https://www.faz.net/-gv6-rz8v

Beteillgungsfonds : Permira strebt zurück an die Weltspitze

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Buyouts boomen, was die britische Beteiligungsgesellschaft Permira dazu veranlaßt, bis zu 10 Milliarden Euro einzusammeln. Damit wird sie zu den größten amerikanischen Fonds aufschließen.

          Die britische Beteiligungsgesellschaft Permira will wieder ganz oben in der vor allem von Amerikanern dominierten Weltliga der Private-Equity-Fonds mitspielen. Permira wolle noch im ersten Halbjahr den nunmehr vierten Fonds auf die Beine stellen, ist in der Branche zu hören. Dieser solle ein Volumen von 8,5 bis allerhöchstens 10 Milliarden Euro haben und damit wieder zu den größten amerikanischen Fonds aufschließen.

          Erst vor kurzem hatte der Wettbewerber Blackstone bei den Investoren mehr als 10 Milliarden Euro eingeworben und nennt damit den größten Beteiligungsfonds der Welt sein eigen. Diesen Titel konnte bis vor einem Jahr Permira mit ihrem 5,1 Milliarden Euro schweren, 2003 geschlossenen dritten Fonds beanspruchen. Im vergangenen Jahr haben allerdings viele der führenden Beteiligungsfonds die derzeit riesige Nachfrage der institutionellen Investoren nach dieser Anlageklasse ausgenutzt und eine ganze Reihe noch größerer Fonds aus der Taufe gehoben.

          Boom der Buyouts

          Der Markt für große Unternehmenskäufe durch Finanzinvestoren (Buyouts) erlebt derzeit einen Boom wie zuletzt in den achtziger Jahren in Amerika. Allein im vergangenen Jahr haben die Buyout-Fonds nach Angaben des Forschungsinstituts Private Equity Intelligence 115 Milliarden Dollar an frischen Mitteln aufgenommen. Angetrieben von günstigen Fremdfinanzierungsmöglichkeiten haben sich die Finanzinvestoren auch an Übernahmen im Wert von mehr als 10 Milliarden Euro herangetraut.

          Im Gegensatz zu den achtziger Jahren spielt diesmal jedoch auch der europäische Markt eine extrem wichtige Rolle. Nahezu alle großen amerikanischen Beteiligungsfonds sind hier vertreten. „Bei Übernahmen in Europa im Wert von mehr als 5 Milliarden Euro waren im vergangenen Jahr stets amerikanische Fonds dabei, außer bei dem Kauf des Reisebuchungsunternehmens Amadeus“, sagt Rainer Ender, Managing Director des Schweizer Dachfonds Adveq. Auf dem Heimatmarkt machten die Amerikaner dagegen den Wettbewerb weitgehend unter sich aus.

          Sprung über den Atlantik

          Das soll sich allerdings in Zukunft ändern, auch europäische Fonds versuchen dort Fuß zu fassen. So hat die britische Apax im vergangenen Jahr ihre amerikanische Sparte mit der Buyout-Gesellschaft Saunders Karp & Megrue zusammengeschlossen. Der gemeinsame Fonds ist nun 1,8 Milliarden Dollar schwer. Damit ist Apax freilich der einzige große europäische Private-Equity-Investor mit einem eigenen Amerika-Fonds. Dagegen haben mehrere amerikanische Finanzinvestoren eigene Europafonds. Permira hat immerhin vor zwei Jahren in New York ein Büro eröffnet und 2005 eines in Tokio.

          In der Branche heißt es, mit dem neuen Fonds wolle Permira auch weitaus mehr in Amerika und Asien investieren. Im alten Fonds waren nach einem Bericht der „Financial Times“ die Investitionen außerhalb Europas auf 15 Prozent des Gesamtvolumens gedeckelt. Erst vor wenigen Tagen hatte Permira in Nordamerika einen der größten Übernahmen durch einen europäischen Fonds angekündigt, den 760 Millionen Dollar teuren Kauf von Aearo, einem Hersteller von Sicherheitsprodukten. Damit sind die Mittel des dritten Permira-Fonds zu rund 65 Prozent investiert.

          10-Milliarden-Euro-Grenze als absolutes Limit

          Offenbar gilt die 10-Milliarden-Euro-Grenze als absolutes Limit des neuen Fonds, denn angesichts des immer härteren Wettbewerbs in der Branche müssen sich die Beteiligungsmanager der Frage stellen, ob die Mittel noch sinnvoll zu investieren sind. Zwar kaufen Finanzinvestoren immer größere Konzerne und erweitern dadurch den Markt, aber bei steigenden Zinsen könnte die Jagd nach Großunternehmen schnell vorbei sein, weil weniger Fremdkapital zur Verfügung stünde.

          Der neue Permira-Fonds symbolisiert auch die zunehmende Reife der europäischen Beteiligungsbranche. Auch in Deutschland beginnen sich mittlerweile größere Fonds zu etablieren. So hat die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) vor kurzem den größten unabhängigen deutschen Fonds geschlossen - der mit einem Fondsvolumen von 434 Millionen Euro der britischen Konkurrenz freilich noch weit hinterherhinkt. Dafür konzentriert sich die Gesellschaft aber auf den klassischen deutschen Mittelstand, zu dem die ausländischen Wettbewerber oft einen schlechteren Zugang haben. Mit diesem Geschäftsmodell hat die DBAG 2005 den größten Konzernüberschuß in der vierzigjährigen Unternehmensgeschichte erzielt.

          Der Optimismus in der Branche ist dementsprechend groß. Nach Zahlen des Branchenverbands BVK arbeiten derzeit mehr als drei Viertel der 69 deutschen Beteiligungsgesellschaften an neuen Fonds.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Nach Interviewabbruch : Es bleiben viele Fragen an Höcke

          Die Aufregung über den Interview-Abbruch und die Drohungen von Björn Höcke verstellt den Blick auf die eigentliche Frage: Wes Geistes Kind ist der AfD-Politiker?

          Nicht die Jungen überzeugen : Der FC Bayern und seine alte Achse

          Löw hat’s gesehen: Die Münchener spielen gegen Leipzig zumindest eine herausragende erste Halbzeit. Das liegt vor allem an den Routiniers. Neuer, Boateng, Müller und Lewandowski halten die Zeit an.
          Der Hausarzt: Klaus Reinhardt in seiner Bielefelder Praxis

          Neuer Ärztepräsident : Der doppelte Reinhardt

          Der Mann ist Hausarzt mit Leidenschaft. Aber Klaus Reinhardt ist immer nur montags in seiner Bielefelder Praxis. Sonst macht er Politik in Berlin – als Präsident der Bundesärztekammer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.