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F.A.Z. exklusiv : Bethmann-Bank-Chef Horst Schmidt tritt zurück

Horst Schmidt tritt als Chef der Bethmann Bank ab. Bild: Bethmann Bank

Nach 10 Jahren an der Spitze der Bethmann Bank legt Horst Schmidt mit 51 Jahren sein Amt nieder. Er nimmt sich eine Auszeit und will sich auf andere Dinge besinnen.

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          In der Bethmann Bank kommt es zu einem überraschenden Wechsel an der Vorstandsspitze. Wie die F.A.Z. erfahren hat, wird der seit 2007 amtierende Vorstandsvorsitzende Horst Schmidt im Sommer sein Amt niederlegen. Einen Nachfolger will die niederländische ABN Amro Bank, zu der Bethmann gehört, bald bekannt geben.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Schmidt hat sich entschlossen, keine neue Aufgabe innerhalb des ABN-Amro-Konzerns anzunehmen, sondern will sich ganz neu orientieren. Damit geht vorläufig eine heute seltene Bankerkarriere zuende. Schmidt hat nicht studiert, sondern begann im Alter von 16 Jahren seine Berufslaufbahn als Lehrling in der West LB. Als Vorstandsvorsitzender von Bethmann hat er fünf Banken gekauft und die Zusammenschlüsse vollzogen.

          Jobrotation ist bei ABN Amro angesagt

          Dass Führungskräfte innerhalb des ABN-Amro-Konzerns ihre Plätze räumen, ist derzeit an der Tagesordnung. Der im November 2016 in Amsterdam neu angetretene Konzernvorstand streicht gerade 60 von 100 Top-Positionen in der Bank, die acht Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise noch mehrheitlich dem Staat gehört, aber 2016 so viel verdient hat wie in Deutschland nur die beste Geschäftsbank, die DZ Bank.

          Immerhin 2,1 Milliarden Euro Nettogewinn standen unter dem Strich zu Buche. Da überrascht es, wenn selbst Führungskräfte, deren Stelle nicht gestrichen wird, auf andere Posten innerhalb des ABN-Amro-Konzerns wechseln sollen. Doch genau das passiert offenbar. Jobrotation ist angesagt. Das will Schmidt  nicht mitmachen. Den Plan, „jetzt das Dach zu reparieren, solange noch die Sonne scheint“, hält er aber für richtig.

          Düsseldorf, Hongkong, Frankfurt

          Der 51 Jahre alte Schmidt war als Vorstandsvorsitzender der Bethmann Bank Statthalter von ABN Amro in Deutschland. Er hat ohne Studium eine Karriere hingelegt, wie es sie in der Kreditwirtschaft kaum noch gibt. Mit 16 Jahren trat der gebürtige Düsseldorfer 1984 in die West LB ein und lernte dort das Wertpapiergeschäft von der Pike auf. Die damals führende Landesbank schickte ihn bis nach Hongkong.

          Nach sieben Jahren in der West LB wechselte Schmidt dann 1991 zur Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank, einem Vorläuferinstitut der Hypo-Vereinsbank (HVB). Als er 2004, damals als stellvertretender Vorstandsvorsitzender, zusammen mit Rüdiger von Wedel die Delbrück Bethmann Maffei Bank von der HVB an ABN Amro verkaufte, hatte Schmidt schon fünf Bankfusionen als Mitarbeiter erlebt. Seitdem er von Wedel 2007 an der Vorstandsspitze der Bethmann Bank ablöste, hat er weitere fünf Bankübernahmen als Vorstandsvorsitzender gestaltet. Zuletzt kaufte Bethmann 2014 das deutsche Privatkundengeschäft der Credit Suisse.

          Effiziente Bank

          Schmidts Credo lautete stets: Es braucht mehr kritische Masse an Kundenvermögen, um dem Margendruck im Vermögensverwaltungsgeschäft für reiche Privatkunden zu begegnen. So ist die darauf spezialisierte Bethmann Bank mit derzeit 38 Milliarden Euro an verwaltetem Kundenvermögen hinter Deutscher Bank und Commerzbank und noch vor der Schweizer UBS und Oddo BHF zur Nummer drei in Deutschland im Private Banking herangewachsen. Und ihre Effizienz kann sich für deutsche Verhältnisse durchaus sehen lassen: 64 Cent musste die Bethmann Bank 2016 aufwenden, um einen Euro Ertrag zu erwirtschaften. Viele Wettbewerber wären froh, kämen sie auf 70 Cent.

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