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Bewertungsmodelle : Peer-Group-Methode - Nicht alles ist vergleichbar

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Nicht alles lässt sich vergleichen Bild:

Helfen „normale“ Bewertungsmodelle nicht mehr weiter, wird oft die „Peer-Group-Methode“ verwendet. Eine eher zweifelhafte Geschichte.

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          Aktien - und damit Unternehmensbewertung - ist schon eine seltsame Geschichte. Der übliche Weg führt über die Bilanz eines Unternehmens. Ein potenzieller Anleger schaut sich an, welche Gewinne ein Unternehmen erzielt, überlegt sich, wie das in der Zukunft aussehen könnte - und setzt dann seine Einschätzung ins Verhältnis zum Aktienkurs. Glaubt er an den weiteren Erfolg des Unternehmens und hält die gehandelten Papiere für fair bewertet, dann wird er zuschlagen und sich ein paar Werte ins Depot legen.

          Problematisch wird es dann, wenn ein Unternehmen keine Gewinne erzielt oder in einem Bereich tätig ist, der unheimlich schnell wächst - oder gar beides zusammen. Was aber dann?

          Peer-Group-Vergleich als Ausweg?

          Dann kann ein Blick in die Zukunft helfen: da stellt sich die Frage nach der Branchen - und Konjunkturentwicklung oder nach den spezifischen Fähigkeiten des betrachteten Unternehmens. Ist das Geschäftsmodell überhaupt geeignet, Gewinne zu generieren und wenn - wann und in welcher Höhe? Ist das Management überhaupt in der Lage, den Turn-Around zu schaffen und in die Gewinnzone zu kommen?

          Da für die Beantwortung dieser Fragen vielfach keine verlässlichen Daten zur Verfügung stehen, wird nach Methoden gesucht, trotzdem zu einer Aussage zu gelangen. Eine dieser oft verwendeten Methoden ist der so genannte „Peer-Group-Vergleich“. Auf deutsch heißt das: Vergleich mit einem Konkurrenzunternehmen.

          Beliebt in der Internet-Branche

          Beliebt und ganz groß in Mode kam diese Methode mit der „Interneteuphorie“ bis ins Jahr 2000. Denn reagieren komplexere Modelle wie etwa die DCF-Methode schon bei etablierten Unternehmen ziemlich ergebnissensitiv auf Änderungen der Rahmendaten, so sind sie bei jungen Unternehmen in jungen Branchen kaum vernünftig anzuwenden. Ob da die Peer-Group-Methode weiterhilft, ist allerdings eine andere Frage.

          Ist es denkbar, dass global gesehen kleinere Unternehmen mit genau demselben Geschäftsmodell im selben Markt oder Segment tätig sind, so wird das mit zunehmender Arbeitsteilung und Spezialisierung immer schwieriger. Ein direkter Vergleich dürfte wohl nur bei Unternehmen mit einfachen Produkten und Dienstleistungen möglich sein. Größere Einheiten setzen sich in der Regel aus verschiedenen Sparten zusammen. Sie sind damit kaum vergleichbar.

          Qualität der „Benchmark“ entscheidend

          Und selbst wenn verschiedene Unternehmen vergleichbar sein sollten, stellt sich immer noch die Frage nach der Qualität der gewählten „Benchmark“. Ist die zweifelhaft, so wird sich kaum eine vernünftige Aussage machen lassen. So ist offensichtlich auch das „Pricing“ von Neuemissionen an der Nasdaq und am Neuen Markt oft unter Verwendung von „Peer-Group-Vergleichen“ durchgeführt worden. Mit entsprechenden Folgen. Openshop beispielsweise wurde beim Börsengang mit Intershop zu seiner „Hochzeit“ verglichen und entsprechend hoch bewertet. Folge: Nach dem Börsengang ging es nur noch nach unten - von 112 Euro in der Spitze auf knapp sieben Euro im Sommer 2002.

          Merke: Sind mit einem „normalen“ Bewertungsmodell keine vernünftigen Ergebnisse zu erzielen, so sollte man sich nicht unbedingt auf den „Peer-Group-Vergleich“ einlassen. Dieser dürfte wohl nur unter Einschränkungen in etablierten Branchen zu sinnvollen Ergebnissen führen - und auch dann nur in Kombination mit anderen Kriterien. Stellen Analysten oder Banker also bei ihren Empfehlungen allein auf die „Peer-Group-Methode“ ab, so ist das beinahe der Offenbarungseid.

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