kupfer der Australier war über Wochen tief getroffen. Doch konnte BHP, jenseits aller menschlichen Schicksale, unter seiner neuen Führung der Krise durchaus etwas Positives abgewinnen: „Natürlich bin ich mir nicht sicher, dass aus all dem irgendeine Chance entsteht, aber falls, dann sind wir jederzeit bereit zu handeln“, sagt Ken MacKenzie, der Vorsitzende des Verwaltungsrates von BHP.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Das war nicht immer so, denn wie andere Rohstoffriesen war BHP über Jahre überschuldet, Schmalhans war Küchenmeister, es wurde gespart. Allmählich kam die Gesundung. „Wir haben das Geschäft so aufgestellt, dass wir, selbst wenn der Boden der Krise mehrere Jahre dauert, nicht nur ums Überleben kämpfen, sondern aktiv wachsen“, sagt MacKenzie. Das scheint leicht, wenn die Förderkosten je Tonne Erz für BHP bei derzeit 13 Dollar liegen, der Markt aber immer noch um die 90 Dollar zahlt – ausgepreist werden bei solchen Kostenstrukturen nicht die Branchenriesen, sondern die kleineren Minen in China und dem restlichen Asien. Erz steuert rund 70 Prozent zum Gewinn von BHP bei. Auch Elizabeth Gaines, Chefin der Fortescue Metals Group, dem drittgrößten Erzkonzern Australiens, kann kein Nachgeben der chinesischen Nachfrage erkennen: „Chinas Hochöfen schmelzen weiter Erz und wir verschiffen so, wie wir das vor dem Virus gemacht haben. Allerdings schauen wir genau auf die Stahl-Lager: Und die sind auf den höchsten Stand aller Zeiten gewachsen.“ Die hohe Nachfrage liegt auch daran, dass der australische Erz-Konkurrent Brasilien aufgrund starker Unwetter nicht ausreichend liefern kann. Die Vorratshaltung der Chinesen könnte damit zu tun haben, dass sie beim Abschwächen der Coronakrise mit einem Nachholverbrauch rechnen.

          MacKenzie aber geht es um mehr als Erzpreise. Sein Konzern sitzt auf einer gut gefüllten Kriegskasse von gut 14 Milliarden Dollar. Die Schulden wurden in den vergangenen Jahr auf nun noch rund 12 Milliarden Dollar mehr als halbiert. Und auch wenn der neue Vorstandsvorsitzende Mike Henry zunächst andere Ziele als ein rasches externes Wachstum auf seine Fahnen geschrieben zu haben scheint, drückt MacKenzie auf den Gashebel.

          Als großes Ziel erscheint dabei die Ausweitung des Portfolios in den Bereich Kali. Das Düngemittel könnte einer der Rohstoffe der Zukunft werden, da es hilft, die Nahrungsmittelkrise anzugehen. Schon Henrys Vorgänger Andrew Mackenzie ließ den Ausbau der kanadischen Kali-Mine Jansen prüfen: Er sollte mindestens 5,3 Milliarden kosten, die Förderung würde im Jahr 2026 beginnen. In Zeiten von Corona aber haben sich die Vorzeichen gewandelt: Denn der Börsenwert eines der beiden großen Kali-Förderers der Welt, der kanadischen Mosaic, ist nach einem Sturz um rund 50 Prozent auf unter 5,3 Milliarden Dollar gefallen – Henry also könnte über Nacht eine jährliche Kali-Förderung von 10,5 Millionen Tonnen kaufen, ließe er den Jansen-Ausbau liegen. Zumal die Branche davor warnt, dass der Markt den zusätzlichen Ausstoß von Jansen-Kali gar nicht werde aufnehmen können.

          Die höchste Hürde, die Henry nehmen müsste, ist er wohl selbst. Denn seit Amtsantritt zum Jahresbeginn hat er immer wieder erklärt, er sei an Großübernahmen nicht interessiert, sondern konzentriere sich auf die Steigerung der Produktivität. Und wenn das Portfolio gestärkt werden sollte, dann bei Kupfer und Nickel, die für die Elektromobilität wichtig sind. Erst MacKenzies Kommentare in der vergangenen Woche deuten einen Richtungsschwenk oder aber eine intensive Debatte im Verwaltungsrat von BHP an. Zumal die sinkenden Preise für Öl und Gold zusätzliche Übernahmechancen eröffnen könnten.

          Einfach dürfte ein Mosaic-Kauf freilich nicht werden. 2010 hatte BHP noch 40 Milliarden Dollar für die damalige Potash Corporation of Saskatchewan geboten, die heute als Weltmarktführer unter dem Namen Nutrien firmiert. Die kanadische Regierung aber verbot den Verkauf an die Australier. MacKenzie zeigt sich gleichwohl in Angriffsstimmung: „Was wir wissen ist, dass Werte für ein Unternehmen am tiefsten Punkt des Zyklus geschaffen werden.“ Die Analysten von Goldman Sachs hatten vergangene Woche ihren Zielpreis für die Aktie von BHP – und deren Hauptkonkurrenten Rio Tinto – verringert: Nun liegt er statt bei 41,80 nur noch bei 39 Dollar je Aktie. Selbst nach dem Preisanstieg von 10 Prozent am Dienstag ist das allerdings ein Hoffnungswert: Denn die Aktie von BHP pendelt gerade knapp unter 28 Dollar.

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