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Finanzhaus im Umbruch : Bethmann Bank gibt Stammsitz auf

Standort mit Geschichte, aber in Zukunft ohne Bank: Der Bethmannhof in Frankfurt Bild: Fabian Fiechter

In der gut 250 Jahre alten Bethmann Bank ändert sich einiges. Der neue Chef Hans Hanegraaf treibt den Personalabbau voran und renoviert die IT. Außerdem verlässt die Bank den Bethmannhof.

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          Der Bethmannhof, ein Steinwurf entfernt von Römer und Paulskirche etwas versteckt hinter Mauern gelegen, gehört zu den Sehenswürdigkeiten Frankfurts. Hier, in der Bethmannstraße 7 bis 9, hat die Bethmann Bank ihren Stammsitz. Gegründet 1748 von den Brüdern Bethmann, finanzierte sie Goethe 1786 seine Reise nach Italien und von 1887 an den Bau des Eiffelturms in Paris. 2004, als die Bethmann Bank von der holländischen Bank ABN Amro gekauft wurde und mit den beiden Privatbanken Delbrück und Maffei fusionierte, mussten die Mitarbeiter schon einmal für ein Jahr während einer Kernsanierung den Bethmannhof verlassen. Bald steht der endgültige Abschied an.

          Hanno Mußler
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie die F.A.Z. erfahren hat, unterschrieb die Bethmann Bank am Montag einen zehn Jahre laufenden Mietvertrag für das Marienforum direkt gegenüber den Zwillingstürmen der Deutschen Bank und dem Sitz der Dekabank. Dort beziehen vom 1. Quartal 2019 an der Großteil der derzeit 560 Bethmann-Mitarbeiter den sogenannten Sockel auf der „Marieninsel“, die gerade eine große Baustelle ist. Der zehngeschossige Sockel ist 40 Meter hoch und an der Mainzer Landstraße dem Marienturm vorgelagert, der 155 Meter hoch ragen wird. Dort wird unter anderen Goldman Sachs einziehen. Die Bethmann Bank und das deutsche Firmenkundengeschäft von ABN Amro werden als Ankermieter im Sockel sechs von zehn Stockwerken und damit 70 Prozent der Gesamtfläche von 11.950 Quadratmetern belegen.

          „Langsam, nicht so schnell, mein Freund“

          Was aus dem in Teilen unter Denkmalschutz stehenden Bethmannhof wird, ist offen. Über eine Weiterentwicklung und künftige Nutzung laufen Gespräche zwischen der Stadt Frankfurt und den Eignern, darunter ABN Amro. Die Bethmann Bank wird jedenfalls ausziehen. Als ein Grund wird genannt, dass der Bethmannhof mit seinen wenigen Fenstern wenig einladend sei für Kunden. Auch Raumkonzepte für moderne Arbeitsformen ließen sich im Bethmannhof schwer umsetzen. Mitarbeiter müssen heute schnell zu Besprechungen zusammenkommen können, brauchen aber für bestimmte Tätigkeiten auch Rückzugsmöglichkeiten in Einzelbüros. Ein Umbau hätte Jahre gedauert.

          Dass die Bethmann Bank ihren Stammsitz aufgibt, hat etwas Symbolisches. Denn an Abschiede und Umstrukturierungen mussten sich die Bethmann-Mitarbeiter in den vergangenen Monaten schon zuhauf gewöhnen. Im Sommer 2017 hat sich Horst Schmidt nach zehn Jahren als Vorstandsvorsitzender mit 51 Jahren etwas überraschend verabschiedet. In Schmidts Amtszeit wurden fünf Banken hinzugekauft, zuletzt das deutsche Privatkundengeschäft der Credit Suisse. Obwohl auch Effizienzreserven gehoben wurden, stand doch die Expansion im Vordergrund. Bethmann hat sich, zumindest nach den ausgewiesenen Kundengeldern von zuletzt 39,2 Milliarden Euro, zur Nummer drei hinter Deutscher Bank und Commerzbank in der Vermögensverwaltung für betuchte Privatkunden (Private Banking) aufgeschwungen.

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