https://www.faz.net/-gv6-9mjsd

Berkshire kauft Amazon-Aktien : Warren Buffett ist jetzt Bezos-Fan

  • -Aktualisiert am

Er ist bei Amazon eingestiegen: Der Star-Investor Warren Buffett. Bild: AFP

Lange fremdelte Warren Buffett mit Tech-Aktien, mied diese regelrecht. Nun setzt der Star-Investor nach dem Apple-Einstieg im vergangenen Jahr auch auf Amazon-Aktien. Ist das eine Kaufempfehlung für Privatanleger?

          Warren Buffett investiert in einen weiteren großen amerikanischen Digitalkonzern. Die Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway des Star-Investors hat zum ersten Mal Anteile von Amazon gekauft. Dies sagte Warren Buffett in einem Interview mit dem Börsen-Sender CNBC am Donnerstag. Der 88 Jahre alte Investor sagte nichts zur Höhe des Aktienkaufs und verwies lediglich auf die Bilanz seiner Investmentgesellschaft – dies werde damit im nächsten Quartalsbericht stehen.

          Doch egal, wie hoch das Engagement von Warren Buffett bei Amazon auch sein mag: Wenn „das Orakel von Omaha“ bei einem Unternehmen einsteigt, wird dies an der New Yorker Wall Street unter Börsenexperten in der Regel als Gütesiegel für das jeweilige Unternehmen angesehen. Warren Buffett als Aktionär zu haben, ist für jedes Unternehmen langfristig besser als diverse Analysteneinschätzungen, so die einhellige Meinung an der Börse. Nur wenigen Börsenexperten wird ein ähnliches Gespür für den Markt attestiert, wie es Warren Buffett für lukrative Geldanlagen seit Jahrzehnten hat.

          Beispiele für seinen guten Riecher gibt es einige: Während der Finanzkrise hatte Buffett ins Wanken geratene Finanzgiganten wie Goldman Sachs und die Bank of America sowie den Mischkonzern General Electric mit Milliardenbeträgen unterstützt und damit das Vertrauen der Börse in diese Unternehmen wiederhergestellt.

          Parallelen zum Apple-Einstieg

          Nicht zu vergessen ist auch sein Einstieg bei Apple: Als der amerikanische Investment-Guru Anfang Mai 2018 mitgeteilt hatte, mit seiner Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway viele Apple-Anteile gekauft zu haben, ging der Aktienkurs von Apple schnell nach oben und erreichte im Oktober ein Rekordhoch. Das Interesse der privaten Anleger an Apple wurde durch Buffett ein weiteres Mal geweckt.

          APPLE

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Das könnte nun bei Amazon ebenfalls passieren. Der Einstieg bei Apple hatte damals viele erstaunt, denn lange fremdelte Buffett mit Tech-Aktien, mied diese regelrecht und investierte ausschließlich in Old-Economy-Branchen wie Eisenbahnunternehmen, Banken oder Traditions-Konzerne wie Coca-Cola. Die Aussage Buffets in einem Fernsehinterview im Frühjahr 2018, er sei in den letzten Jahren zu einem großen Fan von Apple geworden, kam deshalb einer Adelung des iPhone-Konzerns gleich.

          Ähnlich verhält es sich jetzt auch bei Amazon, Warren Buffett lobt das Unternehmen und dessen Gründer in den höchsten Tönen. „Ich habe Amazon von Anfang an beobachtet“, sagte Buffett schon im vergangenen Jahr. Was Bezos dort geschafft habe, komme einem Wunder nah. Im aktuellen CNBC-Interview sagte er nun, dass er ein Fan von Amazon sei und „ein Idiot gewesen“ sei, nicht schon früher Amazon-Anteile gekauft zu haben. Eine Aussage, die ebenfalls überrascht, kennt Warren Buffett den Amazon-Gründer Jeff Bezos doch schon länger. Beide sind Geschäftspartner und betreiben gemeinsam mit ihren Unternehmen und der amerikanischen Bank JP Morgan Chase das Gesundheitsvorsorge-Unternehmen Haven.

          Was macht der Privatanleger?

          Buffett macht nun bei Amazon das Gleiche wie bei Apple, was sich Anleger nur selten trauen. Er stieg schon bei Apple zu hohen Kursen ein, während manch Privatanleger vielleicht eher der Meinung war, die Kursgewinne verpasst zu haben und folglich einen Aufpreis zu zahlen. Das gleiche geschieht nun auch bei Amazon. Was heißt das für die Aktie und den Privatanleger?

          Seit dem Bekanntwerden vom großen Buffett-Einstieg beim Apple-Konzern hat dessen Aktienkurs deutlich zugelegt. Inwieweit dieses Szenario auch auf die Amazon-Aktie zutrifft, bleibt abzuwarten. Fakt ist aber: Wenn Warren Buffett erzählt, wie er über Unternehmen denkt, dann hören sie an den Finanzmärkten genau hin, Kursanstiege sind dann eigentlich die logische Folge. Denn es gibt viele Fondsmanager und noch mehr Kleinanleger, die nicht nur versuchen die Strategie, sondern auch das Portfolio von Warren Buffett im eigenen Depot zu kopieren.

          Amazon.com

          -- -- (--)
          • 1T
          • 1W
          • 3M
          • 1J
          • 3J
          • 5J
          Zur Detailansicht

          Wer Warren Buffett voraus war und schon vor zehn Jahren auf Amazon gesetzt hat, kann heute auf ein kleines Vermögen im Depot schauen. Aus einer Anlagesumme von 10.000 Euro wurden bis heute mehr als 270.000 Euro. Ende April 2009 lag der Kurs der Amazon-Aktie bei 62 Euro, am Donnerstag schloss sie bei fast 1700 Euro.

          Die Amazon-Aktie befindet sich aktuell in einem intakten langfristigen Aufwärtstrend, sodass abseits von den Impulsen durch den Buffett-Einstieg weitere Kursgewinne realistisch sind. Seitens des Unternehmens zumindest gibt es keine schlechten Nachrichten. Die jüngste Bilanz hatte einen Rekordgewinn vorzuweisen und das Geschäft von Amazon sollte auch in den kommenden Jahren nicht stagnieren. Warren Buffett dürfte das wissen.

          Seine Amazon-Aussage kommt auch taktisch zu einem sehr guten Zeitpunkt: Am heutigen Freitag beginnt in Omaha das alljährliche „Woodstock für Anleger“, die Hauptversammlung der Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway, zu der wieder tausende Buffett-Anhänger erwartet werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Vor UN-Klimagipfel : Jetzt muss endlich gehandelt werden

          Angela Merkel und ihre Regierung reisen mit einem Plan nach New York, mit dem sie nicht als Vorkämpfer fürs Klima zurückkehren werden. Nur guten Willen zeigen – das genügt nicht mehr. Die neuen Klimaberichte sind alarmierend.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.